MAK
Nr. 9 
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Seite 95 
kirnst; bei dem dritten Stück, dem Damenschreibtisch 
aus karelischer Birkenmaser, läßt das schwedische 
Holz an den Stockholmer Hofebenisten Gcttlieb 
Iversson denken, der am Ende des 18, Jahrhunderts 
ganz im Stil Roentgens gearbeitet hat. Schließlich 
sei noch auf die aus dem Atelier Cozette in Paris I 
hervorgegangenen Gobelins hingewiesen, von denen 
der eine das Bildnis Katharinas II. zeigt, während 
die Darstellung auf dem anderen der Geschichte des 
Argonautenhelden Jason entnommen ist. Eine dritte 
Tapisserie stammt aus der königlichen Manufaktur 
I aus Paris. 
Der Umsturz in Spanien. 
Der Umsturz in Spanien wirkt sich zunächst 
für die Sammlerwelt darin aus, daß die Briefmarken 
mit dem Stempel »Republik« überdruckt werden. 
Das ist natürlich nur ein Uebergangszustand und soll 
nur solange dauern, bis die eigentlichen Republik- 
Marken hergestellt sind. Es ist natürlich auch zu 
erwarten, daß die neugebackene Republik sehr bald 
eigenes Geld prägen läßt. 
Ein Plan der neuen Machthaber geht dahin, das 
Königspalais in Madrid in ein Museum zu 
verwandeln; ob er auch ausgeführt wird, steht noch 
dahin. Bisher besitzt das Schloß ein kleines, selt 
sames Museum, das sog. Unglücksmuseum 
des Königs A 1 f o n s o XIII., das Erinnerungsstücke 
an die zahlreichen Attentate enthält, die auf den 
Monarchen begangen wurden. Und diese Anschläge 
setzten sehr früh ein, schon als Alfonso in der Wiege 
lag. Aus dieser Zeit ist in dem Museum der Lutscher 
einer Kinderflasche da, in die man, als Alfonso acht 
Monate alt war, Gift gab, um ihn aus dem Wege zu 
räumen. Der Schutzengel der Kleinen hat damals 
verhütet, daß die Feinde ihren grausamen Zweck 
erreichten. Im Museum sieht man die Scherben 
einer großen Glasvase, über die Alfonso als fünfjäh 
riger Knabe so unglücklich fiel, daß die Verletzun 
gen ihn in Lebensgefahr brachten. Ein Spazierstock 
hält die Erinnerung an einen unzufriedenen Hof 
beamten wach, der den König überfiel. Von der 
Bombe, die in Barcelona auf ihn geworfen 
wurde, hat sich der König für sein Museum Splitter 
aufgehoben. An den Ueberfall, der auf ihn in der 
Rue de Rivoli zu Paris verübt wurde, als er neben 
dem Präsidenten L o u b e t zu Wagen durch die 
Straße fuhr, erinnert ein Stück des Landauers, den 
er damals benutzte, sowie das Skelett eines Pfer 
des, das ihm bei dieser Gelegenheit den Wagen zog. 
Natürlich fehlen auch die »Reliquien« an jenes 
schreckliche Attentat nicht, das am Tage seiner 
Hochzeit gegen ihn verübt wurde, als eine Höllen 
maschine, die in einem Strauße verborgen war, auf 
seinen Wagen geschleudert wurde. Damals wurden 
allerlei Gegenstände, die nach dem Attentat auf der 
Straße gefunden wurden, dem König für sein Un 
glücksmuseum eingeliefert. 
In dieser ungemütlichen Sammlung finden sich 
ferner Dolche, Feuerwaffen und Projektile aller Art, 
die gegen den König verwandt worden sind oder im 
Zusammenhang mit Anfällen und Mordversuchen 
auf ihn stehen. Alfonso hatte eine gewisse Vorliebe 
für diese seine merkwürdige Sammlung. Wenn sein 
Kraftwagen — der König ist ein eifriger Automobi 
list — etwa gegen einen Baum fuhr, so verfehlte er 
nicht, seiner Sammlung ein Stück von der Rinde 
dieses Baumes einzuverleiben. Glitt er auf dem Par 
kett aus, so ging das Parkettstück, das den Unfall 
hervorrief, in das Unglücksmuseum über, etc. 
