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Jahrgang 12 (1920) (14)

Bibliographische Daten

Zeitschrift

Persistenter Identifier:
Inter
Titel:
Internationale Sammler-Zeitung
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Bestand:
Internationale Sammler-Zeitung
ISSN:
-

Zeitschriftenband

Persistenter Identifier:
Inter_1920_12_14
Titel:
Jahrgang 12 (1920)
Bandzählung:
14
Erscheinungsort:
Berlin
Herausgeber:
Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien
Dokumenttyp:
Zeitschriftenband
Bestand:
Internationale Sammler-Zeitung
Ausgabenbezeichnung:
[Electronic ed.]

Titelseite

Dokumenttyp:
Zeitschrift
Strukturtyp:
Titelseite

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Internationale Sammler-Zeitung
  • Jahrgang 12 (1920) (14)
  • Titelseite
  • Max Klinger
  • Autographen
  • Notgeld
  • Chronik
  • Ausstellungen
  • Auktionen

Volltext

Internationale 
Rammler-Reifung 
Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde. 
Herausgeber: Norbert Ehrlich. 
11,11 1 
12. Jahrgang. Wien, 15. Juli 1920. Nr. 14. 
Max Klinger. 
Max Klinger ist nicht mehr. Einem Fürsten im 
Reiche der Kunst hallt das dumpfe .Requiescat!' nach. 
Ist es in erster Linie der Bildhauer, der Schöpfer des 
,,Beethoven“, des „Drama“, der Denkmäler Richard 
Wagners und Brahms, dem die Mitwelt bewundernd 
ihre Kränze flocht, so ist auch dem Radierer und 
Maler die gebührende Anerkennung nicht versagt ge 
blieben. Den unbestrittenen Großmeister der Graphik 
nennt ihn neidlos Hermann Struck, und ein Kunst- 
gelehrter wie Karl Woermann sagt, Klingers Radi er - 
- werk gehört zu den größten Taten der deutschen 
Kunst des neunzehnten Jahrhunderts. Den Folgen, wie 
„Amor und Psyche“, die „Ovidischen Opfer“, die 
„Rettungen ovidischer Opfer“, die „Intermezzi", die 
„Dramen“, „Ein Leben“, „Eine Liebe", „Die Brahms- 
Phantasie“ und die tiefsinnigen Betrachtungen „Vom 
Tode“, habe kein Volk etwas an die Seite zu setzen. 
Sie werden der spätesten Nachwelt die Kunde von dem 
alles umfassenden Gedanken- und Gefühlsleben der 
Kunst unserer Tage übermitteln. 
Von der Wirkung dieser Blätter auf die Kunst 
genossen gibt uns Ludwig Hevesi Kunde, der in seinem 
Buche „Acht Jahre Sezession“ von der Ausstellung 
von Klingers „Amor und Psyche* in Wien, wie folgt, 
berichtet: „Da ist in der Sezession eine Folge von Zeich 
nungen zu „Amor und Psyche", Rand Zeichnungen, 
wie er sie versteht, seine „persönlichen Bemerkungen 
zu den Vorgängen“. Gegenstände der Natur und Kunst, 
Menschen, Statuen, Tiere und dazu alle ihre Schau 
plätze : das Meer mit seiner Bewegung, der Himmel 
mit seinen Lüften, der Wald mit aufsprießendem 
Wachstum und niederschießenden Wassern — das alles 
als Randbemerkung hingekritzelt wie aus dem Steg 
reif des Einfalls, unmittelbar aus dem Handgelenk. 
Die vielgewandten Zeichner der Sezession standen 
dabei, mit doppelt gefaßten Kneifern, und vergrößerten 
sich die friesartigen Kopfbilder, die von Spinnen aus 
ihren zartesten Fäden geklöppelt zu sein scheinen: 
und sie fragten sich: Wie macht er das? Womit ist 
das gezeichnet ? Da sind Blättei, die aussehen, als hätte 
der Künstler ein Blatt gedruckten Text mitten in ein 
großartig komponiertes Bild hineingeklebt. In was 
für ein Bild! Unten unendliches Meer voll Götterlust, 
die sich tummelt, in den Lüften Kinderwesen, geflügelte, 
gotterblütige, die sich im ewigen Spiel überschlagen, 
im Nichts durcheinanderkollern: oben Firmament, 
das sich soffittenartig schließt, sich giebelt, als festes 
Ornament etwas krönt, absehließt: Veluten herum, 
Figuren darauf, Allegorien, Symbole. Und man denke 
sich ein solches Gemälde bloß als Rahmen benützt 
für ein bedrucktes Blatt. Was der Druck bedeckt, 
soll aus der Welt verschwinden; was an den Rändern 
zufällig unbedeckt bleibt, mag als Zierleiste stehen 
bleiben. Ein Abbild der ganzen Götternatur verschwen 
det er als Arabeske . . . 
Wie als Radierer, war Klinger auch als Maler 
ein Meister eigener Art, der eine individuelle Formen - 
spräche mit sattkühlcr Eigenfärbung und, wo es ihm 
gefiel, sogar mit französischem Freilicht zu verbinden 
wußte. Von den großen, reifen Gemälden Klingers 
besitzt die Dresdener Galerie die ergreifende „Pieta“ 
von 1890 und die reizende „Quelle" von 1892, das 
Leipziger Museum die von Beleuchtungswirkungen 
beseelte „Blaue Stunde“, die Moderne Galerie in Wien 
die beiden Riesengemälde, von denen das „Parisurteil" 
die griechische Sage in köstlicher Landschaft mit 
neuem Leben erfüllt, der gestaltenreiche „Christus im 
Olymp“ (1897), aber eine tiefsinnige, wichtige, 
beziehungsreiche Darstellung des Sieges der 
geistigen Macht des Christentums über nie 
körperliche Schönheit des hellenischen Heidentums 
bietet. Klingers packende „Kreuzigung“ (1891 ent 
standen) gehört Herrn Hummel in Triest. Sein großes, 
1909 vollendetes Wandgemälde der Leipziger Uni 
versität aber feiert mit allen Reizmitteln und manchen 
Schwächen der Klingerschen Großmalcrei die welt 
bezwingende Allmacht der altgriechischen Schönheits 
offenbarung. 
Max Klinger, der zu Plagwitz bei Leipzig geboren 
wurde, ist 63 Jahre alt geworden. Er begann im 
Jahre 1874 seine Studien an der Kunstschule in 
Karlsruhe, wo er sich an Gu-sow anschloß, und gieng 
mit diesem 1875 nach Berlin, wo er seine Studien auf 
der Kunstakademie fortsetzte und sich nebnbei auf 
eigene Hand als Radierer ambild'te. 1878 debütierte 
er auf der akademischen Kunstausstellung mit einem 
Ölgemälde „Spaziergänger“ und in einem Radi: rmanier 
ausgeführten Zyklus von acht Federzeichnungen unter 
dem Titel „Ratschläge zu ein r Könkurr nz über das 
Thema Christus“, die später für die N tionalgalerie 
angekauft wurden. 
Klinger lebte in den letzten .Jahren abwechselnd 
in Leipzig und auf seinem G; t/-' Groß-Jena bei Naum 
burg, In Groß-Jena hat er seinen letzten Wunsche 
entsprechend auch seine letzte Ruhestätte gefunden. 
Das Grab liegt auf einem Hügel, der eine weite Um 
schau ins Thüringer Land bietet.
	        

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“Jahrgang 12 (1920).” Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien, n.d. Print.
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