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Jahrgang 22 (1930) (14)

Bibliographische Daten

Zeitschrift

Persistenter Identifier:
Inter
Titel:
Internationale Sammler-Zeitung
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Bestand:
Internationale Sammler-Zeitung
ISSN:
-

Zeitschriftenband

Persistenter Identifier:
Inter_1930_22_14
Titel:
Jahrgang 22 (1930)
Bandzählung:
14
Erscheinungsort:
Berlin
Herausgeber:
Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien
Dokumenttyp:
Zeitschriftenband
Bestand:
Internationale Sammler-Zeitung
Ausgabenbezeichnung:
[Electronic ed.]

Artikel

Titel:
Meine chinesische Sammlung
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Strukturtyp:
Artikel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Internationale Sammler-Zeitung
  • Jahrgang 22 (1930) (14)
  • Titelseite
  • Londoner Versteigerungen
  • Epilog zur ersten Figdor Auktion
  • Conan Doyles Spiritistenmuseum
  • Der fünfte Raffel in Amerika
  • Ein neuer Columbus Fund
  • Handschriften und Inkunabeln
  • Meine chinesische Sammlung
  • Eduard Grützners Nachlass
  • Chronik
  • Ausstellungen
  • Auktionen

Volltext

Nr. 14 
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Seite 165 
Nieine chinesische Sammlung. 
Von Paul Wegener (Berlin], 
Ja, wie bin ich zum „Sammeln“ gekommen? 
Die erste Anregung zu der Beschäftigung mit dem 
fernen Osten hatte ich schon als Student in Frei 
burg - Breisgau, wo mein verehrter Lehrer und spä 
terer Freund Ernst Grosse als junger Privatdozent 
uns die Wunder der japanischen Kultur nahezu 
bringen suchte. Aber die raffinierten Zierlichkeiten 
des japanischen Kunstgewerbes, die damals von 
Paris aus im Brennpunkt des Interesses standen, 
hätten niemals die Macht über mich bekommen, 
ihnen einen Teil meines Lebens zu widmen. Stärker 
schon wirkten altchinesische Bronzen auf mich, die 
Grosse damals durch seinen Freund Hajaschi erwor 
ben hatte, und die heute als Schenkung zum Ange 
denken seiner Adoptivmutter, der Frau Dr. Meier, 
den Hauptbesitz unseres ostasiatischen Museums 
ausmachen. Von der gedrungenen Monumentalität 
dieser Kultgeräte, von ihrer naturhaften Kraft ging 
etwas Geheimnisvolles aus, das mich tief berührte, 
und ich glaube, hier liegt der Keim zu meiner ge 
samten späteren Beschäftigung mit China, Wir 
trieben damals bei Grosse auf dem Seminar Ethno 
logie, „Die Anfänge der Kunst“, Grosses erste 
größere Arbeit, heute noch nicht überholt, und schon 
rein stilistisch ein Meisterwerk, beherrschte die 
Richtung unseres wissenschaftlichen Strebens. Ich 
schwenkte dann sehr bald vom Studium ab, und ging 
zum Theater. Vergeblich stieß Grosse ernste 
Kassandra-Rufe aus, ich war eben nicht zu halten, 
Während der ersten Bühneniahre war an 
Sammeln natürlich nicht zu denken. Später in Ham 
burg ging ich viel in einen Raritätenladen, wo mich 
Negerplastik, lange bevor sie offiziell wurde und 
Kunstrichtungen hervorrief, reizte. Unter den „Mit 
bringseln'' der Matrosen gab es da Chinastücke, und 
hier erwarb ich eine schöne Wurzelschneidearbeit, 
den „Li-Te-Kei“ darstellend, aber das wußte ich da 
mals noch nicht. Dieser groteske Bursche, künst 
lerisch ohne Bedeutung, aber lebensvoll wie heute 
noch chinesische Volkskunst, wurde das erste Stück 
meiner Sammlung, Als es mir anfing finanziell et 
was besser zu gehen, gab ich meiner Vorliebe für 
die scheinbar bizarre Figuralplastik der Chinesen 
mehr und mehr nach. Kein Mensch sammelte zu 
jener Zeit chinesische Plastik in Deutschland, und 
auch ich selber wurde mir dessen gar nicht bewußt, 
daß ich „sammelte“, 
Plötzlich aber hatte ich eine schöne Gesellschaft 
merkwürdiger Gestalten in Holz, Stein, Bronze und 
Kanschitsu beisammen. Es wurde immer schwieriger, 
