MAK

Full text: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 9)

von der Überarbeitung an den 
Aachener Fresken Erholung 
suchte und fand. 
Dass diese Skizzen nicht 
direct nach der Natur ent- 
standen, geht schon daraus her- 
vor, dass Rethel eine frappirend 
scharfe Selbstcaricatur bei- 
fügte (Seite 292). Sie wird, 
wie die anderen, des Abends 
beim Lampenlicht aus der 
Erinnerung gezeichnet sein. 
Rethel liebte das. S0 berichtet 
seine verstorbene Gattin von 
einer drolligen Scene. Im 
Moment der Abreise nach 
Italien war der Kofferschlüssel 
verlegt. Es musste in der Nacht 
ein Schlosser geholt werden, 
der aus einer nahen Kneipe 
sehr schwankend herankam. 
Obwohl Rethel darüber furcht- 
bar erregt war, setzte er sich, 
sobald der Schlosser das Haus 
verlassen, hin, um die ganze 
Situation mit allen assistiren- 
den Personen sofort niederzu- 
zeichnen." Einer besonderen Erläuterung bedürfen auch die Blanken- 
bergher Skizzen kaum. Die drollige Bewegung des Sängers, der sich 
mit ausgestrecktem Bein zum Notenblatt beugt (Seite 293) kehrt auch 
auf anderen Blättern dieser Zeit wieder. Dann sehen wir wieder den 
Künstler selbst, der einsam auf den Dünen lagernd, von dem dicken 
Briefträger überrascht wird, der-eilig und mühsam emporklimmend 
einen Brief von Rethels Braut überbringt (Seite 294). Bewundernswert 
ist der elegante, flotte Strich dieser Zeichnung, aber auch der Ge- 
schmack, mit dem dieselbe zu einem kleinen Bilde abgerundet ist. 
Dass sein Spott auch vor den geheiligten Gestalten der Poesie 
nicht Halt macht, beweist der famose Hamlet, der seine inhaltsschwere 
Schicksalsfrage in possenhafter Gespreiztheit aufwirft (Seite 295). 
 
Die Beichte (Sehillings, Aachen) 
' Abbildung in meinem Aufsatze „Alfred Rethels letzte jahre", Velhagen ü ldasings Monats- 
hefte, Heft ro, N98.
	        
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