MAK
Nr. 14/15 
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Seite ! 43 
sowie Arbeiten vorzulegen, die eine Beurteilung ihres künst 
lerischen Könnens ermöglichen und sich persönlich dem Leiter 
der Anstalt vorzustellen. 
(Fragonard-Jubiläum in Grasse.) Die infolge der Landes 
trauer um den ermordeten Präsidenten von Frankreich Dou- 
m e r verschobene Gedächtnisfeier der zweihundertsten Wie 
derkehr des Geburtstages von Jean-Honore Fragonard 
ist in Grasse, der Vaterstadt des Künstlers, nun festlich 
begangen worden. Im Mittelpunkt stand die Aufführung einer 
Reihe von Szenen, die einen Besuch des damaligen „Peintre 
du Roy“ in Grasse, auf seiner Durchreise von Paris nach 
Italien vom Jahre 1773, zum Gegenstand hatte und an die 
sich ein große» provempalisches Volksfest anschloß. Am Ge 
burtshaus Fragonard», dessen Wiederauffindung der neueren 
Forschung zu verdanken ist, wurde in Gegenwart eines direkten 
Nachkommens des Künstlers, Jacques Fragonard, eine 
Gedenktafel angebracht. 
MUSEEN. 
(Das Kunstwerk des Monats.) Aus Berlin wird gemel 
det. Um seine Schätze der besonderen Aufmerksamkeit der 
Besucher zu empfehlen, stellt das Deutsche Museum in 
Berlin im großen Mittelsaal de® Obergeschosses seit einiger 
Zeit ein „Kunstwerk de® Monats” aus. Werke von be 
sonderem Rang werden in einem Glasschrank einzeln zur Schau 
gestellt, eine Abbildung mit kurzem erläuternden Text wird in 
Form einer Postkarte dazu verkauft. Der Vater dieses Ge 
dankens, Direktor Dr. Demmler, erklärt dazu, daß er die 
nach dem Krieg erörterten Pläne, die staatlichen Museen statt 
nach dem Gruppen- nach dem Einzelprinzip aufzubauen, nicht 
wieder aufnehmen wolle. Diesen Plänen komme doch nur eine 
begrenzte Bedeutung zu. Dagegen sei mit der Herauslösung 
eines besonders beachtlichen Einzelwerke® aus dem Gruppen 
zusammenhang beabsichtigt, den Besucher zu einer vertieften 
Betrachtung anzuregen. Es hat sich gezeigt, daß durch diese 
neue Ausstellungsart das Publikum tatsächlich gefesselt wer 
den kann, was auch der rege Verkauf der Erläuterungen be 
weist. Gleichzeitig ist im K ai«er-Frie drich -Museum 
ein Teil des Umgang» der Gemäldegalerie dazu verwandt wor 
den, um die im Besitz des Museums befindlichen Werte der 
frühitalienischen Tafelmalerei zu vereinigen. Außer Gemälden 
des 13, Jahrhunderts befinden sich hier auch noch die Vene 
zianer um 1400, die durch die neue Aufstellung vor Einzel 
wänden besser zur Geltung kommen al® bisher, wo sie in einem 
Oberlichtsaal unter der Kuppel untergebracht waren. 
(Marczell von Nemes-Stiftung für den Pariser Louvre.) 
Der Louvre in Paris hat, wie man uns von dort mitteilt, 
jetzt die drei Gemälde erhalten, die der aus Ungarn stam 
mende Münchener Kunstsammler Marczell von N e m e s ihm 
hinterlassen hat. Es sind zwei spanische Bilder aus dem Be 
ginn des 15. Jahrhunderts, eine Krönung der Maria und ein 
Martyrium des hl. Lorenz, sowie ein Bildnis der Mme. Elisa 
beth Anna Grosselt von G ai n s b o r o ug h. Ein großer Teil 
der Sammlung Nemes ist, wie erinnerlich, im Sommer v. J. 
in München versteigert worden, der Rest dürfte im näch 
sten Frühjahr unter den Hammer kommen. 