Jluktion Ulrico JCoepli. 
Das Antiquariat Ulrico Hoepli in Mailand, 
dessen Auktionen Weltruf genießen, versteigert am 
21. und 22. Mai im Zunfthaus zur Meise in Zürich 
eine außerordentliche Sammlung von Autographen, 
Miniaturen, Manuskripten, Inkunabeln und anderen 
seltenen Büchern. 
Der Katalog, mit der rühmlich bekannten Gründ 
lichkeit dieses Antiquariates bearbeitet, verzeichnet 
236 Nummern, von denen die meisten auch im Fak 
simile wiedergegeben sind. Den Anfang machen die 
Autographen, im ganzen 38, aber von ganz er 
lesener Art. Das wertvollste Stück ist ein von N a- 
poleon I. vollständig eigenhändig geschriebener 
Brief an seine Schwester, die Prinzessin Pauline 
Borghese, aus dem Jahre 1803. Rarissima stellen 
die Autographen von Rousseau, Volta, Vol 
taire und Zwingli dar. Der Reformator Calvin 
ist durch einen lateinischen Brief an den Bürger 
meister von St, Gallen, Joachim Badianus, ver 
treten. Es finden sich ferner Autographen von 
Goethe, Haydn, Heinrich Heine, Manzoni, 
Meissonier, Silvio P e 1 i c o, Bernard Shaw 
und Richard Wagner. 
Unter den Miniaturen begegnen wir reizen 
den Stücken der Schulen von Bologna, Florenz und 
Siena, mit Szenen aus der Passion, aus dem Leben 
der heiligen Franz von Assissi, Dominik, u. a. 
Die Manuskripte setzen mit einer alchimi 
stischen Handschrift aus dem XIV. Jahrhundert 
»Alemanus de Bohemia« ein. Es folgen dann Manu 
skripte von C i c e r o s »De officiis« aus dem XV. 
Jahrhundert, von Tacitus »Historien« aus dem 
XVI. Jahrhundert, von M a r t i a 1 s »Epigrammen« 
aus dem XIV. Jahrhundert u. a. Ein schönes, illumi 
niertes Stundenbuch stammt von Francesco 
Antonio del C h i r i c o ; sehr interessant ist eine von 
Jehuda ben Z o r a (Ben Zoheir) signierte und 5. Ok 
tober 1505 datierte Schiffahrtskarte, die das 
Mittelmeerbecken und einen Teil des Atlantischen 
Ozeans mit den Kanarischen Inseln und den Azoren 
umfaßt. 
Unter den Inkunabeln, zirka 90 Nummern, 
sind besonders die sechs Originalausgaben von 
Savonarola hervorzuheben, die außerordent 
lichen Seltenheitswert haben, Erstdrucke fin 
den sich von Leonardo Arentinos: »Geschichte 
des ersten punischen Krieges« (Venedig, De Basilius, 
1471), von Cornelius »De medicina« (Nicolaus 
die Lorenzo de Lamagna, Florenz, 1478), Floren- 
t i n u s »Confessionare« (Corderius, Mantua, 1472), 
u. a. Den Bibliographen völlig unbekannt war bis jetzt 
die Ausgabe des »Tristan« von 1492, die bei B. Mi- 
sinta et C, de Parma 1492 in Pavia erschienen ist. 
In einem prächtigen, unbeschnittenen Exemplar ist 
der frühe Druck über das Duell von 1478 vor 
handen, der als Vorläufer der späteren reichen Duell 
literatur zu betrachten ist. Wertvolle Inkunabeln 
sind ferner die »Filosonia« von Aldobrandin o, 
das bei Ausonius in Venedig 1472 erschienene Werk 
von Antonio Cornazzona »De fide et vita
	        

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