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INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG 
Seite 27 
Nr. 3 
An unsere p. t. Bezieher in Deutschland! 
Wir ersuchen unsere p. t. Bezieher in Deutschland das Abonnement pro 193S bei ihrem 
nächsten Postamt erneuern zu wollen. 
Museum zugewiesen wurden, also im Lande verblieben. Tirol 
hat eben bei den ersten Gerüchten vom Verkauf ein mör 
derisches Geschrei erhoben, in Salzburg aber blieb es beim 
Verkauf des Antiphonars mäuschenstill. Unsere Jugend ist 
über die mittelalterliche Geschichte Salzburgs zu wenig orien 
tier!, die Tradition mit der Vergangenheit ist abgerissen, wir 
kennen die salzburgischen Heldengestalten des Mittelalters nicht. 
Der Not der Klöster müßte durch eine gründliche Wirtschafts 
reform abgeholfen werden, so daß weitere Verkäufe von Kunst 
schätzen sich erübrigen. Der Vortragende erörterte sodann die 
Geschichte des Corregio-Bildes . aus Hellbrunn, das zum 
Schaden der Stadt gleichfalls nach Wien kam. 
Dr. Frisch erwähnte noch ein Beispiel der praktischen 
Rettung eines Kunstwerkes für Salzburg. Aus Privatbesitz war 
Die Verwaltung 
der 
„Internationalen Sammler-Zeitung“ 
ein „Leben des heiligen Wolfgang" mit 50 Holzschnitten, ein 
Werk der Regensburger Schule nach 1500, von Salzburg über 
die Grenze nach Deutschland geschmuggelt worden. Die Stu 
dienbibliothek besaß bereits die lateinische Ausgabe, aber 
nicht die deutsche. Das Stück stand mit 1000 RM. im deut 
schen Buchhandel, Die Albertina hat das Werk um diesen Be 
trag erworben und es der Salzburger Studienbibliothek über 
lassen, Wogegen es eine Dublette aus der Studienbibliothek er 
hielt. Hier also war es möglich gewesen, Salzburger Kunst 
gut für Salzburg zu retten. 
Der Vortragende schloß mit der Feststellung, daß, wo ein 
Wille ist, sich auch ein Weg findet. Allerdings müsse der 
Schutz des Kunstgutes auch gesetzlich neu geformt 
werden. 
451. Kunstauktion des 
Es ist ein ungewöhnlich reichhaltiges und wie 
gleich hinzugefügt werden soll, auch wertvolles Ma 
terial, das die für den 17. bis 19. Februar angesetzte | 
451. Kunstauktion des Dorotheums in Wien 
vereinigt. 
Die Versteigerung beginnt mit einer Reihe von 
Gemälden alter Meister, unter denen wohl 
Rubens der Vorrang gebührt. Der Meister ist mit 
zwei Apostelköpfen (Oel, Eichenholz, 67,5:52 cm) 
vertreten, deren Entstehung Professor Eigenber 
ger in die Zeit um oder vor 1615 setzt. Eine zweite, 
in den Maßen völlig übereinstimmende Fassung des 
Bildes befindet sich im Metropolitan-Museum in New- 
York. In einer Verkündigung Mariae", die nach dem 
bekannten florentinischen Gnadenbilde gemalt wurde, 
hat Prof. Wilhelm S u i d a, ein feiner Kenner der 
italienischen Malerei, ein Werk des Mariotto Alber- 
tinelli erkannt, der von 1509 bis 1512 in Werk- | 
gemeinschaft mit Fra Bartolommeo gearbeitet hat. 
(Siehe unsere Abbildung Fig. 1). Werken dieses 
Künstlers begegnet man in den Uffizien in Florenz 
und in Louvre zu Paris. Das kunsthistorische Museum 
in Wien besitzt von ihm die „Vermählung der heil. 
Katharina". Von alten Gemälden möchten wir noch 
nennen: Eine weibliche Halbfigur von Ambrosius 
Ben so n (expertisiert von Glück), das Bild von 
Jacob Willemsz de W e e t, „Paulus und Barnabas 
verweigern zu Lystra die Annahme heidnischer Op 
fer“ und ein Ritterbildnis von Bertram de Fouchier. 
Den Bildern schließen sich Skulpturen an, 
unter denen wir ein ausgezeichnetes Kölnisches Stück 
um 1350 bis 1360 hervorheben möchten, das „Ma 
ria mit dem Kinde, thronend“ darstellt. Zahlreiche 
Reste der Originalbemalung und Vergoldung sind 
noch vorhanden. 
Aus der Glasers a m m 1 u n g des Dr. Franz 
Freiherrn von Haymerle, die schon zum größten 
Teile versteigert wurde, bringt die Auktion noch an 
hundert Stücke, die meist böhmischer Provenienz 
sind und aus der Biedermeierzeit stammen. Auf eine 
frühere Zeit gehen u. a. ein schwerer Humperstutzen 
mit den Brustbildern Kaiser Leopolds I. und der Kai 
serin Eleonore in üppigen Kartuschen und ein klei 
ner, geschliffener und gravierter Pokal mit dem Prä 
latenwappen und der Inschrift „Daniel Todt Abbas 
Lucensis et praep. Ma. Varand" zurück. Todt war 
Dorotheums in Wien. 
der letzte Abt des 1784 aufgehobenen Stiftes Bruck 
(Loucka) bei Znairu. 
Der Abschnitt „T extilien und Spitzen“ ver 
zeichnet einige sehr hübsche Tappisserien. Es ist 
da u. a. eine flämische Verdure mit einer Landschaft 
aus dem Jahre 1700, eine Tapisserie mit clcr Dar 
stellung „Moses und die Gesandten vor Pharao“, 
vlämisch. gegen 1600 und ein Gobelinbild aus dem 
Ende des 18. Jahrhunderts, das nach dem Gemälde 
des Dominicus Zampini „Die cumäische Sibylle im 
Palazzo Borghese“ in Wolle und Seide gewirkt ist. 
Die Abteilung „Graphik“, in der wir eine 
Fig. 1. Albertinelii, Verkündigung Mariae.
	        

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