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INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG 
Nr. 3 
BIBLIOPHILIE. 
(Die Judaica-Bibliothek Tuck.) Wie uns aus London 
berichtet wird, hat der bekannte Postkartenfabrikant Gustave 
Tuck in London, der dortigen Gesellschaft für jüdische Ge 
schichte seine großartige Judaica-Bibliothek zum Ge 
schenk gemacht. 
BILDER. 
(Ein Schongauer-Rarissimum.) Ein Probedruck von Martin 
Schongauers Kupferstich der „Anbetung der Könige ist 
jetzt in London aufgetaucht und vom Metropolitan- 
Museum in New-York erworben worden. Der schwäbi 
sche Meister, der den Hauptteil seines Lebens im -elsässischen 
Kolmar zubrachte, hat gewöhnlich seine Kupferplatten bis 
zum letzten Grade ihrer wunderbaren Vollendung durchge 
arbeitet, ehe er Abdrucke von ihnen nahm, und so sind Ab 
weichungen von „Zuständen" in seinem gra' tischen Werke un 
gewöhnlich selten, weit seltener, als bei seinem großen Nach 
folger Albrecht Dürer. An die Arbeit für „Die Anbetung 
der Könige" hat er, nachdem er den Probedruck der eben auf 
dem englischen Markt erschien, genommen hatte, noch die 
Strahlen des Sternes von Bethlehem verlängert, er hat Schmuck 
an einem Goldschmiedgefäße, das er, der Goldschmied, einem 
der Könige als Spende in die Hände gab, angebracht und über 
haupt so viel Veränderungen vorgenommen, wie an keinem 
seiner sonstigen Stiche. 
(Große französische Impressionisten - Ausstellung in 
Wien.) Wir erhalten vom Inhaber der Neuen Galerie in Wien, 
Herrn Dr. Nirenstein, folgende interessante Nachricht: 
„Nach Wien zurückgekehrt, erlaube ich mir, Ihnen heute die 
ersten endgültigen Mitteilungen über die bei mir Anfang 
F ebraar izur Eröffnung gelangende große französi 
sche Impressionisten-Ausstellung zu machen. 
Diese Veranstaltung wird die bedeutendste sein, die bisher bei 
mir stattgefunden hat und dürfte überhaupt zu den interessan 
testen Ausstellungen zählen, die es in Wien seit dem Kriegs 
ende gegeben hat. Um Ihnen nur einen ungefähren Ueberblick 
zu geben, was zu dieser Ausstellung nach Wien kommt, teile 
ich -Ihnen mit, daß u. a. von Manet das große Hauptwerk 
des „Löwenjägers” und -das „Porträt Proust”, von Daumier 
zwei Gemälde, darunter der „Oedipus”, von Delacroix 
unter sechs Werken der „Christus am See Genezareth", von 
van Gogh u. a. die „Blühenden Kirschbäume", von Degas 
neben Zeichnungen drei bedeutende Werke, von Renoir 
acht Gemälde, darunter drei Hauptwerke, von Corot fünf 
Gemälde, darunter die große „Solitude". von Courbet 
zwei Gemälde, von Cezanne drei Gemälde, von ungewöhn 
licher Bedeutung, von Toulouse-Lautrec drei Gemälde, 
darunter das berühmte Bild „Les amies”. von Millet „Die 
Holzfäller”! schließlich bedeutende Bilder von M o n- e t, 
Sisley, Th. Rousseau, Gauguin, Guys, Barthe 
Morisot etc. zu sehen sein werden,“ 
NUMISMATIK 
(Eine Hauptmann-Medaille aus Porzellan.) Wir haben 
schon gemeldet, daß die Meißener Porzellanmanufaktur 
aus Anlaß des 70. Geburtstages eine Gerhart Haupt 
mann-Medaille aus Porzellan geschaffen hat. Die Me 
daille, -die uns nun vorliegt, präsentiert sich überaus gefällig. 
Der Avers -zeigt das vortrefflich gelungene Brustbild des 
Dichters, auf dem Goldrand liest man ebenfalls in Goldbuch 
staben den Namen: Gerhart Hauptmann. Der Revers trägt 
die Inschrift: „Gerhart Hauptmann". Darunter ist -die Meiße 
ner Marke angebracht. Die Umschrift lautet: Zum 70. Ge 
burtstage. 15. November 1932. 
