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Jahrgang 12 (1920) (1)

Bibliographische Daten

Zeitschrift

Persistenter Identifier:
Inter
Titel:
Internationale Sammler-Zeitung
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Bestand:
Internationale Sammler-Zeitung
ISSN:
-

Zeitschriftenband

Persistenter Identifier:
Inter_1920_12_1
Titel:
Jahrgang 12 (1920)
Bandzählung:
1
Erscheinungsort:
Berlin
Herausgeber:
Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien
Dokumenttyp:
Zeitschriftenband
Bestand:
Internationale Sammler-Zeitung
Ausgabenbezeichnung:
[Electronic ed.]

Titelseite

Dokumenttyp:
Zeitschrift
Strukturtyp:
Titelseite

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Internationale Sammler-Zeitung
  • Jahrgang 12 (1920) (1)
  • Titelseite
  • Peruanische Altertümer
  • Vom Dorotheum
  • Ein neuer Wiener Kunstsalon
  • Die zweite Schelle-Auktion
  • Chronik
  • Ausstellungen
  • Auktionen

Volltext

Internationale 
Smmter-ZßitmQ 
Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde. 
Herausgeber: Norbert Ehrlich. 
12. Jahrgang. Wien, 1. Jänner 1920. Nr. 1. 
Peruanische Altertümer. 
Von Dr. med. und phil. Walter Lehmann, 
Privatdozent an der 
Wunderbar ist die Sicherheit, die Ornament- und 
Formenfülle, welche das alte Peru im Schoße der 
Erde birgt. Das trockene Küstenklima bewahrt, ähnlich, 
wie Ägypten, in vollkommener Erhaltung herrliche 
Gefäße, reich ausgestattete Mumien, Grabbeigaben 
aller Art, phantastische Federmosaiken, Zierate aus 
Edelmetall, Muschelschalen, Holz aller Art und 
Knochen. Vom Standpunkte des Archäologen sind 
alle diese Dinge von hohem Interesse, da eine Sammlung 
der verschiedenen Stile einen Überblick sowohl über die 
zahlreichen nebeneinander bestehenden Lokalkulturen 
gestattet als auch, die Möglichkeit darbietet, die einzelnen 
Stilarten in ihrem Entwicklungsgänge zu studieren. 
Bisher kann man nur in ganz großen Zügen die 
aufeinanderfolgenden Perioden des peruanischen 
Kulturkreises gliedern. Es ergibt sich namentlich an 
der Küste das Vorhandensein uralter Kultur punkte, 
die von einer gewissen . Zeit an in Berührung treten 
mit dem sehr alten und großartigen Kulturbrenn 
punkt Tiahuanacos. Einer jüngeren Zeit gehören 
die namentlich durch Plastik ausgezeichneten Schöpfun 
gen des andinen Inkastiles an, der eine weite Verbreitung 
gemäß, der wachsenden politischen Macht des Inka 
reiches gefunden hat. 
Die zeitliche Aufeinanderfolge der verschiedenen 
Kulturgeschichten, zu denen auch noch eigenartige 
geritzte Tonscherben aus Muschelhaufen der Küste 
gehören, kann noch keineswegs mit Sicherheit wissen 
schaftlich gegeben werden. Namentlich das Verhältnis 
der altertümlichen Küstenstile zum Hochlandstil von 
Tiahuanaco ist eine der schwierigsten Fragen der 
südamerikanischen Archäologie. Jedenfalls handelt es 
sich hier wohl um Zeiträume von sehr beträchtlichem 
Umfang, wovon geschichtlich, die einander ablösenden 
Dynastien bei Blas Valera eine nur schwache Vor 
stellung zu geben vermögen. Zweifellos sehen wir lange 
vor dem Auftreten der Inkadynastie blühende Kulturen, 
deren künstlerische Erzeugnisse uns in Erstaunen 
setzen. 
Es ist mit Freude zu begrüßen, altperuanische 
Kunstgegenstände aus den wichtigsten Fundplätzen 
Perus den Münchner Kunstliebhabern im freien Handel 
zugänglich gemacht zu sehen. Herr Dr. Weizinger 
hat eine bedeutende altperuanische Sammlung er- 
worbeir und davon einen, ausgewählten Teil in seiner 
Filiale in der Ludwigstraße 5 ausgestellt. Die herrliche 
Sammlung peruanischer Altertümer des Münchner 
Universität München. 
Museums ist zur Zeit in Neuaufstellung begriffen, 
da während des Krieges ihre Räume zu medizinischen 
Zwecken gebraucht werden mußten. Diese große Samm 
lung birgt wahre Schätze und wurde glücklicherweise 
noch, im Frieden zu äußerst günstigen Bedingungen 
erworben. Die Firma Dr. Weizinger & Co. hat in außer 
ordentlich dankenswertem Entgegenkommen einige 
Stücke, die kunstgeschichtliche Lücken der Münchner 
Staatssammlung ausfüllen, dem Museum geschenk- 
weise überlassen. Dafür gebührt ihr viel Anerkennung 
und wärmster Dank. München als Kunststadt darf 
stolz darauf sein, solche Dinge, die bisher ein exklusives 
Dasein in den Museen führten, nun auch ebenbürtig, 
als Gegenstände des Kunsthandels neben ostasiatisch.en, 
antiken und mittelalterlichen, weiteren kauflustigen 
Kreisen näher gerückt zu haben. 
Hier jst künstlerisches Neuland. Niemand kann 
verhehlen, daß unser Kunstgeschmaek im großen und 
ganzen einseitig und begrenzt war. Die Begeisterung 
für ostasiätisch.e und persische Kunst, die seit den 
letzten Jahrzehnten um sich griff, wird das Verständnis 
und den Formensinn auch für das bisher weniger be 
kannte Amerika vorbereitet haben. Es hat einen eigenen 
Zauber, plötzlich vor einer fremden, aber in sich ein 
heitlich geschlossenen Kunstwelt zu stehen. Die Stil- 
losigkeit unserer eigenen westeuropäischen Kultur 
tritt angesichts solch fester Stiltradition, wie sie der 
peruanische Kultur kreis bekundet, mit elementarer 
Wucht in das Bewußtsein. 
Entzückt nimmt man die polychromen, bemalten 
Tongefäße aus N-asca in Augenschein. Vögel, Fische 
und andere Tiere, sonderbare mythologische Gestalten 
fesseln die Aufmerksamkeit. Wunderbar ist, wie hier 
strengster archaischer Stil sich mit naivem Naturalismus 
paart. Dabei ein Farbensinn, der bereits so hoch ent 
wickelt ist, daß er eher an das Ende als an den Anfang 
der alten Küstenkulturen zu. passen scheint. Freilich 
zeigt ein genaueres Studium, daß auch der Nascastil 
seine lange Entwicklungsgeschichte .hat. 
Ganz andere Bilder entrollt die plastische Keramik 
einer späteren Zeit, die teils in schwarzen Gefäßen 
köstliche Tier- und Menschenfiguren neben geometri 
schen Mustern aufweist, teils in überraschend lebens 
wahren beinahe porträtähnlichen Gestalten zu uns 
spricht. Hier ist namentlich C.hicama hervorragend 
vertreten. Ethnographisch hervorzuheben ist eine 
gefäßplastisc.h.e Gruppe in Form, einer weiblichen
	        

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“Jahrgang 12 (1920).” Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien, n.d. Print.
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