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INTERNATIONALE saMmLEr-zeitunG 
Nr. 16 
gezogen werden kann, da diese nunmehr auch für die Erfüllung von zweiseitigen Rechtsgeschäften ge- 
das Ausgleichsverfahren neue Bestimmungen über schaffen hat. 
Chronik. 
AUTOGRAPHEN. 
(Großartige Autographenfunde.) Nach einer Pariser Mel 
dung hat der Kunsthistoriker Georges Andrieux bei Nach 
forschungen in französischen Schlössern eine Anzahl von Ma 
nuskripten und Autographen von hohem Wert gefunden. 
Unter den Manuskripten befinden sich solche von G o e t h e 
und Beethoven, unter den Briefen solche von Madame 
de S f a e 1 und von dem französischen Finanzminister Neclter. 
Als besonders interessant wird ein Schreiben der unglücklichen 
Königin Maria Antoinette an ihren Bruder, den Kaiser 
von Oesterreich, bezeichnet. Einzelne der Briefe sollen in Kürze 
publiziert werden. 
BIBLIOPHILIE. 
(Jacques Rosenthal f.) Dieser Tage ist der bekannte 
Münchner Buch- und Kunstantiquar Jacques Rosenthal 
83jährig gestorben. Im Verlag dieses hervorragenden Kenners 
und Sammlers alter Handschriften und Bücher ist eine ganze 
Reihe für das Buchwesen bedeutsamer Werke erschienen, so 
das historisch und paläographisch hervorragende Sammelwerk 
„Bibliotheka Medii Aevi Manuscripta" und vorbildliche Incu- 
nabelnkataloge, die als wissenschaftliche Hilfswerke in alle 
Bibliotheken eingezogen sind. Auch die Kenntnis des frühesten 
italienischen Buchdrucks und das Wissen um üutenbergs Tätig 
keit hat Rosenthal wesentlich gefördert. 
(Eine Bibel aus dem 8. Jahrhundert-) Das Britische 
Museum in London wandte sich vor einiger Zeit an die 
Oeffentlichkeit mit der Bitte, ihm durch Spenden den Ankauf 
von elf Blättern einer im 8. Jahrhundert in Nordengland ge 
schriebenen Bibel zu ermöglichen. Der Viscount W a be 
fiel d beeilte sich,-700 Pfund zur Verfügung zu stellen, 300 
kamen durch andere Spenden zusammen und so hatte das 
Museum 1000 Pfund, für die man ihm die elf Blätter über 
ließ. . . 
(>,Aus Besuchen bei T. G. Masaryk“) betitelt sich ein eben 
im Verlage der „Tribuna“ in Prag erschienener Privatdruck 
von C. Granville-Geiringer, der unbekannte Aus 
sprüche Masaryks enthält. 
(Die Bibliothek Karl Felekys.) Die ungarische Regierung 
hat durch Vermittlung ihres Washingtoner Gesandten Pe 
te n y i die überaus wertvolle Bibtliothek des vor kurzem in 
New-York verstorbenen ungarischen Gelehrten Karl Fe- 
leky erworben. Die Bibliothek enthält sämtliche in englischer 
Sprache über Ungarn erschienene Werke, ferner eine Sammlung 
aller Zeitungsartikel und Flugschriften, die seinerzeit im Zu 
sammenhang mit der Amerikareise Ludwig Kossuth's er 
schienen sind, sowie überaus seltene, auf die Beziehungen zwi 
schen Ungarn und Amerika bezügliche Handschriften und 
Unika. Diese Bibliothek bleibt in New-York und wird die 
Grundlage des neuen Ungarischen Instituts in Amerika sein, 
das berufen sein wird, die kulturellen Verbindungen Ungarns 
mit Amerika innig zu gestalten. Mit der Leitung der Bibliothek, 
die im Zentrum New-Yorks, 49 West 44 Street aufgestellt wird, 
wurde Dr. Ladislaus Telkes betraut. 
BILDER. 
(Entdeckung eines frühen Rembrandt.) Aufsehen erregt in 
der Kunstwelt die Entdeckung eines frühen Rembrandt, die der 
bekannte holländische Kunstgelehrte Dr. Breditis eben ge 
macht hat. Das Bild stellt „Lot und seine Töchter" dar und 
dürfte in den Jahren 1626 1630 entstanden sein. Die bisher 
bekannten frühesten Bilder Rembrandts stammen aus dem 
Jahre 1627: „Der Geldwechsler" (in Berlin) und „Paulus im 
Gefähgnis" (Stuttgart). 
(Der Lucas Cranach im Briefkasten.) Aus dem Histori 
schen Museum der Stadt I.eipzig wurde dieser Tage 
ein Gemälde von Lukas Cranach, darstellend Moses mit 
den Gesetzestafeln, gestohlen. Das Bild, dessen Wert auf 25.000 
Mark geschätzt wird, ist nicht sehr groß, so daß es leicht unter 
einerh Ueberrock versteckt werden konnte, und auf diese Art 
hat es vermutlich das Museum verlassen, in welchem sich an 
dem kritischen Vormittag zehn Besucher eingefunden hatten. 
Es wurde seitens der Leipziger Polizei sofort an die Grenz- 
stellen sowie an die Polizeibehörden des Auslandes ein dies 
bezügliches Aviso gerichtet, doch ist das Bild ganz unerwartet 
wieder zum Vorschein gekommen: es wurde am Abend des 
nächsten Tages in einem Briefkasten des Hauptbahn 
hofes Leipzig, der für die Aufgabe bestimmt war, gefun 
den. Wer es da hineinpraktiziert hat, ist noch nicht aufgeklärt.. 