(Versteigerung in Frankfurt a. M.) Am 27. Februar fin 
det bei Adolph E. Cahn in Frankfurt a. M. eine Ver 
steigerung von griechischen und römischen Münzen aus dem 
Besitze von Sir Arthur J. Evans, Youlbury near Oxford, 
L. R. Lawrence, Esqu. (London), Hans- Frh. von Ko blitz 
(Salzburg) und Dr. Hans S t e -g e r (Sieversdorf) statt. Es sind 
1075 Nummern, unter denen sich Seltenheiten, wie der Elek 
tronstator von Kyzi-kos, -der Tetradrachmon von Makedonia 
(Kat. N. 132), der in Lokroi Epizephyrioi geprägte Tetra 
drachmon befinden. An die Münzen schließt sich die interes 
sante numismatische Bibliothek des Freiherrn Hans 
von K o b 1 i t z an, die 231 Nummern umfaßt. 
(Eine Schober-Plakette.) Anläßlich der Wiederkehr des 
Todestages des gewesenen Bundeskanzlers Dr. Johann 
Schober, hat der Wiener Bildhauer Gustav Jekel eine 
Schober-Plakette modelliert, die dem Künstler alle 
Ehre macht, Schober ist, wie die Abbildung (Fig. 6) zeigt, zum 
Fig. 6. Schober-Plakette von Jekel. 
Sprechen ähnlich. Unter dem Brustbild sieht man -die faksi 
milierte Unterschrift des einstigen Bundeskanzlers. Die 
Künstlersignatur ist rechts oben angebracht. 
(Prägewalzen der Haller Münzstätten.) Aus Inns 
bruck wird uns geschrieben: Anläßlich einer Ehrenbelei- 
digungsklage, über die auch in der „Internationalen Sammler- 
Zeitung" berichtet wurde, ist erwähnt worden, daß eine 
Prä gelwalze der ehemaligen Haller Münzsjtäitte 
aus dem 16. Jahrhundert, die im Besitz des Ferdinandeums 
war, dort abhanden gekommen sei. Kürzlich wurde nun diese 
und eine andere solche Prägewalze im Depot des Museums, 
wo sie in einem Kasten mit anderen Eisensachen verwahrt 
war, vom Werkmeister Schneider aufgefunden. Da® Fer 
dinandeum verfügt nun wieder über drei solche Stücke, die 
einen erheblichen Seltenheitswert besitzen. Damit erledigen 
sich auch alle Vermutungen, die bei diesem inzwischen übri 
gens durch einen Vergleich beigelegten Prozesse über das 
vermeintliche Verschwinden dieser Walze geäußert worden 
sind. 
PHILATELIE. 
(Neuheiten.) In Belgien erschienen Wohltätigkeits- 
marken in einheitlicher Zeichnung zu 10 plus 5 S dunkellila, 
25 plus 15 C violettrot, 50 plus 10 C rotbraun, 75 plus 15 C 
dunkelbraun, 1 F plus 25 C dunkelkarmin, 1.75 F plus 25 C 
blau sowie 5 plus 5 F grün. — Luxemburg gab mit dem 
Bild der Prinzessin Ermesinde, Darstellung aus der ersten 
Hälfte -des dreizehnten Jahrhunderts, Wohlfahrtsmarken aus. 
10 plus 5 C olivgrau, 75 plus 10 C violett, 1 F plus 25 C 
karmin, 1.25 F plus 75 C rotbraun und 1.75 F plus 1.50 F blau. 
— Die Niederlande brachten vier Wohlfahrtsmarken, 
Kinderbilder mit Blumen, heraus: 1 'A plus 114 C braun und 
gelb, 5 plus 3 C blau und braun, 6 plus 4 C grün und braun, 
1214 plus 314 C blau und rot. — No r w e g e n gab vier 
Björnson-Ge-denkmarken mit dem Bild des Dichters aus: 
10 Oere grün, 15 Oere dunkelbraun, 20 Oere rot und 30 Oere 
dunkelblau. 
(Die Fis-Marken ausverkauit.) Einen hübschen Erfolg 
hat die österreichische Postverwaltung mit den Fis-Mar- 
k e n erzielt, die sie anläßlich der Fis-Wettkämpfe in 
Tirol ausgegeben hat. Von den 50.000 Serien waren für den 
Verkauf in Wien und in den anderen Landeshauptstädten 
46.000 bereitgestellt, die nach einigen Tagen vollständig ver 
griffen waren, 4000 Sätze wurden für den Sport-Kampfplatz 
reserviert und es ist wohl kein Zweifel, daß sie dort reißen 
den Absatz finden werden. Der Aktion „Jugend in Not", der 
das Erträgnis der Marken gewidmet ist, fließen über 100.000 
Schilling zu.
	        

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