(Das Jiräsek-Museum in Prag.) Am 29. Juni wurde das 
Jiräsek - Museum in Prag, in dem Hause II., Resslova 
ulice Nr. 1 eröffnet, in dem Jirasek länger als ein Vierteljahr 
hundert gewohnt hatte. Der öffentlichen Besichtigung wurden 
einstweilen das Schlafzimmer mit dem Totenbette, da® Ar 
beitszimmer und ein Zimmer mit Handschriften der hervor 
ragendsten Werke des Dichters, Familienerinnerungen und 
Lichtbilder, Schulzeugnisse, Ehrendiplome und Korresponden 
zen Jiräseks mit tschechischen Schriftstellern freigegeben, 
(Cranachs Gothaer Paris-Urteil in St. Louis.) Ein Haupt 
werk der mythologischen Malereien Lucas Cranachs d, Ae. 
wurde jetzt vom Städtischen Museum in St. Louis 
erworben, das Paris-Urteil, das bisher in Gotha hing, aus 
dem Besitz der herzoglichen Familie von Sachsen-Ko- 
bur g-Gotha, die nach dem Beispiel so vieler ehemaliger 
deutscher Fürstenhäuser das Beste aus ihrem ererbten Kunst 
besitz in den Kunsthandel bringt. Das Bild zeigte die fünf 
Helden des Dramas vor einem grünen Laubhintergrund. Es 
ist nach dem Urteil des Geheimrats Friedländer um das 
Jahr 1530 entstanden. 
(Die „verbotene Stadt“ als Museum,) Die chinesische 
Regierung hat die früher im Besitz des Kaisers befindlichen 
Kunstschätze der breiten Oeffentlichkeit zugänglich gemacht 
und damit die „verbotene Stadt” zu einem riesigen 
Museum erschlossen. Die Sammlungen umfassen Meisterwerke 
au® mehreren Jahrtausenden chinesischer Kultur, darunter 
1,200.000 Bände Literatur, 6000 Kunstwerke aus Porzellan, Ge 
mälde, Bronzen, Emailarbeiten, Schnitzereien, Stickereien und 
Reliquien von erlesener Schönheit. 
VOM KUNSTMARKT. 
(Das Dorotheum in Wien) veranstaltet im Juli und im 
August keine Kunstauktionen, doch ist der Gedanke 
aufgetaucht, im August das reiche Material, das bereits für 
die erste Herhstversteigerung vorhanden ist, in einer Aus 
stellung Interessenten vorzuführen. Dadurch wäre den 
zahlreichen Fremden, die im August nach Wien kommen, 
Gelegenheit geboten, die Gegenstände zu besichtigen und den 
Sensalen Aufträge für die Auktion zu erteilen. 
(Oelgemälde, Aquarelle und Handzeichnungen des 19. 
und 20, Jahrhunderts.) Bei der am 30. Juni in der Galerie 
Helbing in München abgehaltenen Versteigerung von 
Oelgemälden, Aquarellen und Handzeichnungen des 19. und 
20. Jahrhunderts aus ausländischem, nord- und mitteldeutschem 
Besitze, wurden folgende Preise (in Mark) erzielt: 
