MAK
Nr. 13/14 
INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG 
Seite 129 
die Uebertragung des göttlichen Funken, die Ein 
hauchung des Geistes in die beiden von des Herrn 
eigener Hand ihm gleich geschaffenen Ebenbilder. 
Die romanistische Phase der altniederländischen 
Malerei verkörpert in bester Form eine signierte und 
1560 datierte Madonna mit musizierenden Engeln von 
Michiel Coxie, der als erster den großen Stil des 
Romanismus in Flandern durchführte. 
Von dem wichtigsten Repräsentanten der Ueber- 
gangszeit in der niederländischen Landschaftsgestal 
tung, Gillis van Coninxloo, ist eine große far 
bensprühende Tafel, ein fröhliches Picknick im Walde 
mit reichen Schloßbauen im Hintergründe, ausgestellt. 
Sein Biograph Karel van Mande r, der in seinem be 
kannten „Schilderboek“ ihn den bedeutendsten Land 
schaftsmaler seiner Zeit nennt, ist selbst mit einer 
leuchtenden, signierten und 1600 datierten Kupfertafel 
vertreten. Die aus der besten Zeit des Künstlers stam 
mende mythologische Szene, dessen Werke uns nur in 
geringer Zahl überkommen sind, erhellt deutlich seine 
wichtige Stellung als Wegbereiter zu einem neuen Re 
alismus in der holländischen Kunst des 7. Jahr 
hunderts. 
Gleich bezeichnend für diese Uebergangszeit ist 
eine schwungvoll spritzig hingesetzte kleine Land 
schaft mit Staffage von Joos de Mo mp er. Typisch 
wie das Licht um die Felsen fließt, die Ferne in flüs 
siges Silber getaucht weißgrau leuchtet, und die hin 
teren Gründe in charakteristischer Punktmanier ro 
mantisch bewegt mit dem Vorder- und Mittelgründe 
sich zu einer wohldurchdachten Komposition zusam 
menschließen. 
Beste holländische Landschaftskunst repräsentiert 
eine warmtonige, leuchtend-klare, voll signierte und 
1648 datierte Strandszene von Egbert van der Poel 
und ein goldener Herbstsonnenabend von Jan Both. 
Die Verwirklichung echter lebensnaher Men 
schendarstellung führt uns in guten Beispielen vor 
Augen; ein reizendes Kinderköpfchen von Jacob Ger- 
ritsz C u y p, ein rassiges Damenporträt von Rave- 
steyn von 1625, ein frappierend lebenswahres Frau 
enbildnis von Govaert Flink aus dem Jahre 1635, in 
weichen warmen Tönen gemalt, und endlich ein bezau 
berndes Mädchenbild von Ferdinand Bol, voll signiert 
und 165 t datiert. 
Als einziger Vertreter der italienischen Malerei 
sei ein feines, sorgfältig ausgeführtes Bild von Boni- 
facio Veronese erwähnt, dessen Thema ,.Konzert 
im Freien“ in Konzeption wie Ausführung die 
durchsichtig warme Atmosphäre der Landschaft fällt 
auf — besonders anspricht. 
Aus den beiden knieenden Engelplastiken von 
Jacopo della Q u e r c i a weht uns der feine Duft der 
italienischen Frührenaissance entgegen; aus Linden 
holz gefertigt, fast lebensgroß, heben sie in anmutigem 
Gestus die beseelten andachtsvollen Hände. Der aus 
führende Künstler hat zwei lebens- und ausdrucksvolle 
Gestalten geschaffen, die zugleich geistige und leib 
liche Wesen von frappierender Frische und Natürlich 
keit darstellen. Aus der rein formalen Errungenschaft 
einer tiefgehenden Verfeinerung der psychologischen 
Interpretation ist die Entstehungszeit in der ersten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts wohl mit Recht anzu 
nehmen. 
Briefmarke im Devisenrecht. 
Im Jahre 1936 hat die deutsche Devisenstelle festgestellt, 
daß Briefmarken im allgemeinen als Ware anzusehen und ent 
sprechend zu behandeln sind. Werden sie jedoch an Zahlungen 
benutzt, so sind sie 
Zahlungmittel im Sinne des Devisenrechtes. 
