wallgemeiner Schlüssel zum Verständniss der in unserem Gebrauche befindlichen zahl- reichen Formen: dienen solle. Dass es sich dazu in der gegenwärtigen Form wenig eignet, davon dürfte den Verfasser ein Versuch bald überzeugen. Wir zweifeln nicht, dass er bei Veranstaltung einer neuen Auflage des mit Unterstützung des k. k. Ministe- riums für Cultus und Unterricht herausgegebenen Werkes sich angelegen sein lassen wird, alles zu beseitigen, was einer wirklichen Popularisirung im Wege steht; und dahin rechnen wir auch Satze, welche leicht zu einem Missverständnisse führen können (i-Proportion ist die Beziehung ungleicher Theile zu einander: S. I5), oder die sofort eine, den lnhalt beinahe aufhebende Einschränkung erfahren müssen, wie der von der sleitfolge der slructiven und der plastischen Methode: (S. 26, 1.7). Ob die verschiedenen Classiftcationstabellen wirklich geeignet sind, den Anfänger zu orientiren, ihn nicht viel- mehr verwirren können, wäre ebenfalls zu bedenken. B. st- Erzherzog Ferdinand II. von Tirol. Geschichte seiner Regierung und seiner Länder. Von Josef Hirn. z Bde. Innsbruck, Wagner, 1885-1888. 80. XVII, 686 und IX, 544. S. Wie schon aus dem Titel dieser umfangreichen Arbeit hervorgeht, behandelt das hier angezeigte Werk seinen Gegenstand vom historisch-politischen Gesichtspunkte in erster Hinsicht, verbreitet sich ferner auch sehr eingehend über die Geschichte der inneren Verwaltung der von dem Erzherzoge regierten Lander; seine Besprechung in diesem Sinne hatte somit in vorliegenden Blättern keine Stelle. Aber es hat der Ver- fasser auch drei Capitel eingeflochten, und zwar inhaltreiche Abtbeilungen, in welchen er den Zustand der Künste, der Gewerbe und die Geschichte des weltberühmten Schlosses Ambras erörtert, und diese Partien seiner vortrefflichen Arbeit sind vollauf geeignet, das Interesse des Kunsthistorikers zu erregen. Wie für seine gesarnrnte Arbeit, hat Hirn auch zu Zwecken jener Abtheilungen aus Quellen geschöpft, welche größtentheils zum ersten Male für den Gegenstand untersucht wurden, und unter welchen die reichen Schätze des tirolischen Statthalterei-Archives in Innsbruck durch ihre besondere Wich- tigkeit hervorragen. Die bestehende Literatur ist daneben ziemlich eingehend, allerdings nicht vollkommen, in Betracht gezogen. Dieselbe hat, abgesehen von den heute veralteten Schriften Primisser's und Sacken's über die Ambraser Sammlung, durch die Arbeiten Schönherfs, Boeheim's und des Gcfertigten, endlich durch die schon erfolgten Publica- tiouen im Jahrbuche der kaiserlichen Sammlungen eine ansehnliche Bereicherung erfahren. Das Wichtigste steht allerdings noch aus, nämlich die Veröffentlichung von Regesten der Ferdinandeischen Epoche aus dem lnnsbrucker Archiv, sowie jene der alten Ambraser lnventare - eine Sache, deren Durchführung übrigens ebenfalls das Jahrbuch in Bälde bewerkstelligen dürfte -- bis dahin bietet Hirn in jenen Capiteln seines fleißig geschrie- benen Buches einen theilweisen Behelf. Sache eines Werkes, welches die Aufgabe hat, ein allgemeines Bild eines Herrscherlebens zu bieten, kann es natürlich nicht sein, das kunst- und culturhistorische Gebiet auf streng fachmännische Weise zu behandeln, Hirn bemerkt auch ausdrücklich, dass er erschöpfenden Arbeiten dieser Art nicht vergreifen wolle. Dennoch aber bringt er, eben weil er aus Quellen schöpft, sehr viel Neues von Werth und Interesse. ich theile hier nur Einiges in andeutender Form mit. Mit der Bildhauerei beginnend, gibt das Buch einige ganz neue Nachrichten über Collin, den berühmten Meister der Reliefs am Maxgrabe, erwähnt zahlreiche Meister dieses Zweiges italienischer, niederländischer und deutscher Herkunft am Innsbrucker Hofe, unter den Malern folgen über die Brüder Fontana besonders schatzbare Angaben, ferner über einen der bedeutendsten Künstler im damaligen Tirol, Terzio Bergamasco, den Zeichner der imagines gentis Austriacae; auch von dem Böhmen Hutsky, von Georg Hufnagel, Elsasser, Walhueter etc. folgen interessante '_Mittheilungen. Dr. Schönherfs dubioser Antheil des Tizianschülers Pietro Rosa an den Fresken des spanischen Saales gewinnt aber auch durch Hirn keine weitere Aufhellung. Die Architektur hat in Luchesi, Tiroll, Uschall, Echtsch ihre Repräsentanten, rathselhaft ist mir aber der Hofbaumeister Ferdinand Walter. Sollte dem Verfasser nicht eine Verwechslung mit einem viel späteren lnns- brucker Hofarchitekten dieses Namens passirt sein? Sehr anziehend sind die Mitthei- lungen über die alte Buchdruckergeschichte lnnsbrucks, worin die Namen Höller und Baur (Agricola) hervorragen. Weiters finden sich Angaben über Papierfabrication, über des Erzherzogs merkwürdige Versuche, in Hall venedisches Glas zu erzeugen (die Re- sultate haben wir noch in der kaiserlichen Sammlung), über Erzeugung von Seide und Sammt etc. Der Abschnitt nAmbras- bietet viel Neues. So, dass die Umbauten von Johann Quarient geleitet wurden, dass es zwei Architekten Luchesi gab, Hans und Albrecht. In einem Punkte aber irrt der Verfasser, indem er nämlich den Capellenbau unter die Ferdinandeischen Veränderungen rechnet, denn er ist gothisch. Dass in einem der (ver- schwundenen) Luslhüuser Kaiser Maximilianäa Triumph gemalt war, ist ebenfalls bisher