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Nr. 5 
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEIT UNG 
Seite 53 
gingen, wie zu ihrem sechzigsten, siebzigsten und 
achtzigsten Geburtstag. Die handgeschriebenen 
Texte ihrer bekanntesten Werke, wie »Das Ge 
meindekind«, »Lotti, die Uhrmacherin« und »Bo- 
zena«, fanden sich leider im Nachlaß nicht vor. 
Sehr interessant sind die Briefe des Aquarelli 
sten Franz A 11, der, wenn er auch nicht den Ruhm 
seines Bruders Rudolf erreichte, doch auch ein sehr 
geschätzter Maler war. Er führte die Dichterin in 
die Kunst des Zeichnens und Malens ein, und sie 
war keine untalentierte Schülerin, wie einige Skiz 
zenbücher in ihrem Nachlaß zeigen. 
Sudetendeutsche JCunst. 
Aus Nürnberg wird uns geschrieben: 
Ara 22. Februar wurde die von der Stadt Nürnberg in Ge 
meinschaft mit der Deutschen Gesellschaft der Wissenschaften 
und Künste in der Tschechoslowakei unternommene Ausstel 
lung sudetendeutscher Kunst durch den Oberbürgermeister 
Dr. Luppe eröffnet. Die damit verbundene schlichte Feier 
erhielt noch dadurch eine besondere Bedeutung, daß der 
bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus Dr. G o 1- 
d e n fe e r g e r, dem die Stadt Nürnberg für -seine tatkräftige 
Unterstützung des Unternehmens zu großem Dank verpflichtet 
ist, erschien, Aon Prag aus waren bei der Eröffnung zugegen; 
Der Professor an der Deutschen Technischen Hochschule Dipl.- 
Ing. Artur Payr, der Sachwalter des Kuratoriums der deut 
schen Abteilung der Modernen Galerie in Prag, Ministerialrat 
Dr. Rudolf Hönigschmid und der Akademieprofessor 
Heinrich H ö n i c h. 
Die Ausstellung umfaßt Werke der Malerei und der gra 
phischen Kunst, der Bildhauerei und auch der neuzeitlichen 
Architektur. Um das Bild sudetendeutscher Kunst möglichst 
in sich abzurunden, wurden auch Werke verstorbener Künst 
ler, die als -die Lebendigsten aus der letzten Vergangenheit 
empfunden werden, ibeigebracht. An erster Stelle steht der 
(bereits 1876 verstorbene Wilhelm Riedel, dessen Kunst sich 
in der unzerstörbaren Frische und Unmittelbarkeit ihres ma 
lerischen Empfindens auch inmitten der jüngsten Kunstäuße 
rungen durchaus behauptet. In seiner feinen Landschaftskunst 
ist der wertvollste Beitrag Böhmens zu der Entwicklung deut 
scher Malerei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu 
erblicken. Neben der Kollektion der Arbeiten von Wilhelm 
Riedel werden auch solche von dem 1925 verstorbenen Pra 
ger Akademieprofessor August Brömse, dem 1923 verstor 
benen Dresdner Akademieprofessor Emanuel Hegenbarth, 
dem 1928 verstorbenen Maler W. Fr. Jäger, dem 1901 ver 
storbenen Maler Eugen von J e 11 e 1, von dem 1927 verstor 
benen Prager Akademieprofessor Karl Krattner dem Ael- 
teren, von dem Maler Rudolf Kr aus s (gestorben 1930), von 
der Malerin Hermine Lailkota (gestorben 1931), von dem 
1925 verstorbenen Maler Carl Maria Tliuma und von dem 
früher als Professor an der Kunstgewerbeschule in Wien täti 
gen, 1919 in Berlin verstorbenen Bildhauer Franz Metzner 
gezeigt. Aber auch die im Ausland schaffenden Künstler su 
detendeutscher Herkunft wurden zur Teilnahme an der Aus 
stellung herangezogen. Ist es doch ein tragisches Verhängnis, 
daß viele der (begabtesten Künstler in dem begreiflichen 
Drange nach größeren Verhältnissen und lebhafteren Wider 
hall ihres Schaffens ihre engere Heimat verlassen haben! So 
erscheinen unter den Ausstellern zahlreiche Namen, die in der 
allgemeinen deutschen Kunst der Gegenwart einen ausgezeich 
neten Klang besitzen, wie: Josef Hegen barth in Dresden; 
Akademieprofessor Walter Klemm in Weimar; Akademie 
profeissor Anton Kolig in Stuttgart; Alfred Kuibin in Leit- 
meritz; Akademieprofessor Richard Müller in Dresden; Max 
Oppenheimer in Berlin, von dem unter anderem das 
große, zwischen 1920 und 1923 entstandene Gemälde »Orche 
ster« gezeigt wird; Akademieprofeissor Emil Orlik in Berlin, 
der Radierer Ferdinand Staeger in München; Akademiepro- 
fesisor Hugo Steiner- Prag in Berlin; der Bildhauer Franz 
Barwig in Wien; der Bildhauer Prof, Anton Hanak in 
Wien; Akademieprofessor Hugo Lederer in Berlin; der be 
kannte, in Wien tätige Architekt Josef Hoff mann und der 
als Architekt einen Weltruf genießende Adolf Loos. 