Briefmarkentauschgeschäfte mit dem Auslande gelten als 
genehmigungspflichtige private Verrechnungsgeschäfte. Händ 
lern und Privatpersonen können allgemein gehaltene Genehmi 
gungen dazu erteilt werden, Für Oesterreich wurde diese 
Materie mit Kundmachung der Devisenstelle Wien vom 22. Juni 
d. J. geregelt. Gebrauchte und ungebrauchte, kursfähige und 
nicht kursfähige Briefmarken sind zwar grundsätzlich als 
Ware, nicht aber als Zahlungsmittel im Sinne des Devisenge 
setzes anzusehen. Ungestempelte kursfähige Briefmarken müs 
sen jedoch dann als Zahlungsmittel (Geldsorte) angesehen 
werden, wenn sie Geldfunktionen versehen, d. h. dazu verwen 
det werden, Zahlungen zu leisten. 
Die Bestimmungen über die Versendung von Briefmarken 
in das Ausland und über die Bezahlung der Einfuhr von Brief 
marken zielen u. a. darauf ab, vorzubeugen, daß Lieferungen 
an deutsche Sammler, die handelsüblich bar zu bezahlen sind, 
im Hinblick auf die deutschen Devisenbeschränkungen mit 
kursfähigen ungestempelten Briefmarken 
bezahlt würden. Die Kundmachung der Devisenstelle besagt, 
daß Anträge, die die Verwendung von Briefmarken als Zah 
lungsmittel betreffen, in der Regel abgelehnt werden. Umge 
kehrt stellt die Friigegennahme von Briefmarken zum Ausgleich 
einer Forderung gegenüber einem Ausländer eine nach der De 
visenordnung für das Land Oesterreich bewilligungsbedürftige 
Verfügung über diese Forderung dar. Anträge dieser Art 
sind nach den Vorschriften über private Verrechnungsgeschäfte 
zu behandeln. Für die Bewilligung ist die 
Ueberwachungsstelle für Papier in Berlin zuständig, 
die ablehnende Bescheide unmittelbar, zustimmende im Wege 
der Devisenstelle Wien erteilt. Die Ueberwachungsstelle für Pa 
pier in Berlin ist auch zuständig zur Entscheidung über An 
träge österreichischer Einführer auf Bewilligung zur Bezahlung 
von Büchern, Druckschriften, Kalendern, wissenschaftlichen 
Karten, Musikalien, beschriebenem Papier, Akten und Hand 
schriften, Gemälden auf Holz, Eisen oder unedlen Metallen, 
auf Leinwand oder Stein, Originalbildern und Zeichnungen auf 
Papier, Werken der Graphik und Photographie. 
Die Vernichtung spanischen Kulturgutes. 
Einen neuen aufschlußreichen Einblick in das 
kulturzerstörende Treiben der spanischen Bolschewi 
sten gewährt der Brief des berühmten spanischen 
Archäologen Jul io Martinez Santa- Olaola an den 
früheren Präsidenten des Archäologischen Instituts 
des Deutschen Reiches Geheimen Regierungsrat Dr. 
Theodor W iegan d. 
Es heißt darin: Zunächst hören Sie, verehrter 
Meister, von der Zerstörung meiner archäologischen 
Sammlung. Eines Tages (damals war schon der größ 
te Teil meiner Wohnung und Bibliothek geplündert) 
kamen fünf Verbrecher herein, um eine „Durchsu 
chung“ vorzunehmen, da in unserer Wohnung angeb 
lich Bomben gemacht worden sein sollten. Den „Be 
weis“ fand man bald in den Fundgegenständen, wie 
Feuersteingeräte, Keramik, Glas, Bronzen und Eisen 
sachen meiner Sammlung. In diesen Stücken sah 
man die Bestandteile für die Herstellung der „Bom 
ben“. Mit Mühe und Not konnte ich schließlich einen 
Teil der Bande davon überzeugen, daß alles alte, un 
schuldige Dinge waren. Diese Erklärung rettete uns 
an jenem Tage vor einer neuen Verhaftung, aber die
	        

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