MAK
Nr. 14 
INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG 
Seite 111 
C. G. BOERNER, LEIPZIG, Universitätsstraße 26 
versteigert am 23. und 24. November 1934 
SAMMLUNG THOMAS GRAF, BERLIN 
Deutsche und österreichische Graphik aus der ersten Hälfte 
des IQ. Jahrhunderts bis Menzel 
Katalog 187: 2 RM 
FEINE ALTE KUPFERSTICHE 
Radierungen und Holzschnitte des 15.-17. Jahrhunderts 
Katalog 186: 2 RM 
ger wachen sollte, zunächst, wie schon im ältesten 
Aegypten, den Träger gegen die Folgen des „bösen 
Blickes“ (mal oggio) zu schützen hatte. Wer schon 
aufmerksamer Italien bereiste, insbesondere die 
Städtchen und 1 Quartiere besuchte, ferner der Bae- 
decker'schen Sterne, kennt den Zauber und seine 
Anwendung, 
Gleichem Zwecke dienten u. a, die dem euro 
päischen Süden nicht fremden Handamulette, von 
denen zwei Gestengruppen besonders ins Auge fal 
len: die schwurhandartige magische AbwehrfBe- 
schwörungs-jgeste und die Banngeste heidnischer Art, 
bei der der Daumen der 1 i n k e n Hand 1 zwischen 
Zeigefinger und Mittelfinger hindurchgeschoben wird, 
während sich die Hand gleichzeitig zur Faust ballt. 
Die Handamulette jsind meist aus Knochen, Horn oder 
Elfenbein geschnitzt, stammen meistens aus dem. Ur 
sprungslande Italien selbst und sind am Knöchel oder 
am Mittelarm in eine MetallMassung eingelassen. 
Sie sind nicht sc gar selten im Vorkommen, werden 
aber meistens ihrer wahren Bedeutung nach unter 
schätzt, gar häufig ihrer Entstehungszeit nach zu spät 
angesetzt. Mittelalterliche Exemplare sind mit aller 
Sicherheit zu vermuten, die mir bekannten Exem 
plare entstammen allerdings erst der Renaissance 
und dem Barock, auch das 19, Jahrh, fertigt sie noch. 
In Italien sind sie heute noch eine kleine und! ver 
schwiegene Industrie, 
Von minderer Wichtigkeit sind dann die Amu 
lette echt biedermeierischbürgerlicher Magie, Blumen, 
Glücksklee, Kaminkehrer, Hutnde, (Hämmer, kurz 
alle die Dinge, die heute unter dem Titel: „Uhran 
hängsel“ eingereiht werden. Bei ihnen vermischt sich 
Amulett- und Talismancharakter, zu Beginn des 19. 
Jahrh. endlich verlieren sie ihre ernsthaftere Wür 
digung als Zaubermittel ganz. 
Unsere Gegenwart zeigt trotz alles utilitarischen 
Rationalismus doch auch einen starken Hang zum 
Mystischen, Symbolhaften und Okkulten, ein Irrweg, 
der scheinbar immer in den Zeiten unvermeidlich ge 
gangen werden muß, in denen nach einer Weltwende 
sich das neue Weltbild auf die Suche nach einer ihm 
entsprechenden Kultform begibt. 
So auch heute. Und damit gewinnen die histori 
schen Amulette wieder an Bedeutung und sammleri- 
scher Aktualität. Darum, und angeregt durch eine 
mir kürzlich gebotene Gelegenheit, mehrere private 
Zaubermittel- u. Amulettisammlungen zu besichtigen, 
nehme ich Gelegenheit, in kurzem Ueberblick auf 
das Gebiet der historischen Amulette und Talismane 
an dieser Stelle hinzuweisen. 
5. bischer. 
Mit S. fis eher, der 75jährig in Berlin gestor 
ben ist, schied einer der bedeutendsten Verleger für 
schöngeistige Literatur aus dem Leben, 
Am 24. Dezember 1859 in Nordungarn (jetzt 
Tschechoslowakei) geboren, erhielt Fischer in seiner 
Jugend kaufmännische Ausbildung und stand dann 
mehrere Jahre hinter dem Ladentisch, Der Drang 
nach Weiterbildung und eine unbezwingliehe Liebe 
zu den Büchern trieb ihn schließlich aus dem nüch 
ternen Kaufmannsberuf zum Handel mit edelster 
Ware, in das Buchgeschäft. Anfang der 80er Jahre 
kam, er nach Berlin und eröffnefe, zunächst zusam 
men mit Stein itz eine kleine Buchhandlung in 
der Friedrichstraße, die Sammelpunkt junger auf 
strebender Geister der nahen Universität wunde, 
Trotzdem sagt sein treuer Freund Julius Elias von 
ihm, daß er in jener Zeit mehr Bücher gelesen habe 
als irgend einer seiner besten Kunden. So durch 
reiche literarische Nahrung wohl vorgebildet und 
begabt mit feinem künstlerischen Instinkt nicht nur 
für das, was die Gegenwart verlangte, sondern viel 
mehr noch für das, was die Zukunft fordern würde, 
gründete er am 1, Oktober 1886 seinen eigenen, den 
S. Fischer-Verlag. 
Die Räume dieses jungen Verlages wurden noch 
mehr als die kleine Fischer'sche Buchhandlung der 
Sammelplatz einer werdenden geistigen Elite von 
Deutschland., die noch namenlos, angefeindet, ja, 
vielfach verlacht, in hartem Kampfe mit bestehenden 
Anschauungen und Größen lag. Als einer der ersten 
Verleger erkannte Fischer das sieghafte Vordringen 
des Naturalismus und 1 hatte den Mut, ihm als Ver 
leger die Wege zu ebnen. Die Zeit selbst trieb dem 
jungen Verlage das Beste zu, was damals rang und 
schrieb. Besonders aus Skandinavien wurde er mit 
Neuerscheinungen versehen, bis ihm das Glückslos 
zufiel: die A.lleinerwerbung der Stücke Ibsens, 
von „Hedda Gabler“ an, und das Recht einer Ge-
	        

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