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Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 8 und 9)

Bibliographische Daten

Zeitschrift

Persistenter Identifier:
1351679243468
Titel:
Kunst und Kunsthandwerk
Herausgeber:
Artaria & Co.
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Bestand:
Kunst und Kunsthandwerk

Zeitschriftenband

Persistenter Identifier:
1356685300138_0001
Titel:
Monatszeitschrift XVI
Bandzählung:
1913 / Heft 8 und 9
Dokumenttyp:
Zeitschriftenband
Bestand:
Kunst und Kunsthandwerk
Erscheinungsjahr:
1913

Artikel

Titel:
KLEINE NACHRICHTEN
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Strukturtyp:
Artikel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Kunst und Kunsthandwerk
  • Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 8 und 9)
  • Einband
  • HANS HEIDER UND DIE SALZBURGER MARMORPLASTIK IN DER ERSTEN HÄLFTE DES XV. JAHRHUNDERTS
  • NEUE BEITRÄGE ZUR LÖSUNG DER HIRSCHVOGEL-FRAGE
  • KLEINE NACHRICHTEN
  • MITTEILUNGEN AUS DEM K. K. ÖSTERREICHISCHEN MUSEUM
  • LITERATUR DES KUNSTGEWERBES
  • Werbung
  • Einband

Volltext

der Odol-Lingen, der Exzellenzherr von Dresden, mit all seinen Staatswürden afiichiert 
ist, steht hier: „Unverkäutlich, Eigentum des Künstlers." 
Und überraschend wirkt eine feine und stille Landschaft (Eigentümer Alfons Blum in 
Mannheim): Abend am Weiher voll sehaumigen Dunkels, die Bäume mit wolkigen Wipfeln, 
graugrün vor rosa verglühendem Himmel, im Wasser schwimmende Spiegelung. Im Motiv 
und im koloristischen Klang scheint das den paysages intimes Lesser Urys verwandt. 
München wird sonst vertreten durch Leibls Porträt des Sammlers Seeger voll 
dunkelbärtigern Ernst, Friedrich Stahls Firenze-Stimmung voll Brokat- und Emailartistik 
und Fortuna-Allegorie, Schramm-Zittaus funkelnde Impression der Hühnerfütterung mit 
stiebendem Gefieder, Uhdes Heiligen Abend im Schnee voll tönender Stille, Püttners Sol- 
daten in hellblau bayrischer Pracht, Angelo Janks reitende Batterie voll Preschens und 
Prasselns über den Sturzacker und durch das von Teufelein übersprühte Porträt des 
Professors Wenglein von Leo Samberger, halb Loge, halb Faun mit rotzüngelndem Schopf. 
Sehr repräsentativ erscheint die Wiener Lese, von John Quincy Adams ausgewählt. 
Angelis Porträt der Exzellenz Anni Dumba mit der Marmorbalustrade und dem Park- 
hintergrund zeigt charakteristisch die hohe Schule fürstlicher Frauenmalerei. 
Bachers zwei alte Damen, großflächig, schwarz auf Grau in Kaputte und Umhang, 
sind wie aus der Welt von Marie Ebner-Eschenbach genommen. Kapriziös ist das Damen- 
bildnis von Krausz und das von Scharf: die blaue Feder mit dern blaugrünen Changeant 
der startenden Taftfalten. 
Ein Effektstück scheint Hueks Gruppe der erwachenden Geier im kalten Gletscher- 
frühlicht und sehr naturhaft Hegenbarths Jäger mit I-Iühnerhund im Rohrgestängel. Dazu 
kommt die vielseitige Kollektion Schmutzer: die liebevollen Spiegelungen alter Archi- 
tekturen miniaturhaft ziervoll im Maßwerk gotischer Kirchen, schimmrig in der Wieder- 
gabe des Seidenglanzes patinierter Marmorwände; und daneben die voll erfaßten Menschen- 
bildnisse: Artur Schnitzler als Mann von fünfzig ]ahren im Kreis der Vignetten und Rand- 
einfälle zu dem tiefsinnigen Lebensgleichnis der „I-Iirtenilöte"; Goldmark, imperatorisch, 
als habe er soeben die Königin von Saba empfangen; Bürgermeister Lueger als kluger 
Weltmann; Lobmeyr voll Gelassenheit an Chlodwig Hohenlohe erinnernd; wissende und 
vornehme alte Damenköpfe. , 
Im Karlsruher Revier, das vom Professor Julius Bergmann bestellt ward, begegnen 
Porträte von Keller, ein weicher Herbstabend im Moor von Dill, das liebliche volkslied- 
erfüllte Säkkingen Thomas, die heilige Cäcilie von Volz voll Fiesole-Klang, Trübners 
lebendiges Reiterbildnis des Großherzogs von Hessen, die ruhevolle tiefe Spätabend- 
stimmung von Kampmann, ein rhythmischer Bergrüeken, dämmerblau gegen gelblich ver- 
löschenden Himmel vor grünem Wiesenland. 
Ein ganz modernes Gesicht zeigt Stuttgart, wo Professor Robert Weise die Regie 
führt. Arbeit und Rhythmus spricht hier in den dampfenden, energiegeschwellten Studien 
Hermann Pleuers: „BahnhoP und „an der Maschine", sowie in Kellers Bild der Arbeiter 
im Steinbruch voll wuchtender Gewalt. Daneben merkt man die Lichtspiele Amandus 
Faures an aus der Artistensphäre, Zirkus, spanische Tänzerin, voll schillernder Koloristik. 
Weimar hat wechselnde Physiognomie. Ludwig von Hofmannsche Frühlingsreigen, 
duftig wie Schmetterlingsstaub, in sprießendem Grün, von Flören überwallt, gaukeln neben 
dem schwerblütigen Tableau „Das Leben" von Egger-Lienz. Ein wuchtiges Balkengerüst, 
erinnernd an die Pfahlbauten weit ins Meer hinausgeschobener Landungsbrücken, ist hier 
zur Mysterienbühne aufgeschlagen und weist im Rahmen der schweren Gevierte die drei 
Lebensalter in ungefüger holzgeschnitzter Figura. An ihnen „war nicht Gestalt noch 
Schöne", herbe ungeschlachte Deutlichkeit tut sich dar, jene primitive Monumentalität, 
die Hodler verkündet. Dazu Walter Klemm, der elementare Stimmungen gern dekorativ 
ausdrückt und hier sein Motiv in den „Flößern" findet mit den grün-weißgischtigen Strom- 
schnellen, taumelnden I-lolzscheiten, den blauen Blusenmännern, die auf den Klippen- 
etappen längs des Falles stehen.
	        

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