MAK
Nr. i INTERNATIONALE SAMMLER-Z EIT UNG Seite 3 
An unsere p. t. Bezieher in Deutschland! 
Wir ersuchen unsere p. t. Bezieher in Deutschland das Abonnement pro 1938 bei ihrem 
nächsten Postamt erneuern zu wollen. 
Die Verwaltung 
der 
„Internationalen Sammler-Zeitung“ 
eine Sammlung einmal Persönlichkeit zum Ausdruck 
bringen und nur dadurch bin ich von den Markt 
preisen ein wenig unabhängiger, daß meine persön 
liche Neigung mir den Preis diktiert. Ein Gedicht 
von Goethe („Zwischen Weizen und Korn“) ist mein 
liebster Zimmerschmuck. ein Paar herrliche Verse 
von Lenau, Mörike, Conrad Ferdinand Meyer, Fon 
taine, Verlaine, Storni, mein immer wieder erneuter 
Stolz. Die Generation von heute hilft mir durch 
Geschenke ihrer Manuskripte ab und zu freund 
schaftlich mit, so daß ich Floffnung habe, einmal 
eine, wenn auch mit zu bescheidenen Mitteln begon 
nene Sammlung wachsen und sich organisch ent 
wickeln zu sehen, die eben nur mir gehört und 
meinen persönlichen Geschmack ausdrückt. Mögen 
andere vorziehen, diesen ihren individuellen Ge 
schmack durch die Farbe ihrer Kravatten zum Aus 
druck zu bringen; ich habe meine Art, bin ihrer 
froh. Und habe vom Sammeln für die paar Aerger- 
lichkeiten immer nur siebenfache Freude gehabt.“ 
In der Schenkung Stephan Zweigs sind 79 Auto 
ren mit über hundert Manuskripten vertreten. Die 
überwiegende Anzahl sind vollständige Romane, Thea 
terstücke, Novellen, Gedichte; außerdem findet man 
Skizzen, Entwürfe und Pläne. Unter anderem sind 
Werke von Thomas Mann, Artur Schnitzler, Wild 
gans, Wassermann, Zuckmayer, Maxim Gorki, Rol 
land und Emst Toller da. Gerhart Hauptmann 
ist mit zahlreichen Manuskripten und Korrekturbü 
chern vertreten. Von Hugo Salus ist seine Novelle 
..Das Meerweibchen“ vorhanden. Außerordentlich in 
teressant ist eine Novelle Max Brods, die dieser 
1907 in ein Schulheft des Mädchenlyzeums geschrie 
ben hatte, das seiner Schwester Sophie gehörte. Die 
Novelle heißt „Ein tschechisches Dienstmädchen“. 
Brod sandte 1935 an Zweig ein seltenes Manuskript 
Franz Kafkas aus dessen Roman „Amerika“. Von 
Franz Wer fei sieht man ein Manuskript „Ueber den 
Krieg“, ein Dialog zwischen Euripides und Alki- 
biades, im Dezember 1914 in Prag verfaßt. Auf der 
ersten Seite hatte der Dichter die Worte „Darf 
nie veröffentlicht werden!“ Diese Arbeit schenkte 
Rainer Maria Rilke Zweig. Großen Wert haben auch 
Autographen von Albert Schweitzer,; denn un 
ter ihnen befinden sich sogenannte „Einkaufslisten“, 
die Schweitzer aus Afrika sandte und auf denen er ein 
Verzeichnis der notwendigen Lebensmittel und Arz 
neien notiert hatte. Das Gedicht Hofmannsthals 
auf Kainz’ Tod ist in allen Fassungen bis zur Fer 
tigstellung vorhanden. Die Namen Eduard Stucken, 
Felix Braun, Erich Ebermayer, Herbert Eulenberg, 
Walter Hasenclever, Hermann Hesse, Edmond Jaloux, 
Else Lasker-Schüler, Heinrich Mann, Robert Michel, 
Walter von Molo, Alfons Petzold, Joseph Roth, Rene 
Schickele, Wilhelm Schmidtbonn, Wilhelm von 
Scholz, Arnold Ulitz (der die kleinste Schrift auf 
weist), Richard Beer-Hofmann, Lucka, Lissauer usw. 
können den Wert der großartigen Handschriften 
Sammlung nur annähernd bezeichnen. 