(Neue Van Gogh-Fälschungen.) Kein Maler des 19. Jahr 
hunderts ist in solchem Umfange zum Objekt von Fälschun 
gen geworden, wie van Gogh. Ein neuer Fälscherprozeß, in 
dem es um fünf van Goghs geht, wird gegenwärtig im Haag 
verhandelt. Auch dabei," wie bei den vor einigen Jahren auf 
gedeckten großen Fälschungen, handelt es sich um Stücke, die 
wahrscheinlich aus der sog. Wacker-Werkstatt stammen. Sie 
sind aus dem Nachlaß eines bekannten niederländischen Malers' 
verkauft und später als Fälschungen festgestellt worden. 
(Europäische Gemälde in Amerika preisgekrönt.) Auf der 
Internationalen Gemälde-Ausstellung des Carnegie-Instituts ist 
der erste Preis von 1000 Dollar dem Franzosen George 
Braque aus Paris für sein Bild „Das gelbe Kleid" zuge 
sprochen worden. Der zweite Preis von 600 Dollar fiel dem Ita 
liener Casorati aus Turin für sein Bild „Die Frau am 
Tisch", der dritte Preis von 500 Dollar dem Deutschen Pie 
per aus Düsseldorf für ein Bild ,,Familienporträt" zu. 300 der ins 
gesamt 400 eingesandten Bilder stammten aus Europa. Eine 
ehrenvolle Erwähnung sowie ein Preis von 300 Dollar wurden 
dem Prager Maler Kokoschka zuteil. 
(Bilderfälschungen in Bukarest.) Der Bukarester Maler 
Bulgarus beschwerte sich bei der dortigen Polizei, daß von 
unbekannten Tätern gefälschte Bilder mit seinem Namenszug 
zu Schleuderpreisen auf den Markt gebracht werden; die Polizei 
konnte d en Täter bald in der Person eines Malers, namens 
Hope, ausfindig machen, der nicht nur Bilder von Bulgarus 
fälschte, sondern, wie sich herausstellte, serienweise Kopien 
nach bekannten Gemälden längst verstorbener rumänischer Ma 
ler, wie Grigorescu, Aman, Luchian u. a. herstellte, um sie 
dann an Zwischenhändler um den lächerlichen Preis von durch 
schnittlich 200 Lei per Stück verkaufte. 
NUMISMATIK. 
(Münzenfund.) 'Beim Ausbaggern der March bei Napajedl 
(Tschechoslowakei) förderte man einen Topf mit Münzen aus 
der Zeit des 30jährigen Krieges zutage. 
(Franz Hans Zumbühl f ) In Luzern starb 70jährig der 
bekannte Numismatiker Franz Hans Zumb ü h I. Der Ver 
blichene veröffentlichte zahlreiche, wissenschaftlich anerkannte 
Arbeiten über die Finanz- und Münzgeschichte seiner Heimat 
stadt. Auch machte er sich um die Münzensammlung der Bür 
gerbibliothek Luzern verdient, die er in vorbildlicher Weise 
ordnete und inventarisierte. 
PHILATELIE. 
(Die neuen österreichischen Winterhiifemarken) sind am 
1.8. Oktober zur Ausgabe gelangt. Der Andräng zu den Aus 
gabestellen war nicht so groß, wie in den früheren Jahren, 
da die Auflage sie beträgt bei dem Wert zu 1 -j- 1 S 
200.000, bei den drei übrigen Werten je 700.000 Stück — so 
groß ist, daß voraussichtlich alle Sammleransprüche befriedigt 
werden können. Die drei kleinen Werte der neuen Winterhilfe- 
marken werden bei sämtlichen Postämtern in ganz Oester 
reich unbeschränkt, auch in Einzelwerten, abgegeben; in Wien 
und den übrigen Landeshauptstädten sind sie auch in den 
Tabaktrafiken erhältlich. Die Winterhilfemarke zu 1 -j- 1 S 
wird nur bei den Postämtern in Wien und den anderen Landes 
hauptstädten und nur zusammen mit den drei anderen Wer 
ten, also nur in vollständigen Sätzen, abgegeben. Der Satz 
preis betagt 2.52 S. Außerhalb der Landeshauptstädte können 
vollständige Sätze bei jedem Postamt bestellt werden. Am Tage 
der Ausgabe wurden im Lokal des Oesterreichischen Jung 
volkes die dort gekauften Marken mit einem Sonderstempel ver 
sehen, der die Worte „1 fahr österreichisches Jungvolk, 
18. X. 1937 Wien" enthielt. 
(Schiffsbälder auf den deutschen Winterhilfs-Postmarken.) 
Aus Berlin wird berichtet: Zugunsten des Winterhilfswerks 
des deutschen Volkes gibt die Reichspost auch in diesem Jahr 
wieder Sonderpostwertzeichen heraus, die nach den Entwürfen 
von Axsler-Heudtlaß (Berlin) eine Reihe schöner 
Schillsbilder zeigen. F.s handelt sich dabei um Freimarken zu 
3 Pfennig (Rettungsboot der Deutschen Gesellschaft zur Ret 
tung Schiffbrüchiger), 4 Pf. (Feuerschiff Elbe 1), 5 Pf. (Fi 
scherboote an der Kurischen Nehrung), 6 Pf. (Kraft-durch- 
Freude-Dampfer vor Madeira), 8 Pf. (Segelschiff), 12 Pf. 
(Dampfer Tannenberg des Seedienstes Ostpreußen vor Pillau), 
15 Pt. (Fährschiff Warnemünde—Gedser), 25 Pf. (Dampfer 
Hamburg der Hamburg-Amerika-Linie) und 40 Pf. (Dampfer 
Bremen des Norddeutschen Lloyds). Fine Winterhilfspostkarte
	        

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