Im übrigen ist von der zeitgenössischen Kunst ein Bild 
geformt worden, welches die Verschiedenheiten der Stammes- 
anlagen der sudetendeutschen Künstler, die Gegensätze von 
Stadt und Land, von überlieferter und nach neuem Ausdruck 
ringender Kunst in den vorgeführten Werken ungeschminkt 
zum Ausdruck kommen läßt. Unter diesen Umständen bildet 
diese Ausstellung das erste Band, welches zwischen den Künst 
lern sudetendeutscher Herkunft und unserem deutschen Va 
terlande hergestelli wird. 
Der Jling des ^Meeres, 
Eine sehr interessante Entdeckung veröffentlicht 
unter diesem Titel Roland J a e g e r im »Repertorium 
für Kunstwissenschaft«. Es ist dem genannten Ge 
lehrten gelungen, einen der Ringe nachzuweisen, 
die zu der symbolischen Meereshochzeit der 
Venezianer gedient haben. Die seltsame Feier 
ist ja bekannt: Wie in vergangenen Jahrhunderten 
der Doge von Venedig auf dem Bucintoro, dem 
prunkvollen Staatsschiff, mit großem Pomp zum 
Lido hinausfuhr und dort als Unterpfand einer ewi 
gen Herrschaft über die Adria unter Aussprechen 
einer feierlichen Vermählungsformel einen goldenen 
Ring ins Meer warf. Viele Reisende, Schriftsteller, 
Dichter und Maler haben das Fest, das mit einer be 
rühmten Messe verbunden war und von weither die 
Schaulustigen anlockte, in allen seinen Phasen ge 
schildert. Die Spezialforscher wußten auch, daß die 
Zeremonie mindestens seit der Mitte des 13, Jahr 
hunderts, aus welcher Zeit die ersten Berichte von 
Augenzeugen vorliegen, bis zum Jahre 1797 alljähr 
lich am Himmelfahrtstage begangen wurde, und daß 
zu allen Zeiten ein erbitterter Wettkampf der ge 
schicktesten Taucher um das kostbare Kleinod statt 
fand, da es der Finder behalten durfte, ja, zu gewis 
sen Zeiten ein Jahr lang von allen Steuern und Lei 
stungen für den Staat befreit war. Bis jetzt war 
aber kein Original eines solchen Ringes, ja nicht ein 
mal eine Zeichnung von einem bekannt geworden. 
Das von Herrn Jaeger entdeckte Stück, das sich 
schon längere Zeit, ohne daß seine Bedeutung er 
kannt war, in einer deutschen Privatsammlung be 
findet, gehört dem fünfzehnten Jahrhundert an, Es 
ist aus Dukatengold, nicht weniger als 60 Gramm 
schwer und entsprechend groß. Oben zeigt es in 
plastischer, sorgfältig ausgeführter Darstellung eine 
fünfteilige Kirchenfassade, die auf zwei Löwenköpfen 
ruht. Eine besondere Rändelung der Reifkanten und 
die auffallende, platte Gesamtform des Ringes, die 
man geradezu als eine Kreuzung von Diskus und 
Senkblei charakterisieren kann, sollte offensichtlich 
dafür sorgen, daß das Kleinod nicht etwa unverse 
hens den haltenden Fingern entglitt, vielmehr sich, 
wie es die Zeremonie verlangte, sicher und wirkungs 
voll ins Meer werfen ließ; denn jedes Mißgeschick 
bei dieser Haupt- und Staatsaktion wäre natürlich 
ein sehr böses Omen gewesen.
	        

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