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Full text: Monatszeitschrift I (1898 / Heft 11 und 12)

ARTHUR STRASSERSP VON LUDWIG 
HEVESI-WIEN S" 
fruchtete er den Boden und ein Ge- 
schlecht von Farbenmenschen erwuchs. 
Farbige Maler und Zeichner, farbige 
Baukünstler, farbige Bildhauer. Unter 
den letzteren steht Arthur Strasser an 
gesonderter Stelle, ein ganz Eigener, in 
seinem Eigensten unerreicht selbst von 
der Plastik des Auslandes. Sein blosser 
Name erweckt den Begriff einer exoti- 
schen, „ethnographisch" angehauchten Gestaltenwelt, einer ungewöhn- 
lich colorirten, patinirten, polychromirten Erscheinungsweise. Der 
decorative Rausch und die Costümfreude jener Camevalszeit der 
Wiener Kunst fuhr bei Strasser zunächst in den gebrannten Thon, in 
den Gips sogar, als gälte es, nur dem Farbendurst des Augenblicks 
zu genügen. Aber der Augenblick wurde nachgerade so schön, dass 
man ihn bald in Bronze und Marmor zu verweilen zwang. Auch die 
kleinen Massstäbe, die nach dem Krach allein verkäuflich waren, 
wuchsen allgemach und der gefällige Kleinplastiker von einst hat sich 
mit seinen letzten Werken zu einem Grossplastiker erster Stärke ent- 
wickelt. So steht der Künstler heute, weithin sichtbar, wie ein leben- 
diges Denkmal der Grosszeit unserer Wiener Farbe da, als der Einzige, 
in dem ihr heroischer Zug naiv und fruchtbar fortlebt. 
Arthur Strasser ist 1854 zu Adelsberg geboren, wo sein Vater bei 
der Tracirung der Südbahn beschäftigt war. Er ist also doch ein 
Wienerkind, obgleich er das Licht der Welt „auf der Strecke" erblickt 
hat. Er kam auf die Realschule in Wien, aber sein Traum war von 
früh auf die Farbe. Er wollte Maler werden, und es war der reine Zu- 
fall, dass er Bildhauer ward. Seine Schwestern gingen mit den Töch- 
tern des Bildhauers Vincenz Pilz in eine Gesangschule und bewogen 
die Mutter des Knaben, ihn zu ihrem Vater zu schicken. Er blieb ein 
Jahr bei Pilz und bezog 1871 die Akademie. Schon 1874 sehen wir 
ihn bei Tilgner arbeiten, der damals seine Werkstatt in der Andreas- 
gasse (Mariahilf) hatte. Der Tod des Vaters hatte ihn bereits zum 
Erhalter einer Familie gemacht. Jedenfalls blieb er an der Akademie 
weniger lang als beim Militär, denn die Unvollständigkeit des erforder- 
lichen Trienniums bedeutete für ihn drei Jahre Truppendienst. Zum 

	        
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