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INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG 
Nr. 1 
teresse für Rudolf A11 kund, der eine zeitlang fast 
in Vergessenheit geraten schien. Wir konnten fast 
Vorkriegspreise erzielen. Bei der ersten Ullmann-Auk- 
tion brachte beispielsweise Alts Oelbild aus Venedig 
4000.- Sch. Dagegen ist Mittelware fast unanbring- 
lich. Während man früher für ein kleines Genrebild 
chen vom Wiener Hamza gerne über 1000 Sch. 
zahlte, kann man es jetzt nicht einmal für die Hälfte 
anbringen. Wie in allem heute, ist nur nach gutem 
und bestem große Nachfrage. 
Weiters veranstalteten wir heuer die Drach-Auk- 
tionen. Hier kamen französische Möbel und Stiche 
zur Auktion. Auch hier waren die Preise durchwegs 
gute. Für Gobelins ist das Interesse sehr gesunken, 
wahrscheinlich aus dem Grunde, weil sie in den 
modernen Wohnungen nicht unterzubringen sind. Da 
für ist die Nachfrage nach Barockmöbeln sehr groß, 
vielleicht größer, als je zuvor, und das kommt daher, 
daß viele Personen in ihre modern eingerichtete 
Zimmer einzelne antike Stücke stellen. Bei der Ver 
steigerung der französischen Bibliothek zeigte es sich 
leider, daß der internationale Markt für Bücher sehr 
schwach ist. Dementsprechend waren die Preise mäßig. 
Im großen und ganzen muß man indes einen 
Aufschwung feststellen. Sehr erfreulich ist, daß die 
Wiener endlich wieder sich für ihre Kunst interes 
sieren. In allen anderen Ländern werden die natio 
nalen Künstler sehr hoch gewertet, nur bei uns war 
es anders. Es wurde schon einmal richtig bemerkt, 
wenn unser größter Landschafter J. E. Schindler 
ein Franzose gewesen wäre, so würden seine Bilder 
vielleicht noch höher, als die modernen Franzosen 
im Preis stehen, da . seine Meisterschaft diesen in 
nichts nachsteht. Aber hoffentlich wird der kleine 
Aufschwung anhalten und es wird auch bei uns die 
nationale Kunst, vor allem die Wiener Bilder des 
vorigen Jahrhunderts, wieder entsprechend gewürdigt 
werden. i 
Ein Kapitel für sich sind in Wien die Woh 
nungsversteigerungen. Fast alle, die wir durchführten, 
hatten einen überraschenden Erfolg. Das Publikum 
kauft am liebsten bei den Wohnungsauktionen und 
überzahlt dort auch gerne, da es die Gegenstände an 
Ort und Stelle in Verwendung findet. Bei diesem 
Anlaß muß noch gesagt werden, daß es völlig 
ungerechtfertigt ist, wenn von gewissen Seiten gegen 
Wohnungsauktionen Stimmung gemacht wird. In al 
len Großstädten der Welt sind Wohnungsversteige 
rungen an der Tagesordnung. Natürlich gerade jetzt, 
wo leider viele Leute ihren einstigen Standard nicht 
mehr aufrecht erhalten können, mehren sich diese 
Auktionen. Aber sie bringen wirklich niemandem 
Schaden, sondern nur Vorteile, dem Verkäufer, der 
auf einmal seine Sachen anbringt, dem Käufer, der 
sehr günstig kaufen kann und der vor allem die Ge 
genstände richtig aufgestellt sieht, schließlich auch 
dem Händler, der sich ja auch an den Auktionen 
beteiligen kann und oft gerade bei solchen Auki- 
tionen Gegenstände sehr günstig erwirbt. 
Math. Lempertz (Köln). 
