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Full text: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 3)

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COTUS SCOTORUM hat ein Essayist 
Sir Henry Raeburn genannt. Ein Schotte, 
der nur Schotten in Schottland gemalt hat. 
Sein Ruhm ist denn auch lange mehr local 
geblieben. Und doch ist er dem Besten 
seiner Zeit zum mindesten ebenbürtig 
gewesen. Die Begrenzung seiner Kunst- 
übung hat ihn eine Originalität bewahren 
lassen, welche ihm eine Sonderstellung 
unter den grossen englischen Bildnis- 
malern um die Wende des XVIII. und XIX. Jahrhunderts einräumt. 
Seine Bildnisse haben vielleicht nicht die anziehende Sentimentalität 
Romneys oder das Reizvolle Gainsboroughs, er ist auch nie gleich 
diesen der Abgott künstlerischer Mode geworden. Er ist aber auch 
frei geblieben von der Schablone, welche manchen Werken Reynolds, 
und von der Pose, welche den späteren Bildnissen Lawrences eigen 
ist. In der Wahrheit, Geradheit, 
dem Ernst seiner Auffassung 
und Darstellung ist er unerreicht 
gewesen und wohl auch ge- 
blieben. So kann Raeburns Werk 
der Spiegel einiger dreissigjahre 
nationalen Lebens in Schott- 
land genannt werden. Ein 
Werk so gesund und kräftig 
wie die Menschen, die er dar- 
gestellt hat. 
Schottland und die schotti- 
sche Gesellschaft befand sich 
zu Ende des XVIII. Jahrhunderts 
in einem eigenthümlichen Zu- 
stande. Die Union hatte zwar die 
politische Vereinigung Schott- 
lands mit England ausgespro- 
chen, aber das Land war noch 
lange nicht anglisirt. Edinburgh 
war der Mittelpunkt selbstän- 
digen geistigen und künstle- 
 
Sir Henry Raeburn, Selbstporträt, Eigenthum des 
Lord Tweedmcuth
	        
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