daß diese Herrschaften unvorgestellt weiter bei mir 
Wohnung haben konnten, und so mußte ich mich, 
um Nam‘ und Art jedes einzelnen auf die Sprünge 
zu kommen,*mit Buddhismus und Taoismus beschäf 
tigen, und aus der Spielerei wurde für mich ein er 
hebliches Stück meiner Lebensarbeit. Man stelle 
sich einmal den umgekehrten Weg vor, Ein Chinese 
würde ohne Kenntnis europäischer Kultur und Ge 
schichte wahllos plastische Gestalten sammeln. Ein 
Fall, der praktisch natürlich undenkbar ist, Was 
kann sich da alles bei ihm zusammenfinden! 
Christus, Gambrinus, Turnvater Jahn, Bismarck, 
Petrus, Rotkäppchen, Lohengrin, ein Gartengnom, 
die Totenmaske B’riedrichs des Großem usw, Wie 
viel Wege müßte er gehen, um dahinter zu kommen, 
aus welcher Region des Lebens all die Figuren 
kämen. Ein geplagter Mann! So habe ich mich 
zwanzig Jahre meines Lebens mit Freuden geplagt, 
Wesen und Art meiner Hausgenossen zu durch 
schauen, Ich habe Beziehungen mit Museumsleuten, 
mit Chinesen, mit Privatgelehrten und Händlern ge 
pflegt, ich habe schrecklich viel Bücher lesen müs 
sen, um heute endlich halbwegs orientiert zu sein. 
Aber ich habe eine Art geistige Heimat gefunden, 
die ich nicht mehr missen möchte, als Gegengewicht 
gegen die lärmende Börsenwelt des Theaters. 
(„Berl. Tageblatt“). 
Cduard Srülzners Nachlass. 
Aus München wird uns geschrieben: 
Die Auktion Grützner bildete den eigentli 
chen Abschluß der Münchener Sommersaison, denn 
was noch folgt, geht nicht über das lokale Interesse 
hinaus. Der Name des großen Künstlers erwies sich 
als Magnet, der Sammler und Kunsthändler aus dem 
Reiche anzog. Sehr zustatten kam der Auktion frei 
lich auch, daß zurzeit viele amerikanische Kunst 
händler in Deutschland weilen, die namentlich für 
die gotischen Objekte Interesse bekundeten. So war 
es denn nur natürlich, daß diese zu besseren Preisen 
abgingen, als es sonst wahrscheinlich der Fall ge 
wesen wäre. 
So hat ein Kirchenfenster in drei Teilen, das 
aus dem deutschen Ordensstift Samter herrührt, 
8000 Mark erzielt, ein anderes Glasgemälde, deutsch, 
Anfang 15, J„ die Verkündigung darstellend, brachte 
2250 Mark, zwei fränkische Stifterscheiben, die einst 
die Pfarrkirche in Schwaz in Tirol schmückten. 
2000 Mark, Unter den gotischen Skulpturen ging das 
Lüsterweibchen aus dem Rathaus von Nabburg auf 
8500 Mark, eine Tiroler Maria, frühes 16, Jahrh., 
brachte 2400 Mark, eine Tiroler Barbara 1200 Mark. 
Für eine schweizerische 9% Meter lange Vertäfe 
lung, Tür und Balkendecke, 15. Jahrh,, aus Schloß 
Münster im Engadin, zahlte man 12.400 Mark, für 
eine 11 Meter lange Vertäfelung aus Schloß Landeck 
in Tirol 5000 Mark, 
Sehr gut gingen auch die Möbel fort. Ein goti 
scher Kirchenstuhl von 1471 (süddeutsch) ging auf 
4000 Mark, ein Südtiroler Schubladenkasten, zweite 
Hälfte 15. Jahrh., 3700 Mark, ein Tiroler Kasten 
tisch um 1500 auf 1900 Mark, 
Im nachstehenden bringen wir die einzelnen 
Preise (in Mark): 
Steinzeug, Fayencen. 
26 Enghalskrug mit Zopfhenkel, Hanau 1. Hälfte 18. J. . 270 
Messing. 
34 Zweiarmiger Leuchter, deutsch um 1500 ...... 300 
35 Desgleichen, süddeutsch, 1. Hälfte 16. Jahrh 300 
37 Hohe Kanne in gotischer Form, süddeutsch, 16. Jahrh. 430 
43 Geschlagenes Becken, Nürnberg um 1520 370 
46 Großes geschlagenes Becken, Nürnberg um 1500 . . . 330 
Eisen, 
58 Gotische Ampel, deutsch, 15. Jahrh . 3300 
60 Gotischer Osterkerzenständer, deutsch, 15. Jahrh, . 2000 
64 Sechsseitige Laterne, deutsch um 1700 380 
65 Wirtshausschild, deutsch, 17. bis 18, Jahrh 400 
73 Dolch, Italien, 16. Jahrh. 290
	        

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“Jahrgang 22 (1930).” Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien, n.d. Print.
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