Das Geschäftsjahr 1937 stand, wie im ganzen 
Reiche, so besonders bei uns in Westdeutschland, un 
ter dem Zeichen einer stetig steigenden, unerschütter 
lieh optimistischen Konjunktur. Nur mit Anstren 
gung konnte der Kunstmarkt die sehr begehrten 
hochwertigen Objekte heranschaffen, deren Absatz 
sehr leicht bei ständiger Steigerung der angelegten 
Preise vor sich ging. Funwandfrei undiskutierte Ob 
jekte der hohen Wertstufen machten auf fast allen 
Gebieten sowohl der alten Malerei und Plastik wie 
des alten Kunsthandwerks diese Preissteigerung mit; 
ganz besonders waren hierbei auch die Gemälde der 
tüchtigen deutschen Malerei aus der zweiten Hälfte' 
des 19. Jahrhunderts beteiligt. 
Auf dem Gebiet der alten Kunst stiegen alle 
„Spitzenwerke“ zu rekordaler Bewertung und auch das 
bessere Mittelgut fand eine kräftige Erholung gegen 
über früheren Tiefstandsjahren und eine steigend 
freundliche Aufnahme, was besonders auch für die 
mittelalterliche Holzplastik zu bemerken war. Die 
niederländischen Gemälde des 17. Jahrhunderts blie 
ben in alter Wertschätzung und machten die kon- 
junkturale Preissteigerung in angemessener Weise mit. 
Unter den alten Möbeln waren besonders die Zierlich 
keiten des 18. Jahrhunderts am intensivsten gefragt, 
besonders die Sitzmöbel und kleinen Intarsienmöbel 
des Rokoko. 
Der Sammler Stephan Zweig. 
Stephan Zweig hat einen Teil seiner berühm 
ten Autographensammlung der Theatersammlung der 
Nationalbibliothek in Wien zum Geschenk gemacht, 
die die Kostbarkeiten unter dem Titel „Sammlung 
Stephan Zweig“ bewahren wird. Wenn man weiß, 
wie sehr der Dichter an seinen Autographen hing, 
wird man dies Geschenk zu würdigen wissen. 
Auf eine Rundfrage über den Wert des Sam 
melns, die die „Internationale Sammlerzeitung“ im 
Jahre 1909 veranstaltete, äußerte sich Stephan Zweig 
über das Sammeln im allgemeinen und über seine 
persönliche Neigung. Er schrieb damals u. a. „Im 
allgemeinen verwechselt man Sammeln zu sehr mit 
Liebhaberei. Sammeln ist mehr. Es ist eine Bereiche 
rung des Lebens (nicht so sehr durch den positiven 
Besitz), sondern durch Gefühle. Wer nicht die Freude 
kennt, irgend ein fehlendes Stück einer Sammlung 
unerwartet zu gewinnen, oder den Schmerz, die un 
geheure ärgerliche Erregung es vor seinen Augen 
in fremder Hand zu sehen, wer nicht den aufreizenden 
Schauer der Auktionen, den oft mit unhörbaren 
Schwingen einen streifenden Zufall kennt, wird diese 
Mehrung an Lust und zornigem Gefühl nicht be 
greifen können. Sammler sind für mich immer in 
teressante Menschen und ich verweise nur auf Bal 
zac, der in seinem Werk diese Leidenschaftlichen 
als Lieblingsgestalten wählte. Sie, die sich selbst 
so ihr Leben an Intensität verstärken, die, von der 
ungeheuren Vielfalt der Begehrungen verwirrt, sich 
lieber ganz an eine hingeben, sind die einzigen, die 
wirklich schöpferisch und unsterblich werden kön 
nen. Wer ist von der ganzen epigonischen Mün 
chener Dichtergeneration berühmter, dauernd berühm 
ter, als der Graf Schack?“ 
Ueber seine eigene Sammlung verbreitete ersieh, 
wie folgt: „Ich persönlich habe schon in der Schule 
den Trieb gehabt, Handschriften zu sammeln. Glück 
licherweise habe ich rechtzeitig erkannt, daß man 
eine große Autographensammlung, die alle Natio 
nen, alle Gebiete vereint, nur mit immensen Geld 
mitteln sich anlegen kann. Und habe mich be 
schränkt. Ich sammle heute nur Handschriften (keine 
Briefe) von Werken, am liebsten von Gedichten, die 
ich persönlich liebe, Denn dadurch nur kann
	        

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