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INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG 
Nr. •_><! 
Musikdrucke, darunter die Augsburger Motetten 
(1520) von S e n f e 1, auf wertvolle alte Bibelaus- 
gaben, sc die berühmte Complutensisehe und 
Plantinsche Polyglottenbibel, auf He- 
braica und 15 Sammelhände, die eine wahre Fund 
grube für Sammler der Literatur des 16. Jahrhun 
derts bilden. 
Im Anschlüsse an die fürstlich Dietrichstein'sche 
Bibliothek bringen Gilhofer & Ranschburg die her 
vorragende Autographen Sammlung des 
Komponisten Joseph Dessauer (f 1876 in Wien! 
und die Autographensammlung Dr, E. von K. zur 
Versteigerung, von denen noch die Rede sein soll. 
Die Sigmaringer Sammlung wird versteigert. 
Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: 
Am 4., 5. und 6. Dezember finden bei Hugo 
H e 1 b i n g Versteigerungen statt, die wohl das be 
deutendste bringen, was in diesem Jahr in Deutsch 
land auf den Auktionsmarkt kam, 
Zunächst die Versteigerung der Sigma 
ringer Sammlung. Man erinnert sich noch an 
die Ausstellung im S t ä d e l'schen Kunstinstitut im 
Jahre 1928, in der die gesamten Sammlungen ge 
zeigt wurden. Teile hievon kommen jetzt zur Ver 
steigerung, da die Sammlungen, soweit sie nicht in 
den Besitz der Museen und Privatsammlungen über 
gegangen sind, nunmehr völlig liquidiert werden; sol 
len'. Der Bestand ist sehr stattlich, und jedes Werk 
trägt, dem Charakter der alten fürstlichen Sammlung 
entsprechend, den Stempel der Echtheit und Quali 
tät. Es sind insbesondere Gemälde und Plastiken, 
Goldschmiedearbeiten und Textilien, Steinzeug und 
Majoliken, die zum Ausgebot kommen. 
Anschließend an die Sigmaringer Sammlung 
kommt der Nachlaß eines Münchner Kunst 
sammlers zur Versteigerung. Unter den Gemäl 
den ein prachtvoller C r a n a c h, ferner ganz köst- 
JVapoleon- 
Ausstellung im Berliner Zeughaus, 
Aus Berlin wird uns berichtet: 
In der Ruhmeshalle des Zeughauses sind nun 
wieder die berühmten Napoleon-Trophäen 
ausgestellt, die am Abend der Schlacht bei Belle- 
Alliance am 18. Juni 1815 vom Füsselierbataillon 
des 15. preußischen Infanterieregiments beim Sturm 
auf Jemappes im Reisewagen des flüchtigen 
Kaisers erbeutet wurden. Ueber das Wiederauftau 
chen dieser zum kostbarsten Besitz des Zeughauses 
gehörenden Trophäen machten der Stellvertretende 
Generaldirektor der staatlichen Museen, Prof. Dok 
tor Kümmel, und der Leiter der Zeughaussamm 
lungen, Dr, Post, folgende sehr interessante Mit 
teilung: 
Nach dem Weltkrieg wurden im Juni 1919 ge 
legentlich der Verbrennung der französischen und 
belgischen Fahnen am Denkmal Friedrichs des Gro 
ßen durch vaterländisch gesinnte Studenten die Or 
den und andere Napoleon-Andenken mit Ausnahme 
des Hutes gewaltsam entführt und vor feindlichem 
Zugriff in „Schutzhaft genommen“. Die Direktion des 
Zeughauses war seitdem vergeblich um die Rückge 
winnung der Orden bemüht. Denn diese waren nicht 
den Rückgabebestimmungen des Versailler Diktats 
unterworfen, die sich allein auf die Beute aus dem 
Krieg 1870/71 beziehen. Vor wenigen Wochen wur 
den die Orden vollzählig und wohlbehalten von un 
genannter Stelle dem Ministerpräsidenten Göring 
liehe Kleinplastik des Mittelalters bis ins Barock, 
Gebrauchssilber und Möbel. 
Am nächsten Tag die Nachlaßversteigerung des 
bekannten Frankfurter Gelehrten Geheimrat Franz 
R i e f f e 1, die die Kennerschaft dieses geistvollen 
Sammlers in jedem Stück zeigt. Wir folgen weiter 
dem Katalog und nennen wiederum Bildschnitzereien 
und Gemälde, ferner Fayencen, Majoliken, Porzel 
lan, Kleinkunst, Ringe, Dosen Friedrichs des Großen, 
prachtvolle Gobelins, darunter einen großen Brüsse 
ler Monatsteppich, mittelalterliche Miniaturen und 
Nadelmalereien und schließlich aus der asiati 
schen Sammlung eines Wiesbadener 
Sammlers als wichtigste Stücke einen südindi 
schen großen tanzenden Bronzeshiva und eine Grup 
pe der Soma-Skanda-Murti, ebenfalls Südindien, 
16. Jahrhundert. 
Zum Schluß eine Sammlung von etwa 50 Ge 
mälden aus einem deutschen Museum mit 
Bildern aus dem Memlingkreis, Porträts von Peter 
L e 1 y und Nicolas M a e s, sowie guten Holländern 
des 17. Jahrhunderts. 
Die reich illustrierten Kataloge sind durch Hugo 
H e 1 b i n g zu beziehen. 
übergeben, der sie dem Zeughaus überwiesen hat. 
Ueber ihre Echtheit lassen der Befund und die noch 
an jedem Stück hängenden Inventarnummern nicht 
den geringsten Zweifel. Es sind insgesamt 16 hohe 
Orden mit ihren Sternen, Kreuzen und Schärpen, 
drei Staatssiegel des Kaisers, eine Kokarde, eine 
doppelläufige Pistole, ein Ehrenschild vom Adler der 
Fahne des französischen 84. Infanterieregiments mit 
der vom Kaiser 1809 verliehenen Devise: Un contre 
dix. 
Die Direktion hat den nach langen Jahren wie 
der mit dem im Zeughaus verbliebenen Hut verein 
ten Orden lorbeerumkränzt einen Ehrenplatz in der 
Sonderschau der Neuerwerbungen seit dem Welt 
krieg in der Ruhmeshalle eingeräumt, da sie sie als 
ihre kostbarste Neuerwerbung betrachtet. An erster 
Stelle hängen Stern und Großkreuz der Ehrenlegion 
und der Orden der lombardischen eisernen Krone, 
vom Kaiser gestiftete Orden, die er ständig trug, wie 
eine auf der Rückseite des Ausstellungsschrankes 
aufgestellte zeitgenössische Lithographie bezeugt. 
Der Schwarze Adlerorden, den der Kaiser besonders 
hoci-i wertete, wurde ihm 1805 verliehen. Materiell 
am kostbarsten ist das Abzeichen des hohen Ordens 
vom Goldenen Vlies von schwerem Gold, kunstge 
werblich am reizvollsten der dänische Elefanten 
orden. Die Napoleon-Trophäen sind in unmittelbarer 
Nachbarschaft der Uniform Friedrichs des Gro 
ßen aufgestellt.
	        

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