Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift I (1898 / Heft 2)

man die Schlange, die sich in den Schwanz beisst: das ewige Sinnbild der Ewigkeit.

Man sieht da ferner einen originellen dreitheiligen Wandschirm, dessen Blätter

theils aus Glas, theils aus mattblauer Seide, hinter einem, dem Thürschmuck

entsprechenden Messinggitter, besteht; im oberen Felde befindet sich eine Ledersche

 Kaffeescene in Seide applikirt und theilweise gestickt. Erwähnen wir

schliesslich das massiv in Buchs geschnitzte Schmuckkästchen mit bunten

Bildern auf Ahorn, die hübschen, blaugrün patinirten Büsten Rathauskys auf den

Gestellchen, und die andeutungsweise gegebenen Stimmungsbildchen Konopas

an den Wänden. Wie man sieht, ist da ein richtiges Gesammtkunstwerk, und ein

gar liebenswürdiges und für Wien neues, entstanden. Man darf füglich wünschen,

dass es Nacheiferung wecke.

BIIJDERBOGEN  SCHULE UND HAUS. Seit dem Orbis pictus

des Comenius weiss es jeder Schulmeister, welche Lehrkraft einem Bilde

innewohnt. Aber der Schulmeister unseres Jahrhunderts hat es vergessen oder

an sich selber nicht mehr erfahren, dass ein solches Lehrbild auch ein ästhetischer

Erzieher, also ein sittigender Factor sein kann. Dazu braucht es einfach nur

gut zu sein. Nicht die Fabriksware also, mit der die Kinder- und Schulstube

Generationen hindurch angefüllt war, sondern künstlerisch gestalteter Anschauungsstoff,

 der auch in dem Kinde die verwandten Keime weckt. Der grosse Erfolg

der „Münchener Bilderbogen" beweist am besten, wie unentbehrlich dem Volke

solche Nahrung wird, sobald es nur einmal davon gekostet. Aber jedes Volk

hat seine eigenen Augen, es sieht anders, weil es Anderes sieht und zu sehen

wünscht. Darum war es eine gesunde Idee der Gesellschaft für vervielfältigende

Kunst, den Völkern unserer Monarchie ihre eigenen Bilderbogen geben zu wollen,

in denen ihre Heimat, mit ihren eigenen Augen gesehen, im Vordergrunde steht.

Das Ministerium für Cultus und Unterricht hat auch nicht gezögert, dem naturgemäss

 umfassenden Plane seine thätige Förderung zuzuwenden, namentlich

auch durch Bestellung einer prüfenden und überwachenden Commission von Fachmännern,

 sowie durch Zuweisung des Vertriebes an den k. k. Schulbücherverlag

in Wien. Es sind zunächst etwa 4 50 Bogen in Aussicht genommen, welche Religion,

Natur, Geschichte, Kunst, Volksthum, Cultur, ja auch die Sage der Heimat

behandeln. Sie sollen gleichsam die Cadres aufstellen, welche im Fortgang des

Unternehmens noch auszufüllen sein werden. Bei der Verschiedenartigkeit der

Stoffe macht es sich von selbst, dass die verschiedensten Stilrichtungen in Anwendung

 kommen können. Man ersieht dies schon aus der ersten Serie von

25 Bogen, die mit dem neuesten, wohlgelungenen Bildnis des Kaisers, von

K. Pochwalski, anhebt. Da fihren uns strenge Zeichner, wie F. Jenewein und

A. Hirsch], römische und biblische Scenen vor; Künstler aus der historischen

Sphäre,wie O.Friedrich und J.Benczur, stellen die politischen Schöpfer Österreich-Ungarns,

 Rudolf von Habsburg und Stephan den Heiligen dar, sowie ihre grosse

Erbin, die Kaiserin-Königin Maria Theresia; O. Friedrich und H. Lefler schildern

das heroische Wien der Türkenbelagerung und das gemüthliche des Kaisers Franz;

malerisch begabte Architekten, wie R. Bemt und J. Urban, führen die jugend in

das Burg- und Stadtleben desMittelalters ein, während R. Russ die moderne Wiener

Donau und die Eisenbahnbauten unserer Zeit illustrirt; Phantasien, wie die eines

H. Schwaiger und P. Stachiewicz, sind für Sagenhaftes und Legendarisches aufgeboten;

 und Moderne, wie H. Lefler und K. Moser, gestalten die Märchenwelt
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.