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MAK

Full text : Monatszeitschrift I (1898 / Heft 11 und 12)

betreten, erwähnen wir nur noch, dass die vier Oberlichtlaternen des Daches,

deren Scheibenwände von 45' Neigung das denkbar beste Licht geben und zugleich

 das Liegenbleiben von Schnee, Wasser und Staub unmöglich machen, auf

einer von Olbrich sehr geistreich erfundenen Eisenconstruftion ruhen. Überhaupt

ist das Dach mustergiltig und wird noch vom Ingenieur- und Architektenvereine

zum Gegenstand einer fachlichen Äusserung gemacht werden. Betritt man das

Haus, so gelangt man zunächst in eine Halle, die durch die einspringenden Kanten

der vier Pylonen die Form eines griechischen Kreuzes erhält und eine Rache

Decke hat. Über zwei flachen Bogen rechts und links ölTnen sich Galerien. Das

grünliche Licht, das diesen Raum erfillt, spielt über zwei grosse vergoldete Stuckreliefs

 (von Böhm), deren jedes einen alten, knorrigen, aber jung ausschlagenden

Baumstamm darstellt. Geradeaus hat man die dreitheilige Thüre zum Mittelsaal,

und darüber ein rundes Fenster von 2'5 Meter Durchmesser, das ein von Moser

entworfenes Glasgemälde (von Geyling) von mächtiger Wirkung enthält. Es stellt

die „Kunst" dar, ein prächtiges, blau geflügeltes Weib, in archaischer Gewandung,

mit buntem Edelgestein geschmückt, von gelben Blumen umblüht. Mit gekreuzten

Armen steht sie in der blühenden Wiese, blauen Himmel um sich. Die Umschrift

lautet: „Seine Welt zeigt der Künstler, die Schönheit, die mit ihm geboren wird,

die niemals noch war und niemals mehr sein wird." Schon in dieser Halle und

ihren Nebenräumen erkennt man, dass alle Räume farbig gedacht sind und sich

gegenseitig coloristisch heben. Die Wandbekleidungen, Decken und Fussböden,

die Durchblicke und Beleuchtungen tragen dazu bei. Der Hauptsaal ist vom dahinterliegenden

 Raume durch ein einstweiliges Arrangement von Säulenstümpfen

getrennt. Das Einstweilige gehört überhaupt zu den starken Seiten der Anordnung.

Sie ist in der That so gedacht, dass man Alles im Hause mit Leichtigkeit umordnen

 kann. Die Räume sind so zu verschieben, dass zehn Jahre hinter einander

ganz verschiedene Eintheilungen möglich sind, und zwar nach Belieben mit

Oberlicht oder Seitenlicht. Diese Neuerung ist ein glänzender Erfolg des Grundsatzes,

 dass der Zweck der Vater des Werkes sein muss. Das Licht der Schausäle

ist natürlich tadellos. Dabei enthält das Haus noch zahlreiche Nebenräume, die

alle auf das praktischeste eingerichtet sind. So im Souterrain die geistreich ausgestattete

 Redaction von „Ver Sacrum", eine photographische Dunkelkammer

nebst Entwicklungsraum, Depots für Bilder, Packräume, Dienerräume, die Heizanlage.

 Gasheizung und elektrisches Licht sind selbstverständlich. Im Obergeschoss

 befinden sich gleichfalls grosse Räume für Sitzungen, Ateliers u. s. w.

Ungemein gediegen und „persönlich" ist das mannigfache Detail an Holz- und

Metallwerk im ganzen Hause. Die Thüren z. B. sind moderne Meisterwerke, von

einem reizenden Klopfer (Gurschner) angefangen bis zum Schild des Schlüsselloches.

 Grün gebeiztes Holz, kleine, zum Theil facetüerte Scheiben, durchlaufende

schlanke Blumenstengel aus Kupfer spielen da eine grosse Rolle. In Tapeten,

Vorhängen, Teppichen ergeht sich die moderne Phantasie nach Belieben. So ist

das Secessionshaus unstreitig ein Bau von hohem künstlerischem Interesse, der

in Wien einzig dasteht. Es wird in der Wiener Baugeschichte denkwürdig bleiben.

IE AUSSTELLUNG DER SECESSION. Die erste Ausstellung der

Secession im eigenen Hause hat die Fortsetzung des Erfolges, den der erste

Ausstellungsversuch im Frühjahr bei Kritik und Publikum davontrug. Die Grund-52'


            
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