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INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG 
Nr. 5 
lebst du nicht alles, sei es, daß du Marken, Spazier 
stöcke, Münzen, Tabatieren, Ex-Libris oder Frauen 
sammelst! Wieviel Auf und Ab von Hoffnung und 
Enttäuschung, von Sehnsucht und Erfüllung, von 
Stolz und Minderwertigkeitsgefühl, vom Gipfel des 
Entzückens bis zu den Tiefen der Enttäuschung! 
Was geht in deiner Seele vor sich, wenn du deine 
Sammlung musterst, sie überwertest, wie es jeder 
echte Sammler tun muß, einzelnes umtauschst, 
neues erwirbst, verringerst, vermehrst? 
Ich kenne deine Wonnen und Qualen sehr genau. 
Denn ich habe ein Buch über den Fetischismus ge 
schrieben, die Tragödie der Menschen studiert, die 
an einen Gegenstand gebunden sind, um zu lieben, 
aber auch ihre Triumphe und Wonnen beobachten 
können. 
Wenn ich meine Nervösen bewegen könnte, zu 
sammeln, ich hätte einen neuen Weg zur Heilung 
gefunden. Aber es scheint, zum Sammler muß man 
geboren sein. Man kann es nicht werden, wenn nicht 
Eindrücke der Kindheit den Weg zum Paradies des 
Sammelns eröffnen. 
Ich kenne auch deine Schattenseiten. Ich will 
heute darüber schweigen. Wir müssen ja alles be 
zahlen, auch die Freude des Sammelns muß durch 
Leiden kompensiert werden. Doch Leiden sind auch 
ein Erlebnis. Der Sammler lebt sein eigenes Leben, 
er geht seine eigenen Wege und der häßliche Lärm 
des Tages dringt nicht an sein Ohr. Was ist ihm 
Politik und 'Klassenkampf? Er lebt auf einer Insel, 
die ihn von der Welt isoliert. Was nicht zu seiner 
Sammlung Bezug hat, rührt nicht an sein Innerstes. 
Und er erlebt alle Wonnen der Liebe. Denn er liebt 
seine Sammlung und fühlt sich als ihr Schöpfer . , . 
flämische und holländische Jfieister. 
Rudolph Lepk e’s Kunst-Auctions-Haus in 
Berlin veranstaltet Ende März — das genaue 
Datum wird noch bekanntgegeben werden — eine 
Versteigerung von Gemälden alter Meister 
aus der Sammlung A, W. Sjöstränd (Stockholm) 
und anderem. Privatbesitz, sowie von Antiquitäten 
aus verschiedenem Privatbesitz. 
Die Bilder bestehen zum überwiegenden Teile 
aus Werken der flämischen und holländischen 
Schulen der besten Zeit. Von Rubens sind der 
monumentale Kopf eines Greises und zwei Apostel 
studien da, von Brouwer zwei interessante Ge 
mälde, das eine bemerkenswert früh. Von den an 
deren Flämen erwähnen wir Teniers, Kei- 
r i n c x und Grimmer. 
Den Hauptbestand bilden die Holländer, unter 
denen zwei hervorragend schöne Gemälde von Fer 
dinand Bol, erstrangige Werke von Adriaen van de 
Velde, Isaac van 0 s t a d e, Nicolas M a e s, 
Slingeland, A. van der Neer, Duck, Berck- 
h e y d e, van G o y e n, zwei sehr schöne, nordische 
Landschaften von Everdingen besonders be 
merkenswert sind. Zu nennen wären noch ein inter 
essantes Spätwerk von Pieter de H o o c h, Stilleben 
von de H e e m und Jan van Huysum und ein 
sehr schönes Interieur von Brekelenkam, 
Auch einige seltene Meister dieser Schulen, wie 
Antonie Verstraelen und Jasper Adriaens- 
sen.s, sind mit charakteristischen und sehr schönen 
Arbeiten vertreten. 
Die Abteilung der Antiquitäten enthält recht 
gute gotische Hoizskulpturen süddeutscher Prove 
nienz, deutsche und italienische Bronzen, haupt 
sächlich des 17. Jahrhunderts, Möbel, Silber u. a. m. 
Der Katalog (Nr. 2062). welcher mit Abbildungs 
tafeln versehen ist, ist durch Rudolph Lepke, 
Berlin W 35, Potsdamerstraße 122 a/b, zu beziehen. 
Die Se schichte einer drücke — eine Sammlung. 
Von Rechtsanwalt Dr. Heinrich Herbatschek (Wien) 
Das Kennzeichen einer wertvollen Sammlung 
ist die Spezialisierung. Wie oft begegnet man Lieb 
habereien, die sich als Sammlungen ausgeben. 
Häufungen von Kuriositäten und seltsamen Dingen 
können noch nicht als wirkliche Sammlungen ange 
sprochen werden. Das Einmalige, die Spezies cha 
rakterisiert den Typus, Auch das Entstehen einer 
richtigen Sammlung ist nicht ohne Bedeutung, weil 
ja in den meisten Fällen besondere Anlässe zu 
grunde liegen. Und das Besondere gehört zum Wesen 
der Sammlung. Haftet nicht ein tiefer ethischer Ge 
danke den traditionellen Familiensammlungen, die 
sich aus oft sehr wertvollen Erbstücken rekrutieren, 
an? Was wir in Burgen und Schlössern, in alten 
Bauernhäusern aufgehäuft sehen, ist Kulturgut, er 
füllt vom Geiste dankbarer Ueberlief erung und ehr 
fürchtigen Herkommens. Volkskunde und Historie 
wären zur Bedeutungslosigkeit verdammt, gäbe es 
nicht folkloristische Liebhaber und eifrige Forscher, 
die aus scheinbar unbedeutenden und nebensäch 
lichen Dingen Grundsteine zu wichtigen Museal 
schätzen legten. Aber nicht nur hervorragende Per 
sönlichkeiten müssen zur Anlegung von Sammlun 
gen historischer oder kultureller Art Veranlassung 
geben, auch leblose Dinge, wie z. B. eine Brücke 
vermag das Interesse wachzurufen, wenn geschicht 
liche Begebenheiten oder die städtische Entwicklung, 
dann aber auch künstlerische und lokalhistorische 
Gründe Aufmerksamkeit erfordern. 
Zu den ältesten Brücken der Stadt Wien zählt 
die jetzige Schwedenbrücke, ehemals Schlag 
brücke genannt, welche die Verbindung mit der 
Leopoldstadt herstellt, ein sowohl architektonisch 
als auch historisch überaus interessantes Objekt — 
jawohl, ein Sammelobjekt ersten Ranges, denn es 
existieren darüber nicht bloß die in den Geschichts 
werken der Stadt Wien enthaltenen Daten und 
Denkwürdigkeiten, Beschreibungen und Darstellun 
gen mannigfacher Art, sondern auch eigene Ab 
handlungen, ferner — und das ist wohl das Aus 
schlaggebende für die Anlegung einer Sammlung — 
Abbildungen aus ältester Zeit, als noch ein Holzsteg 
über den Donauarm führte, Modelle der ersten Ent 
würfe zum Brückenbau, Stiche, Lithographien, Gra 
vüren, Zeichnungen, Schnitte u. a. m. 
Sehr bald nach Errichtung der Brücke, deren 
Name nicht mit Schlagbaum oder dergleichen in Zu 
sammenhang stand, vielmehr auf das Schlagen von
	        

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