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Internationale 
gammler-Zei'funfl 
Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde 
Herausgeber: Norbert Ehrlich 
25. Jahrgang Wien, 15. April 1933 Nr. 8 
Die Cchtheit antiker Segenstände in rechtlicher Beziehung. 
Von Rechtsanwalt Dr. Leo Munk (Wien). 
Die Normen des österreichischen Allgemeinen 
Bürgerlichen Gesetzbuches über den Irrtum sprechen 
unter anderem von »wesentlicher Beschaffenheit« 
einer Sache, die über Gewährleistung von »aus 
drücklich bedungenen oder gewöhnlich vorausgesetz 
ten Eigenschaften«; in den korrespondierenden Nor 
men des Deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches kom 
men die Ausdrücke vor »Eigenschaften, die im Ver 
kehr als wesentlich angesehen werden«, bezw. »zu 
gesicherte Eigenschaft«. Unter welchen Voraus 
setzungen die Anfechtung eines Geschäftes wegen 
Irrtums erfolgen könne und unter welchen Gewähr 
leistung verlangt werden könne, sind nicht leicht 
festzustellen. Die Rechtswissenschaft muß zahlreiche 
Zweifelsfragen lösen; dies kann natürlich in diesen 
Blättern nicht erörtert werden. Zu Zweifeln gibt aber 
insbesondere auch die Frage Anlaß, ob die »Echt 
heit« eines antiken Gegenstandes zu jenen Eigen 
schaften gehört. Nicht um Fälschungen handelt es 
sich, sondern um die Fälle, in welchen der Verkäu 
fer eines antiken Gegenstandes eine bestimmte 
Provenienz angegeben hat, der Käufer 
sich auf jene Angabe verließ, nachträglich aber 
Zweifel auftauchen. Es sei sogleich bemerkt, daß 
diesfalls die Interessen von Verkäufer und Käufer 
grundsätzlich nicht entgegengesetzte sind, denn auch 
der Verkäufer einer Antiquität stand ja regelmäßig 
früher einem anderen Verkäufer als Kontrahent ge 
genüber. Es sollen nun im folgenden einige Fälle 
aus der Praxis der Gerichte angeführt werden. In 
diesen wurden die Klagen der Käufer wegen An 
fechtung des Geschäftes zurückgewiesen. 
Dem österreichischen Obersten Ge 
richtshof lag der Fall vor, daß ein Antiquitäten 
händler eine Geige um 1200 Dollar verkauft hatte, 
wobei er diese als Jakobus Stainer-Geige 
bezeichnete und sich auf das Attest eines bekann 
ten Instrumentenmachers und Kenners berief. Der 
Gerichtshof argumentierte: Ein objektiver Beweis 
der Echtheit oder Unechtheit der Geige in dem 
Sinne, ob sie gerade von Jakob Stainer oder sonst 
von einem Künstler aus dessen Zeit herrührt, ist 
überhaupt nicht herzustellen. Käufer und Verkäu 
fer, der erste Händler, der zweite Sammler, waren 
bei Geschäftsabschluß von der Echtheit der Geige 
in Uebereinstimmung mit dem Atteste und der Be 
gutachtung durch den vom Kläger mitgebrachten 
Sachverständigen überzeugt. Andere Sachverstän 
dige hatten Zweifel an der Echtheit der Geige im 
vorerwähnten Sinn. Jene als Wahrheit zu wertende 
hohe Wahrscheinlichkeit, die ein Sachverständigen- 
Gutachten geben kann, ist bei antiken Kunstgegen 
ständen (soweit es sich nicht um eine Fälschung 
handelt) auf technisch-wissenschaftlicher Grundlage 
objektiv nicht zu gewinnen, es liegen in derartigen 
Begutachtungen subjektive, nicht überprüfbare 
Ueberzeugungen geradezu gefühlsmäßiger Natur vor. 
Im Handel mit solchen Gegenständen kann auch ein 
nach bestem Wissen und Gewissen von der Echt 
heit eines Stückes überzeugter Verkäufer nie sicher 
sein, daß nicht ein neuer Begutachter anderer Mei 
nung sein wird. Das gleiche gilt aber auch für den 
Käufer, und wenn er auf diese in der Sache liegende 
Ungewißheit hin kauft, ohne eine ausdrückliche Ga 
rantieerklärung, dann kauft er und irrt er auf eigene 
Gefahr. 
Ein deutsches Gericht, das Oberlandesge 
richt München, hatte sich mit einem Fall zu be 
schäftigen, in welchem ein Händler ein altes Kunst 
blatt als Zeichnung von Lukas Cranach ausge 
geben und der Kläger als eine solche gekauft hatte. 
Das Gericht erkannte auf Abweisung der Klage: 
Nach der Rechtslage würde gewöhnlich die Gefahr 
der Unechtheit an sich den Verkäufer treffen, Allein 
beim Kauf derartiger Kunstgegenstände liegt die 
Sache anders. Es handelt sich hier um eine nicht, 
signierte mittelalterliche Zeichnung, bezüglich deren 
ein gewissermaßen genealogischer Urkundnachweis 
— im Gegensätze zu großen, renommierten Gemäl 
den — nicht vorliegt, der strikte Echtheits- wie der 
Unechtheits-Beweis vielmehr lediglich durch eine 
mehr oder minder große Anzahl technisch-wissen 
schaftlicher Anhaltspunkte ersetzt wird, die besten 
falls zur subjektiven Ueberzeugung des einzelnen, 
niemals aber zu objektiver Gewißheit, wie etwa über 
die Echtheit eines goldenen Ringes und dergleichen, 
führen könne. Es liegt auf der Hand, daß bei sol 
cher Sachlage, ähnlich wie bei sonstigen wissen-
	        

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