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Jahrgang 6 (1914) (1)

Bibliographische Daten

Zeitschrift

Persistenter Identifier:
Inter
Titel:
Internationale Sammler-Zeitung
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Bestand:
Internationale Sammler-Zeitung
ISSN:
-

Zeitschriftenband

Persistenter Identifier:
Inter_1914_6_1
Titel:
Jahrgang 6 (1914)
Bandzählung:
1
Erscheinungsort:
Berlin
Herausgeber:
Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien
Dokumenttyp:
Zeitschriftenband
Bestand:
Internationale Sammler-Zeitung
Ausgabenbezeichnung:
[Electronic ed.]

Artikel

Titel:
Eine neue Waffensammlung
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Strukturtyp:
Artikel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Internationale Sammler-Zeitung
  • Jahrgang 6 (1914) (1)
  • Titelseite
  • Der sechste Jahrgang
  • Ein Sammler wird gesucht!
  • Wiener Straßenbilder des Rokoko
  • Der Sammler auf dem Balkan
  • Eine neue Waffensammlung
  • Chronik
  • Ausstellungen
  • Auktionen

Volltext

Seite 10 
Internationale Sammler-Zeitung. 
Nr. 1 
Eine neue Waffensammlung. 
Man schreibt uns aus München: 
In dem den Neuerwerbungen gewidmeten Saale des Na 
tionalmuseums ist jetzt ein Teil der großen G e wefars am m- 
1 u n g untergebracht worden, die dank der Initiative des Kron 
prinzen R u p p r e c h t nach dem Tode des Prinzregenten Luit 
pold als Leihgabe aus der k. Gewehrkammer dem Museum 
überwiesen wurde. Es ist eine Sammlung von einem Umfange 
und einer Qualität, wie sie sicli in Europa nicht oft findet. 
Von den 800 Stücken sind bereits an 100 aufgestellt, und 
zwar haben sie ihren Platz vor dem Schranke gefunden, der 
die drei prachtvollen Schwerter des Oeorgiritterordens birgt, 
die das Großkanzleramt dem Museum als Leihgabe überlassen hat. 
Welche Unsumme feines, auf technischem Können basieren 
des kunstgewerbliches Geschick in Bayern im 17. und 18. Jahrhun 
dert vorhanden war, davon erzählen uns diese Zeremonien 
schwerter. Da zeigt sich vor allem die spezifisch Münchnerische 
Eisenschmiedarbeit, die wohl aus Anfang und Mitte des 17. Jahr 
hunderts herrührt. Aller Zierat ist aus dem Material, aus dem 
Eisen, herausgeschnitten, und der Grund um die erhabenen 
Ornamente und kleinen Figuren mit Gold touchicrt. Hier ist vor 
allem das mittlere Stück, das größte der Schwerter, zu er 
wähnen, dessen Griff vom Münchener Graveur und Eisen 
schneider Sa de ler stammt, wogegen die Klinge dazu wohl 
spanischen Ursprunges ! st. Das Schwert hat einen kleinen, säbel 
artigen Korbgriff, von dem ein kleiner Parierring absteht, wäh 
rend die Parierstange ziemlich lang nach beiden Seiten vor 
greift. Ein hoher starker Knauf krönt das Degengefäß. All diese 
Teile sind mit seltener Liebe mit Figuren eingeschnitten, in Gold 
touchiert, oft ist noch in einzelnen Details der Figuren wieder 
Gold angesetzt. 
Aesthetisch von noch besserer Wirkung ist der obere Teil 
des rechten Schwertes. Ein starker Knauf in länglichem Oval 
ist ganz in Schuppenornament mit Goldlinienfassung geschnitten, 
und diese Schuppen in dunklem Stahl mit Goldstreifenabschluß 
wiederholen sich auf der ganzen korblosen Handhabe, auf den 
elegant und einheitlich geschwungenen Stücken der Stange. Die 
Handhabe selbst, das Mittelglied tragt Längs- und Querorna 
mente. Das dritte Stück ähnelt dem zweiten, ist aber schon 
mehr geschwungen und gekünstelt, indem die Querstange zu 
einem recht langen ürcifkopf und Hals ausgeht, die Körperpartie 
in der Mitte mit dein Federpanzer fällt sehr klein aus. Ebenfalls 
aus dem Besitz des Oeorgiritterordens stammen die drei 
Rüstungen, deren mittlere von Pfeffenhauser (Augsburg) 
um 1580 stammt, glatte, formalschöne Stücke, mit Aetzung und 
üoldtouchieruiig. 
Bedeuten die Schwerter und die Rüstungen nur kostbare 
Proben aus den Arbeiten einer Epoche bayerischen Kunst 
gewerbes, so gibt die Gewehrsammlung aus der kgl. Residenz 
schon in den jetzt aufgestellten Gewehren etwas wie einen Ueber- 
bliek über die Zierstiickc einer größeren Epoche, fast vom Barock 
bis zum Empire, in der Branche der Biichseuspaunerarbeiten. 
Es ist, als hätte man die Stücke aller verschiedenen Länder 
und aller möglichen Ziertechniken hier mit Bewußtsein zu 
sammengetragen. East jedes dieser Gewehre ist eingehender Be 
trachtung wert und scheidet hier auch die Verschiedenheit des 
inneren Baues, Zündung und Feuerung aus. So gibt auch jedes 
Stück fast in seinem Aeußeren Anregung genug in technischer 
und künstlerischer Beziehung. Es handelt sich fast ausschließ 
lich um Jagdwaffen, bei denen für den Besteller und Käufer wohl 
der Preis gar keine Rolle spielte. Der tüchtige Handwerker, der 
