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Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 101)

Bibliographische Daten

Zeitschrift

Persistenter Identifier:
1355387758001
Titel:
Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie
Herausgeber:
Selbstverlag des k. k. Österr. Museum (später Carl Gerold's Sohn)
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Bestand:
Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie

Zeitschriftenband

Persistenter Identifier:
1359009038893_0001
Titel:
Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX
Bandzählung:
1874 / 101
Dokumenttyp:
Zeitschriftenband
Bestand:
Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie
Erscheinungsjahr:
1874

Artikel

Titel:
Die Aufgaben des hautigen Zeichanunterrichtes.
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Strukturtyp:
Artikel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie
  • Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 101)
  • Dr. K. B. Stark „über Kunst und Kunstwissenschaft auf deutschen Universitäten".
  • Die Aufgaben des hautigen Zeichanunterrichtes.
  • Zweites Verzeichniss von vorkäuflichen Gypsabgüssen.
  • Gypsabgüsse von antiken Sculpturwerken des k. k. Münz- und Antikencabinetes.
  • A. Aegyptische.
  • B. Griechische
  • C. Römische.
  • KLEINERE MITTHEILUNGEN.
  • Fortsetzung des Bibliothekskataloges.
  • XXVI. Ausstellungen.
  • XXVII. Naturwissenschaften.
  • XXVIII. Varia.

Volltext

auf das zarte Geschlecht besonders Rücksicht genommen. DieqLehrerinnen 
sollen noch ästhetisch zarter gebildet sein, alsdie Volksschullehrer. Die 
Composition von Zierformen wird ihnen allerdings nicht aufgebürdet; 
aber schon in der zweiten Classe soll der Zeichenunterricht Rücksicht 
auf Kunstgegenstände nehmen. in der dritten Classe kommt das für 
Damen unvermeidliche Landschaften- und Blumenzeichnen vor. Die 
Methode erscheint am Schluss nur so zu sagen als Krone des Ganzen. 
Man sieht, dass es in allen diesen Fällen um die Sicherheit in den Ele- 
menten des Zeichnens und das Verständniss derselben nicht zu thun war. 
Man opfert diese Sicherheit, die man bei einem guten Unterricht wohl er- 
reichen kann, angeblich ästhetischen Anforderungen, die in der Weise nicht 
zu erreichen sind, im Gegentheilje ästhetisch nur verderben. Zugegeben 
also, [dass es sich in einem grossen Kreise von Schulen beim Zeichen- 
unterrichte um das Erwerben einer Fertigkeit nach einer sicheren Methoe 
in erster Linie handelt, so frägt es sich weiter, 0b man bei einem so gearteten 
Zeichenunterrichte auf die künstlerische und die Geschmacksbildung 
gänzlich verzichten müsse? Und wenn dies letztere nicht der Fall wäre, 
worin das künstlerisch bildende Element im Zeichnen bestehe, und in 
welcher Weise dasselbe zu erreichen wäre? 
b: Vorerst muss die Erfahrung in Erinnerung gebracht werden, dass 
jedes Erwerbenyvon Fertigkeiten in jüngeren Jahren viel leichter und 
sicherer erreicht wird, als in späteren, im Sprachunterricht wie im musi- 
kalischenUnterricht, ebenso wie im Zeichenunterricht. Viel zu einseitig 
wird heutzutage die intellectuelle Bildung betrieben, viel zu sehr das 
Gedächtniss mit Gegenständen beschwert, für welche der Knabe: oder 
Jüngling das entsprechende Fassungsvermögen nicht mitbringt. Die Klagen 
von vielen Directoren von Mittelschulen, dass in der Volksschule selbst 
auf die Erwerbung der Fertigkeit im Schreiben nicht das nöthige Gewicht 
gelegt wird, sind vollständig berechtigt. Viel zu spät wird für das Er- 
werben von Fertigkeit gesorgt, nicht blos beim Unterrichte im Zeichnen, 
V sondern-beider Künstlerbildung überhaupt. Man darf dies als eine Haupt- 
ursache des Verfalles der Künstlertechnik in der modernen Zeit betrachten, 
wenn man dieselbe mit der Kunsttechnik früherer Jahrhunderte vergleicht. 
Früher wurden alle Kunstfertigkeiten, ohne welche einen künstlerischen 
Erfolg zu erreichen unmöglich ist, iniviel jüngeren Lebensjahren erworben, 
als es gegenwärtig der Fall ist. Eine nicht geringe Anzahl von Künstlern 
bleiben aus diesem Grunde ihr ganzes Leben hindurch Versucher, und 
kommen gar nicht zu jener Sicherheit in Anwendung technischer Mitteln, 
welche uns selbst in den Werken der barocken Zeit imponirt, und deren 
Mangel wir bei sehr bedeutenden Künstlern unserer Zeit nicht selten 
vermissen. 
Wenn man daher gegenwärtig beim Zeichenunterricht auf das Er- 
werben von Fertigkeiten in einer dem Lebensalter und dem Unterrichts- 
gange entsprechenden Stufenfolge ein besonderes Gewicht legt, so stellt
	        

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