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Full text: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 4 und 5)

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Das Schreibzeug der Erzherzogin Johanna aber ist ein Geschenk 
des Kaisers und der Kaiserin, das lehren die Monogramme und 
Insignien der Scherenblätter. 
Auf der einen Scherenschneide findet sich ein Feuerstein des 
goldenen Vliesses, dann folgt das kaiserliche Monogramm, das grosse, 
das Monogramm durchschneidende „S" gibt sowohl den letztenBuch- 
staben des „Maximilianus" als auch die Bezeichnung für „Secundus", 
auf das Monogramm folgen wieder Insignien des goldenen Vliesses, 
die zwei Feuereisen und der Feuerstein, hierauf das Monogramm 
„M" mit den gekreuzten Schrägbalken. Dieses findet sich auf einer 
Medaille, die Kaiser Karl V. zur Vermählung seiner Tochter Maria 
mit Maximilian II. prägen liessf eine höchst sinnige Beigabe, die an 
die Vermählung der Schenker selbst erinnert. Die Spitze des Scheren- 
blattes füllt ein Zeichen, das vielleicht ein „F" darstellen soll, dann 
ein Hinweis auf Francesco, den Bräutigam wäre, aber auch einen 
missverstandenen Liebesknoten darstellen oder gar nur ornamental 
zur Ausfüllung des Raumes angebracht sein könnte. 
Das zweite Scherenblatt ist ganz ähnlich decorirt, abweichend ist 
nur das kaiserliche Monogramm, das hier „Max" nicht „Maxi- 
milianus" lautet und von zwei verschlungenen Herzen durchkreuzt 
wird. Das nach den Insignien des goldenen Vliesses folgende weitere 
Monogramm ist nicht klar. Ich vermuthe, dass auch hier ein Doppel- 
monogramm des Kaisers und der Kaiserin vorgeschrieben war, dass 
der Künstler hiezu aber nicht den nöthigen Raum fand. Das Mono- 
gramm, das ich hiebei im Auge habe, ist das nachstehende m H, 
wobei der Graveur aus diesem Monogramme höchst ungeschickter 
Weise nur den zwischen den Verticalstrichen befindlichen Theil 
copirte, weil ihm offenbar die Bedeutung dieser acht sich kreuzenden 
Striche nicht bekannt war. 
Die Liebessymbole, der Amor mit Bogen, Pfeil und Köcher, die 
Liebesgötter, die den Löwen bändigen, das in das Monogramm des 
Kaisers gelegte Herz deuten darauf hin, dass das Schreibzeug ein 
Hochzeitsgeschenk des Kaisers und der Kaiserin an Erzherzogin 
Johanna war. 
Es ist erwähnt worden, dass die Erzherzoginnen Barbara und 
Johanna, die gleichzeitig heirateten, auch die gleiche Ausstattung 
erhielten. Glücklicherweise hat sich im Haus-, Hof- und Staatsarchive 
ein Inventar des Silbergeschirres der „Herzogin von Ferrär" vom 
' Abgebildet in Sadelers Symbola divina et humana Tafel 2c, von Typotius auf F01. XIV als 
doppeltes „M", Maximilian und Maria erklärt. 
"K Abgebildet bei Sadeler Tafel a3, Typ. Fol. XIV.
	        

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