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Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 4)

Bibliographische Daten

Zeitschrift

Persistenter Identifier:
1355387758001
Titel:
Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie
Herausgeber:
Selbstverlag des k. k. Österr. Museum (später Carl Gerold's Sohn)
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Bestand:
Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie

Zeitschriftenband

Persistenter Identifier:
1358305887883_0001
Titel:
Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI
Bandzählung:
1891 / 4
Dokumenttyp:
Zeitschriftenband
Bestand:
Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie
Erscheinungsjahr:
1891

Artikel

Titel:
Angelegenheiten des Oesterr. Museums und der mit demselben verbundenen Institute.
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Strukturtyp:
Artikel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie
  • Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 4)
  • Einband
  • Sèvres und das moderne Porzellan.
  • Die Ausstellung historischer und nationaler Costüme im Oesterr. Museum.
  • Angelegenheiten des Oesterr. Museums und der mit demselben verbundenen Institute.
  • Litteratur - Bericht.
  • Bibliographie des Kunstgewerbes.
  • Notiz.
  • Einband

Volltext

352 
führen. Die Bezeichnungen Idealismus, Realismus, Naturalismus gehen sowohl, auf den 
514,5", als auf die äußere und innere Form und es kann der Fall sein, dass ein Künstler 
in der Stoifwahl Idealist, in der inneren Form Realist genannt werden muss. Lionardo 
und Uhde sind bei der KVahI des heil. Abendrnahls Idealisten, Ersterer ist es} auch in 
Hinsicht der inneren Form, er erhebt die Figuren über die gemeine Wirklichkeit; Uhde 
ist hierin zum Mindesten Realist, er sucht die Wirklichkeit zu geben. wie sie thatsachlich 
ist, gewesen sein mag. Der consequente Naturalismus verhalt sich zur inneren Kunstform 
ablehnend: er sucht das Einzelne wie es ist, losgelöst von allem Uebrigen, das Wirk- 
liche, aber nicht wie es wirkt, das Seiende ohne alle Beziehung auf das Werden und den 
Zusammenhang alles Seienden, nicht das Gesetz, sondern das Gesetzte. Dadurch macht 
der Naturalismus den Eindruck des willkürlichen, Regellosen, Zufalligen, er kennt auch 
keinen Unterschied zwischen schon und hässlich, Alles ist ihm gleich werthvoll, den 
Einfluss der Phantasie bekämpft er, weil sie ihm das Vllirklichkeitsbild störe, dass es 
eine werthmessende Instanz gibt, den Geschmack, leugnet er. Der Idealismus hat Gea 
danken, der consequente Naturalismus ist gedankenlos; dieser hegt keine Neugier nach 
dem Woher und Wohin, auch jener ist nicht eigentlich neugierig, sondern befriedigte 
Neugier, insoferne er sich vermisst, das Ziel erkannt zu haben, nach welchem alles 
Werden drängt, dem zu Liebe alles Gewordene ist. Der Idealismus begnügt sich nicht 
mit der Natur, er erkennt das Recht der freischaffenden Phantasie an und auch den ab- 
soluten Maßstab des Geschmackes. Aber der consequente Idealismus macht die Kunst 
schließlich schematisch, er nimmt den sinnfalligen Erscheinungen das individuelle Leben 
und haucht ihm allgemeine Gedanken ein, die volle runde Realität entschlüpft ihm, er 
sucht die Regel', nicht den besonderen Fall der Anwendung. Der moderne Naturalismus, 
der aber, recht betrachtet, kein consequenter in obigem Sinne ist, ist der Uebertreibungen 
voll, wie jede revolutionäre Bewegung sich stürmisch gegen die Ueberlieferung auflehnt, aber 
