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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Seite 3 
Der „J3laue Diamantnicht verkauft. 
Aus London wird uns geschrieben: 
Die Versteigerung der bayerischen Kron- 
j u w e 1 e n, der man mit größter Spannung entgegen 
sah, bot eine große Enttäuschung. Das Interesse an 
den Kostbarkeiten schien während der dreitägigen 
Schaustellung ein enormes zu sein, ganz London war 
bei Christie zu sehen, als es aber zur Auktion 
kam, zeigte es sich zur allgemeinen Verwunderung, 
daß niemand da war, der für den »Blauen D i a- 
m a n t« und die nicht minder berühmte Tiara an 
gemessene Anbote machte. So wurde das Unerwar 
tete zur Tatsache: beide Stücke gingen zu 
rück. " 
Auf den »Blauen Diamant« wurde bis 5600 Pfund 
gesteigert: da aber der Betrag weiter hinter dem 
Limit lag, wurde der Diamant von Christie auftrags 
gemäß zurückgezogen. Dasselbe Schicksal hatte dann 
die Tiara, obwohl sie bis zu 7000 Pfund ging. So 
wandern 1 denn die beiden Hauptstücke wieder nach 
München zurück und die Wittelsbacher werden Zu 
sehen müssen, ob sie sie freihändig besser verwerten 
können. 
Von den übrigen Kronjuwelen brachte der pracht 
volle Anhänger mit den drei großen Brillanten 4000 
Pfund, ein Brillantring mit gelbem Stein 1550 Pfund 
und die neun Saphire 21,150 Pfund. Der Gesamterlös 
stellt sich sonach auf 26,700 Pfund. 
Von den Juwelen, die das Kunstauktionshaus 
Christie bei derselben Versteigerung ausbot, erzielte 
ein Collier mit 67 Perlen aus dem Besitz einer nicht 
genannten Lady 16,500 Pfund. 
Cinsturzkatastrophe in der Vaticana. 
In der vatikanischen Bibliothek in 
Rom ist am 21. Dezember eine Decke eingestürzt, 
wodurch fünf Menschen ums Leben gekommen sind 
und ungeheuerer Sachschaden verursacht wurde. 
Noch ist nicht zu übersehen, was an kostbaren Wer 
ken, an unersetzlichen Dokumenten vernichtet wurde; 
bisher ist bloß konstatiert worden, daß die wert 
vollen Freskogemälde Z u c c a r i s zerstört sind. 
Unter den Dokumenten, die vermißt werden, be 
findet sich der berühmte Brief, den Martin Luther 
an den Papst L e o X. gerichtet hat. 
Die vatikanische Bibliothek ist eine Gründung 
des Papstes Nikolaus V. Sixtus IV. hat sie erweitert 
und Sixtus V. hat sie in den Räumen untergebracht, 
in denen sie sich heute befindet. In verhältnismäßig 
kurzer Zeit baute der Architekt F o n t a n a die herr 
lichen Säle, die Cesare Nebbia und Giovanni Guerra 
mit Fresken schmückten. Diese Fresken stellen Er 
eignisse aus dem Pontifikat Sixtus V. dar. An den 
Wänden und den sechs mächtigen Pfeilern, auf denen 
die Decke ruht, stehen 46 Schränke, in welchen die 
Handschriftenschätze geborgen sind. Die wertvollsten 
unter ihnen sind in Glaskästen untergebracht, so die 
V irgilhandschriften, ein Dioskurides mit 
Illustrationen von einem Schüler Raffaels, Autogra 
phen von Sonetten Petrarcas, eine Handschrift 
der Göttlichen Komödie, von Boccaccio 
eigenhändig geschrieben und Petrarca gewidmet, 
Palimpseste und andere mehr. Manchen Schatz hat 
die Vaticana durch kriegerische Ereignisse im Laufe 
der Zeit eingebüßt. Der empfindlichste Verlust, der 
sie je betroffen hat, wurde ihr durch den Frieden 
von Tolentino vom Jahre 1797 zugefügt. Napo 
leon verfolgte das Prinzip, Kunstschätze in allen 
Ländern als Siegesbeute zu fordern, ein Verfahren, 
dem das Louvre in Paris seine herrlichsten Schätze 
verdankte. Auch der Papst mußte in jenem Frieden 
nicht nur Land, sondern auch die besten und herr 
lichsten Kunstschätze der Museen von Rom, darun 
ter die kostbarsten Gemälde und die Skulpturen 
der Antike, nach Paris abliefern. Allerdings fand ein 
großer Teil der damals abgegebenen chinesischen, 
äthiopischen, koptischen, syrischen und chaldäischen, 
hebräischen, lateinischen und griechischen Manu 
skripte wieder den Weg nach Rom; als Napoleon ge 
stürzt war, erzwangen die Verbündeten die Rück 
gabe der gestohlenen Kunstschätze an die ehema 
ligen Besitzer. 
