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Object: Monatszeitschrift XII (1909 / Heft 8 und 9)

drücken, die aus der Ausstellung und ihrem 
Material sich ergaben. 
Die älteste der bayerischen Manufakturen 
ist die kurbayerische, die in Neudeck, in einer 
Vorstadt rechts der Isar, zunächst um 17 50 von 
privater Seite ins Leben gerufen, aber alsbald 
unter den Schutz des kurfürstlichen Hofes ge- 
nommen und dann 1761 nach Nymphenburg 
transferiert wurde. Wenn wir zunächst die 
figürlichen Erzeugnisse der kurzweg Nym- 
phenburger Manufaktur genannten Fabrik be- 
trachten, so ist die erste Periode, die etwa bis 
zum Jahre 1761, eben der Etablierung der 
Fabrik in Nymphenburg, reichte, gerade nicht 
von besonderem Gelingen begünstigt gewesen. 
Die Kavaliere und Damen, so ziemlich die 
einzigen Modelle dieser Zeit, zeigen puppen- 
haft schlanke, dabei unlebendige Verhältnisse, 
die Bemalung ist in den seltensten Fällen über 
Versuche, die Farbentöne gleichmäßig heraus- 
zubringen, hinausgekommen, aber trotzdem 
ruht in diesen überschlanken wenigen Modellen 
St?"xjgfznulm'"fz'g"yß{l'hzn' ein gewisser Charme, der sie, verbunden mit 
g' N,.„„,„„„„„_';„„„{Z,f{'s" es ihrer Seltenheit, zur Freude des Sammlers 
macht. Schon nach den ersten Jahren bessern 
sich übrigens die Modelle in der Lebendigkeit der Auffassung und schon 
die wenigen Krinolineßguren, offenbar an Meißen angeknüpfte Versuche, 
zeigen ein besseres Gelingen. Die Ausstellung hat von diesen seltenen 
Stücken in wenigen Modellen eine ziemlich große Anzahl zusammen- 
gebracht. Die Hauptblüteperiode Nymphenburgs in plastischer Beziehung 
hängt aufs engste zusammen mit der Berufung des italienischen Bildhauers 
Franz Bastelli als Modelleur. Seine Serien der italienischen Komödienliguren, 
von Tänzern und Gesellschaftsiiguren der Zeit gelten längst als die feinsten 
Kabinettstücke, die die deutsche Porzellankunst hervorgebracht hat. Bastelli 
hat, das läßt auch die Ausstellung in ihrem großen Material deutlich erkennen, 
sich in kurzer Zeit von einer zuerst noch mehr schematischen Porzellankunst 
zu einer Virtuosität, die Modelle für das glasierte Material zu bearbeiten, 
durchgerungen, wie wohl kein anderer seiner Konkurrenten in Deutschland. 
Die Einzelfigur aus dem Zeitleben und die Putten, von denen ebenfalls von 
seiner Hand eine ganze Serie vorhanden ist, bilden entschieden sein Haupt- 
werk. Im Aufbau der nicht sehr zahlreichen Gruppen ist er eigentlich weniger 
glücklich gewesen. Sein Drang nach äußerster Lebendigkeit, nach Bewegung 
bis in die letzte Faser der dargestellten Person, hat ihn hier wenigstens in 
manchen Arbeiten zu unruhig werden lassen. Das wirkungsvollste Stück 

	        

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