MAK

Full text: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 9)

 
Der Licbolbrld (C. Sohn. Dlhleldorf) 
Ausdrücke meist vornehm zurückgehalten, und die Geissel seiner 
Satyre wie im Bilde, so auch im Worte nur selten geschwungen. 
Dennoch lassen sich aus allen Perioden seiner künstlerischen Thätig- 
keit Caricaturen nachweisen. Vielleicht aus der Düsseldorfer Studien- 
zeit stammt eine kleine Tuschzeichnung (bei Herren Schillings, 
Aachen), die das Abenteuer eines jugendlichen Liebhabers darstellt, 
den der heimkehrende Ehegatte in dem Moment überrascht, wo jener 
sich zu nächtlicher Zeit von der ungetreuen Gattin davonstehlen will, 
aber leider die Stufen verfehlt und kopfüber die dunkle Treppe hinab 
gerade in die Hände des getäuschten Gatten fällt. 
Einige Jahre später, noch in Düsseldorf oder schon iniFrankfxxrt 
entstanden ein paar flüchtige launige Skizzen (im Aachener Museum), 
in denen wohl einer der zeitgenössischen Historienmaler, der mit 
zahlreichen Schülern fabriksmässig ein riesiges Historienbild fabricirt, 
verspottet werden soll. Auf einem Fahrstuhl schwebend bearbeitet der 
Meister die Mitte des Bildes; von oben, unten und den Seiten mühen 
sich die Schüler in den kühnsten Situationen, zwei Mann reiben vorne 
die Farbe, die in Kübeln angesetzt wird und leider stürzt noch rechts 
einer vom Gerüste herab, einem Genossen auf den Kopf. Das ganze 
ist auf ein abgerissenes Stück Papier wohl als Illustration, während 
Rethel im Hause Schillings selbst davon erzählte, flüchtig hingeworfen. 
Aber es zeugt davon, dass der Spott über die zeitgenössische Kunst,
	        
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