Die Geschichte der vatikanischen Bibliothek ist 
sehr alt. Aus dem Liber Pontificalis geht hervor, daß 
der Papst G e 1 a s i u s (492 bis 495) zwei Werke ge 
gen die Ketzereien des Eutyches und des Nestorius 
schrieb und daß diese Schriften in die »Bibliothek 
der römischen Kirche« aufgenommen wurden. Im 
Jahre 649 befand sich die Bibliothek in dem von 
den Päpsten bewohnten Lateran. Während der 
Karolingerzeit war sie ein geistiges Zentrum. Man 
kopierte dort die griechischen und lateinischen Bü 
cher, die dann leider verschwunden sind. Papst Boni- 
faz VIII. entdeckte 500 Manuskripte, die mindestens 
300 Jahre alt waren, aber auch diese verschwanden 
wieder. Als dann später der Heilige Stuhl nach 
Avignon übersiedelte, gründete Johann XXII. eine 
neue Bibliothek, und in Avignon wurde die aposto 
lische Bibliothek unter Clemens VI. so berühmt., daß 
sie an Bedeutung sogar die der Sorbonne übertraf. 
Viele ihrer Manuskripte gelangten später in den 
Besitz der Fürsten Borghese; Leo XIIL erst erwarb 
sie der Kirche zurück. 
Der bereits erwähnte Sixtus IV. verlegte die 
Bücherei in den Vatikan; Ghirlandajo, Melozzo von 
Forli und Antonazzio sorgten für die Ausschmückung 
der Räume. Paul V. und andere humanistische Päp 
ste verhalten der Vaticana zu immer größerem An 
sehen, indem sie mehrere andere Bibliotheken hinzu 
erwarben. Die von Alexander VII. erworbene Biblio 
thek von Urbino, die von Clemens XIIL eingerichtete 
Capponiana, die Bibliothek der Sforza, die der ge 
lehrten Königin Christine von Schweden und andere 
bedeutende Sammlungen wurden von der vatikani 
schen Bibliothek aufgenommen. 
Auch der gegenwärtige Papst hat für die Er 
weiterung und Ordnung der Bibliothek viel getan; 
er hat Fachleute aus aller Welt zur Sichtung des 
ziemlich ungeordnet aufgespeicherten Materiales 
berufen und seine Bibliothekare ins Ausland ge 
schickt. Sachverständige haben versichert, daß eine 
Reorganisation der Kataloge und Indices nicht nur 
die Handhabung des wissenschaftlichen Materials 
erleichtert, sondern auch zahlreiche unbekannte 
Schätze aus der ungeheuren Sammlung zutage för 
dern wird. So ist zum Beispiel in bibliographischen 
Katalogen angegeben, daß von den äthiopischen 
Apokryphen, deren Original verloren gegangen war, 
nur ein gedrucktes Exemplar aus dem Jahre 1450 
vorhanden sei. In der vatikanischen Bibliothek aber 
wurden zwei weitere Abdrucke entdeckt.
	        

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