Stephan Zweig selbst ist mit der Originalhand 
schrift der ersten Fassung des Textbuches zur 
„Schweigsamen Frau“ von Richard Strauß vertreten. 
Wilhelm Trübners Bibliothek. 
Aus Luzern wird uns geschrieben : 
Der am21. Dezember 1917 in Karlsruhe verstorbene 
berühmte Maler Wilhelm Trübner war, was man jetzt 
bei. der von Gilhofer & Ranschburg durchge 
führten Versteigerung seiner Bibliothek erfuhr, ein 
Büchersammler von großem Format. Er begann, was 
bei ihm nahelag, mit dem Sammeln von alten deut 
schen Holzschnitten, ging aber bald zum Sammeln 
von alten Volksbüchern und Ottheinrich-Bänden über. 
.Als sich ihm die deutsche Dichtung und Philosophie der 
neuesten Zeit erschloß, gruppierte er um sich die wich 
tigsten Erstausgaben dieses klassischen Zeitalters. Da 
bei geriet er immer wieder und wieder auf Kant und 
Schopenhauer. So entstand eine umfangreiche Abtei 
lung Kant- und eine bedeutsame Schopenhauer 
Sammlung, in der dessen Werke und zahlreiche Bü 
cher aus seiner Bibliothek zu finden waren. Als Spit 
zenstücke ragte darüber des Philosophen umfangrei 
ches Manuskript, das eigenhändige Nachträge und 
Zusätze für die 3. Auflage der „Welt als Wille 
und Vorstellung“ enthält. 
Der Bibliothek waren 20 Skizzenbücher Trübners 
angeschlossen, die einen ergreifenden Einblick in 
seine Art. des bildnerischen Schaffens: gewähren. 
Es war angesichts dieser Kostbarkeiten. nur na 
türlich, daß die Auktion große Anziehungskraft auf 
Bibliophile und Künstler ausübte, die denn auch in 
stattlicher Zahl sich in den Räumen der Firma in 
der Alpenstraße eingefunden hatten. Neben der 
Schweiz war insbesonders Deutschland stark vertre 
ten. 
Bedeutende Preise (in Schweizer Francs) erziel 
ten: 
Inkunabeln. 
3 Konrad Botho, Cronecken der Sassen, Mainz, 
Peter Schöffer 1492 1350 
10 Das Buch, Der Schatzbehalter. .. Nürnberg, Ko- 
berger 1491 1850 
Holzschnittbficher des 16. Jahrhunderts. 
20 Geiler von Kaisersberg, Navi Postile über die fyer 
Evangeiia . .. Straßburg, Joh. Schott, 1522 720 
32 Passional-Buch, Wittenberg, Rham 1540 '950 
38 Folge von 224 bedeutenden Holzschnitten von Hans 
Burgk-Mair... in Abdrucken des 16. J. von den 
Originalstöcken zum Weißkunig 4000 
Einbände. 
46 Alphonsus A Spina, Fortalitium fidei, Nürnberg, 
Koberger 1485 ' 500 
48 Ludolphus Carthus, In Psalteriüm expositio, Paris, 
Gering-Rembolt 1506 780 
49 Lupoldus de Bebenberg, De iuribus et translatione 
Imperii, Papierhandschrift (aus Basel?) vom J. 1464 1550 
51 Vita Burchardi episc. Wormatiensis, Papierhand 
schrift aus der Wende des 15.—16. J. 1120 
52 lacobus de Voragine, Sermones dominicales; Straß- - 
bürg C. W., nicht nach 1473 1220
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.