2 Aiwasowski, Das Schiff „Swethana". 48:77 cm. 400 
9 Louis Braun, Hopfenernte hei Spalt, 45:66cm . . 255 
10 Heinrich B r e 1 i n g, Interessante Nachrichten, 18:24 230 
15 Gustav C a n t o n, Bärentreiber. 76:110 cm 2510 
16 Lovis C o r i n t h, Aus dem holländischen Fischer 
leben. 90:115 cm 1700 
17 Corot, Altes Gemäuer. 30:26 cm 470 
18 Defregger, Morgenfutter. 33:25 cm 1560 
19 Wilhelm von Diez, Kürassier. 27:11.5 cm 300 
26 Wilhelm E m e 1 e, Abzug der Besatzung. 60:95 cm . 285 
28 Faiber du Faun Pußta-Hirten — Schiffsreiter. 
67:120 cm 290 
30 Anselm Feuerbach, Studienkopf einer Italienerin. 
37:31 cm 790 
32 Walter F i r 1 e, Das interessante Bilderbuch. 60:73 cm 500 
34 Bernhard Fries, Blick auf den Comersee. 71:96 cm 245 
45 G r ü t z n e r, Kardinal. 43:34 cm 1120 
206 K a u 1 b a c h, Eine vornehme Frauengestalt. 162:95 390 
215 Gotthard K u e h 1, Am Brunnen. 26.5:20.5 cm .... 270 
219 Rudolf Kuppelmayr, Besiegt. 19:24cm .... 340 
222 L e n b a c h, Bismarck als Herr des Sachsenwaldes. 
85:60 cm 4000 
228 Adolf L i e r, Abend im Freisinger Moor II. 48:98 cm 1090 
229 Der»., Herbstmorgen bei Rosenheim. 30:50 cm .... 400 
246 Pisemski, Frühling. 37:53 cm 220 
255 Ed. Schleich d. Ae., Isarlandschaft. 70:94cm . . 690 
257 Robert Schleich, Heuernte. 8:11.5 cm 300 
258 Ernst Schmitz, Tegernseerin. 29:20.5 cm 285 
261 Gustav Schönleber, An der Isere duc d'Albe, 
80:60 cm 320 
264 Siemiradzki, Vor der Venusskulptur. 93:154cm 4000 
266 S p i t z w e g, Auf der Bastei. 24:21cm ....... 4250 
270 Ed. S w e b a c h, Aufbruch zur Jagd. 23.5:32.5 cm . 250 
276 Friedrich V o 11 z, Kühe am Wasser. 19:43.5 cm . . . 570 
(115. Kunstauktion bei Albert Kende.) Bei der vom 21. 
bis 23. Juni von Albert Kende in Wien durchgeführten 
115. Kunstauktion wurden folgende bemerkenswerte Preise 
(in Schilling) notiert: 
Arbeiten in Glas und Porzellan. 
2 Farbloses Pokalglas, Böhm. 18. J 60 
5 Desgl. 40 
6 Desgl. 100 
9 Rubinglaskrüglem, Augsburg 17. J 250 
10 Rubinglasischale, Augsburg 17. J 170 
17 Violettes Lithyalinglas, Egerman 1830 110 
26 Zylinderschale mit Untertasse, Sevres um 1815 ... 80 
27 Meißener Zylmderschaie mit Untertasse, Marcolixi . 80 
28 Wiener Zylinder-schale mit Untertasse, 1797 .... 240 
32 Große Schale mit Untertasse, Petersburg um 1830 . 85 
33 Schokoladentasse mit Untertasse, Franz, um 1825 . . 95 
40 Zylinderschale mit Untertasse, Wien 1798 80 
45 Zwei Glasaufsätze um 1830 60 
Silber des 17. und 18. Jahrhunderts. 
48 Silberbecher, Augsburg 17. J„ 358 g 200 
49 Schüssel, Breslau 17. J„ 290 g 130 
50 Ananaspokal, Münster 17. J„ 336 g 300 
51 Silberbecher, Leipzig 17. J, 117 g 110 
52 Ananaspokal, Dresden 17. J 270 
53 Silberbecher, Hamburg 18. J. 117 g 50 
54 Gedeckelter Ananaspokal, Nürnberg. 495 g 320 
55 Gedeckelter Silberbecher, Moskau 1741. 360 g . . . . 190 
56 Silberbecher, Leipzig 17. J. 127 g 100 
57 Gedeckelter Silberpokal, Nürnberg 17. J. 439 g . . . 420 
58 Kokosnußpokal, Rußland 17. J. 224 g 200 
59 Ananaspokal, Moskau 18. J. 777 g 400 
60 Silberbecher, Leipzig um 1700. 212 g 140
	        

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