man darf seine reformatorische Bedeutung nicht verkennen. Das Verdienst des litterarischen 
Naturalismus liegt in der Bereicherung des Stolfgebietes, das des malerischen Natura- 
lismus, des Impressionismus und der PIein-air-Malerei im Technischen. Zola erinnert 
sich wieder des Taine'schen Satzes: nln der exacten Reproduction besteht das Wesen 
der Kunst nichtr, man fangt wieder an zu wählen (im Gegensatze zum ideologischen 
Naturalismus), man sucht das Wesentliche, Charakteristische (im Gegensatze zum ideolo- 
gischen Idealismus), aus dem skandinavischen Norden ertönt der Ruf nach nein bischen 
Romantik: und es tritt eine neue Lehre auf unter dem Zeichen des nNeu-Idealismusn. 
Worin besteht nun die wahre Aufgabe der Kunst, der höchste kunstmaßige Stil, 
wenn der Naturalismus die Berechtigung der inneren Form und Werthunterschiede über- 
haupt, mit Unrecht, leugnet, der Idealismus hinwiederum im Uebermalie der inneren 
Form das Gegenstandlich-Lebensvolle ertodtet? Die Aufgabe der Kunst besteht in der 
Darstellung des Allgemeinen am Besonderen; es soll das Gesetz, das hinter 
allem Einzelnen steht, an ihm wirksam und lebensvoll aufgewiesen werden. Die Kunst 
kann der Natur nicht entbehren, aber sie kann sie nicht brauchen, wie sie sie ündet. 
Das Einzelne ist gemein; interessant und werthvoll wird es nur, wenn aus ihm ein all- 
gemeines Gesetz hervortritt, wenn es mit einer Mehrzahl in Beziehung gesetzt, von einem 
Dahinterstehenden abgehoben wird, wenn es im Geiste des Genießenden eine Reihe, eine 
ganze Classe verwandter Erscheinungen auftauchen lasst. Die Bedeutung solcher Dar- 
stellung liegt im höheren Werthe der Fülle und Mannigfaltigkeit und Tiefe, welche die 
Natur nirgends bietet. Dieses Allgemeine am Besonderen herausarbeiten heißt aber das 
Typische erfassen. Der wahren Kunst ist das Schone nicht wreines Wasser das nach 
nichts schmeckt: wie WinckelmannJ die Kunst ist nicht Ientbehrliches Vergnügenc, wie 
Lessing behauptet; sie liefert in gewissem Sinne Erkenntnisa und mit Recht hat Goethe 
im Hinblicke auf sie das neue Wort nbedeutendc geschaffen, denn sie hat das Weltganze 
deuten zu helfen. Einen bedeutenden typisch-realistischen Stil zeigt die antike Plastik. 
Michel-Angelo, Rembrandt, Shakespeare, der spätere Goethe. Die Kunst tritt in diesem 
Sinne ergänzend neben die Wissenschaft, sie liefert aber mehr als diese, denn sie hat 
den Makroltosmos im Mikrokosmos zu spiegeln, in ästhetisch werthvoller Form. Sie ist 
aus dem Menschen und für ihn gesehalfen, sie hat in ihr Bereich Alles zu ziehen was 
ihn bewegt; die Kunst muss national sein, sie hat aber auch eine sociale Sendung zu 
erfüllen. Dann wird sie auch wieder, wie in der Antike, Gemeingut des ganzen Volkes sein. 
- Am g. und tz. Februar sprach Director Dr. A. Ilg über :Die Geschichte des 
Baues der kaiserl. Wiener Hofburg seit Fischer v. Erlachu. 
Der Vortragende begann mit einer kurzen Besprechung der ersten Fürstenburg, 
welche vAm Hof: bestand, ungefähr auf der Area zwischen dem Palais der ,Nuntiatur 
und der Bognergasse. Es existiren keinerlei bildliche Darstellungen über die bauliche 
Construction und die Ausschmückung der Innenraume dieser Burg. Mit der Zeit benahmen 
bür erliche Wohn- und industrielle Erzeugungsstatten der Burg nAm Hof: Licht und 
Lut und es entstand für die Fürsten die Nothwendigkelt, aus der Mitte der Stadt an die
	        

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