die Techniken vollkommen beherrschte, sie nicht nur in der 
heimischen Lehrwerkstätte, auch in fremden Ländern vielleicht 
noch vervollkommnet hat, formt so ein Stück mit allem Raffine 
ment, mit aller Liebe. Er weiß, daß das Gute, der Schmuck, je 
feiner und erlesener, einst geschätzt wird. Und so beginnt er 
mitten in der Arbeit, seine Phantasie mit der Technik Schritt 
halten zu lassen. Es gibt unter den 100 Stücken kaum zwei, 
die gleich sind. Ueberall ist Form, Schmuck und Linie ver 
schieden. 
Um vom Geschmack und der Kostbarkeit der Gewehre 
ein Bild zu gewinnen, sollen sie nach den Details und Schinuck- 
teehniken ihrer einzelnen Teile, des Schaftes, des Schlosses, des 
Rohres betrachtet werden. Da wechselt Münchener Arbeit, zum 
Beispiel von Johann Georg Dax, mit französischer und italieni 
scher Arbeit, und neben größeren Orten finden wir viele ganz 
kleine vertreten, wo Handwerker saßen, die den Ehrennamen 
»Künstler« voll und ganz verdienten. Bei den Schäften findet 
man neben dem ganz glatten Nußbaumschaft, der nur den Schnitt 
iiir den Anschlag hat, solche, die schon Reliefflachschnitzereien 
zeigen. Dann kommen reichere Stücke, wo neben der Holz 
schnitzerei sich kleine Silbereinlcgearbeiten hervorwagen, bald 
tritt dann Elfenbein auf, auch in Verbindung mit Silber und Gold, 
bis wir einem Schaft ganz in Silber begegnen. Dieser ist nicht 
nur reicli graviert, sondern zeigt noch durchbrochene Arbeit. 
Dann sind speziell auch Treibarbeiten da. Die Damenflinten 
haben am Anschlag Samt- und Lederpolsterung. Ein Rokoko 
stück ist ganz mit Schildpatt am Schaft überzogen, ein zweites 
hat im Schildpatt noch Arabesken aus Silber eingelegt. In einem 
anderen Stück ist vertieft in Goid das Porträt Karl Alberts ein 
gelassen, das noch von einer silbernen, mit dem Wappen gra 
vierten Platte umgeben ist. Die Phantasie und die Lust am Orna 
mentalen zeigt sich auch am Schloß. Hier finden wir auch die 
Griffe stilisiert und graviert. In einem Hahn ist zum Beispiel das 
Porträt des Kurfürsten und ganze Szenen vorne am Schloß ein 
graviert. Ein Drachenkopf wieder gibt den Hahn ab, bei anderen 
ist ein Laufpude als Hahn benützt. Viele der Griffe sind in durch 
brochener Arbeit gemacht. 
Auch an den Gewehrläufen läßt sich eine seltene Mannig 
faltigkeit und ein großer Geschmackreichtum finden. Da ist die 
einfachste Form der achteckige Lauf. Aber auch beim glatten 
Stück gibt der Zieler und die Fliege schon Anhaltspunkte zu 
irgendwelcher Schmuckarbeit. Dann kommen runde Läufe, die, 
ganz und gar ornamental behandelt, in Eisen geschnitten und 
goldtouchiert sind. Einige davon sind gebläut, so daß das Gold 
prächtig dazu kontrastiert. Wächst da und dort das Ornament 
aus dem Eisen des Laufes, so finden wir es bei anderen Stücken 
aufgelegt und aufgesetzt, als Flachrelief mit figuralem Schmuck 
und ornamentalen Linien geziert. Da enthält ein Lauf ein 
graviert gleich eine ganze Geschichte, und zwar dürfte die Dar 
stellung mit einem »Verlöbnis« Maria Annas an die Ettaler 
Muttergottes um Kindersegen oder Genesung Zusammenhängen, 
Das Stück stammt von Josef Nies in Mindelheim. Ein anderes 
Stück enthält das fürstbischöfliche Wappen eines S c h ö n b o r n 
Die mit starker Goldornamentik versehenen Stücke, die ganz 
charakteristische Linien zeigen, stammen meist von Parisern 
oder italienischen Handwerkern. Interessant ist auch zu beob 
achten. wie reizvoll auf einigen Stücken der achteckige Lauf in 
die runde Form übergeht, dort Schnittmuster zeigt und dann 
verjüngt wieder achteckig wird, oft auch, um sich später wieder 
rund zu gestalten. Auch orientalische Läufe sind da, echte und 
orientalisierende, wie sie in Solingen damals gerne gemacht 
wurden. 
Zeichen und Namen an den Gewehren weisen meist auf 
die Handwerksmeister hin, von denen sie stammen. Genügt den 
Meistern aus früherer Zeit eine kleine Chiffre, ein diskreter 
Namenszug, so wird er später oft störend groß und deutlich 
angebracht. Immerhin sieht man, daß man seine eigene Kunst 
damals schon zu schätzen wußte und daß die Deckung mit den 
Namen manchen Vorteil brachte für den Verfertiger, aber auch 
für die Arbeit. Mag die Zeit für das kostbare Gewehrprunk- 
stiick auch vorüber sein, aus den Techniken, die dazu angewandt 
wurden, aus dem großen handwerksmeisterlichen Können, wie 
aus dem Standesbewußtsein und künstlerischen Geschmack 
können wir heute noch lernen.
	        

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“Jahrgang 6 (1914).” Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien, n.d. Print.
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