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Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 69)

Bibliographische Daten

Zeitschrift

Persistenter Identifier:
1355387758001
Titel:
Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie
Herausgeber:
Selbstverlag des k. k. Österr. Museum (später Carl Gerold's Sohn)
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Bestand:
Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie

Zeitschriftenband

Persistenter Identifier:
1357786202581_0001
Titel:
Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI
Bandzählung:
1871 / 69
Dokumenttyp:
Zeitschriftenband
Bestand:
Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie
Erscheinungsjahr:
1871

Artikel

Titel:
Ausstellungsangelegenheiten.
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Strukturtyp:
Artikel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie
  • Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 69)
  • Ueber den Zustand der Spitzenfabrication im böhmischen Erzgebirge.
  • Die Mosaicistenschule im Petersburg.
  • Ausstellungsangelegenheiten.
  • Bücher-Revue.
  • Kleinere Mittheilungen.

Volltext

Ein derartiges Werk hat ein nngeheures Gewicht. Jenes im Jahre 1867 in Paris 
ausgestellte Stück wog nicht weniger als 7 Tonnen, worin beinahe nur die Last der 
Glaswüriel begrißen ist, denn die anfänglich vorhandene teigige Masse wird dann auf 
der Rückseite weggeschnitten und Ponland-Cement in einer Schichte dariibergebreitet. 
Man hat auf der Pariser Ausstellung wahrgenommen, dass Salvieti's Glas in der 
Farhenmiscbung und deren Nüancen das russische übertreEe, es ist indessen eine beson- 
dere und anderwärts nicht erreichte Eigenschaft der Petersburger Wsare, eine concan- 
trische Anordnung des Geliders, in der Weise wie es der Achat zeigt, zu besitzen. Von 
einem weissen Auge im Mittelpnnct gehen gelbe, rothe, brenne und graue Schatten, 
wie die Kreise einer Welle in ruhiger Fluth gegen die Peripherie. Hiedurch ist der 
Vortheil geboten, auf Einer Paste Farben vereinigt zu haben, welche sonst durch die 
Zusammenstellung vieler kleinerer und verschiedener müssten erreicht werden, ferner 
ein zweiter Gewinn, indem ein grösserer Würfel besser sitzt als zahlreiche kleinere. 
Die grossen technischen Mittel, verbunden mit unendlicher Genani lreit haben aber auch 
in künstlerischer Hinsicht auf den Sfyl gewirkt, so dass schliesslic ein Resultat erreicht 
ist, welches dem alten Mosaikenstyl sehr zuwiderläuft. Denn während dessen Geist ein 
grosser allgemeiner ist, markige Hanptlinien nur und fast keine Modellirung zulässt, ist 
es durch die zahllosen Varietäten der Fsrbentöne und die winzigen Masse, in welche 
die Würfelchen gebracht werden können, möglich, den Nüannenrsichthum eines Oelbildes 
nachzuahmen. Der Naturalismus unserer modernen Kunst hat sich's dann auch nicht 
entgehen lassen, mit diesen Mitteln die feinen Texturen von Gswlndern, Goldschmied- 
arbeiteu, Edelsteinen, ja selbst das Leuchtende im Mcnschenauge darzustellen. So be- 
achtenswerth aber auch solche Vervollkommnung der Technik sein mag, - der Freund 
der Kunst wird vor den rohesten altbyzentinischen oder sltitalischen Mosaiken des Ba- 
silikenstyles mit grösserer Freude verweilen! 
Zu dieser Ansicht stimmt tretflich das folgende Urthcil, welches wir mit den Worten 
des Verfassers geben wollen: "Russland ist in der Wahl des Styles nicht glücklich ge- 
wesen, den es angenommen hat. Die Zeichnungen ihrer Musivwerke haben einen sehr 
Nach-Raphaehschen Charakter. Anstatt zu ihren Vorbildern die alten Mosaiken von Tor- 
cello, Venedig, Ravenna oder Rom zu wählen, ahmen sie die prnnkenden Zeichnungen 
der Schule Tintorettafs und Veronesds nach. Die Manier, die man angenommen hat, 
schwankt zwischen jener der Csracci, des Caravaggio und Delaroche. Der Entwurf für 
das letzte Abendmahl, gegenwärtig noch im Atelier, wurde von einem Künstler italieni- 
scher Herkunft gemacht und die übrigen Arbeiten sind wesentlich modern, nicht byzan- 
tinisch und nicht mittelalterlich, nicht monumental, sondern malerisch etc." üalviatfs Bov 
strebungen scheinen allein stylgerechte Wiederaufnahmen der uralten Mosaikentechnik ge- 
nannt werden zu dürfen, denn für jene imVaticsn können obige Worte beinahe ebenfalls 
gebraucht werden. 
Wenn wir nun dennoch die Leser auf die neue russische Mosaikmalerei besonders 
aufmerksam gemacht haben, so ist es geschehen, weil das rein technische an derselben 
in der That des grössten Lobes würdig ist und eine Stufe der Vollkommenheit erreicht 
hat, die mutatis mutandis natürlich auch zu künstlerisch und s listisch völlig befriedi- 
gender Anwendung dienlich sein würde; weil in derselben technisc selbst Vorzüge gegen- 
über der veneüanischen Technik enthalten sind und endlich auch anderen Industrien, 
namentlich der in Russland gleichfalls rasch aufgeblühten Glasgefüssbildnerei, hiedurch 
die schlitzenswerthesten Vervollkommnungen angeführt werden können. I 
Ausstellnngsangelegenheiten. 
An sämmtliche Künstler, Industrielle etc., welche zur Eröfnungs- 
ausstellnng des Oesterr. Museums angemeldet haben, ist die nachstehende 
Zuschrift ergangen. 
Wien, den 6. Juni 1871. 
Auf den Wunsch zahlreicher Aussteller und mit Genehmigung 
Sr. k. Hoheit des Durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Protectors ist die 
Verschiebung der österreich. Musterausstellnng auf die Zeit vom 
3. November l87l bis Ende Iännor I872 
beschlossen worden.
	        

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