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MAK

Full text : Monatszeitschrift II (1899 / Heft 4)

„Schubert" fertig, als Gegenstück zur vorjährigen „Musik", beide für Nikolaus

Dumbas Musikzimmer. Der Componist sitzt am Clavier, einige schöne „Alt-Wiener"

 Mädchen singen zu seinem Spiele. Röthlicher Dunst von Wachskerzen

 wogt im Gemache, daraus tauchen die Figuren wie ein hübscher Spuk

hervor, die eine im buntgeblümten Kleidchen, die andere in Roth, die dritte

in Weiss, dazu ein Herr in Schwarz. Im Spiegel blitzen die Kerzenfiammen

wider, am Goldrahmen zuckt das Licht entlang, hinten ist ein Durchblick, in

dessen Helle sich auch etwas Figürliches bewegt. Es ist ein Vibriren von

alledem, dass man die Luft voll Musik zu sehen glaubt. Aber das Profil Schuberts

ist fest und sauber hingesetzt, und es ist dem Maler gelungen, in der hausbackenen

Form die Anmuth der Seele erkennen zu lassen. Die lockere Malweise und

der helle Gesarnmtton geben dem Bilde viel decorativen Wert für ein Zimmer,

wo Mahagonibraun und Empiregold herrschen. Karl Moll bringt ausser zwei

inhaltreichen Interieurs aus der Danziger Marienkirche ein grosses Bild: „Vor

dem Diner", wo alle Eleganzen einer reich gedeckten und mit gelben Blumen

geschmückten Tafel in zweierlei Licht virtuos detaillirt sind. Das Bild war sofort

verkauft. Rudolf Bachers grosses Gemälde: „Domine quo vadis?", Christus

und Petrus auf der Via Appia in nebelblauem Morgenlicht, ist eine kraftvolle

Aufraffung. Die Charakteristik und Durchbildung der beiden Figuren und der

Schauer, der von der landschaftlichen Stimmung ausgeht, sichern dem Bilde eine

grosse Wirkung. Eugen Jettel hat in einer neuen Folge von Landschaften sich

sehr gesteigert, Wilhelm Bernatzik bringt eine neue Variante seiner grünen

Wasserlandschaft des vorigen Jahres, Hans Schwaiger eine Aquarell-Replik seiner

grossen „Vlamisch Straat" in Brügge, die bei Miethke in Tempera zu sehen war.

Maximilian Lenz nimmt mit einer poetisch-malerischen Frühlingsvision, die

sofort ihren Käufer fand, einen bemerkenswerten Aufschwung. Otto Friedrich,

A. Nowak, l-lohenberger, Kurzweil sind nicht zu übersehen. Ein junger Wiener,

Ferdinand Andri, hat mit einer Folge von Studien in verschiedenen Manieren

sehr durchgeschlagen, er ist von jetzt an ein Name. Auch der Pressburger

Ferdinand Dorsch mit seinem tiefgestimmten Triptychon: „Ein deutsches Lied"

fällt zum erstenmale auf. Der Prager Orlik erregt durch eine Anzahl etwas

düsterer, aber malerischer Aquarelle aus Schottland Aufmerksamkeit. Myrbach

setzt seine algraphische Thätigkeit mit wachsendem Erfolge fort; ein männliches

Porträt in Lampenlicht hat die feinsten Halbtöne und eine Scene von stürmenden

Soldaten schneidige Bewegung. Mehrere Marmorbüsten der Wiener Russin

Therese F. Ries zeigen ein Talent, das sich nicht recht sammeln und vertiefen

will. Oberbaurath Otto Wagner hat den geschmackvollen Entwurf zur Jubeladresse

der Akademie der bildenden Künste und sein Project für die Regulirung des Franz

Joseph-Quais ausgestellt. Auch das Ausland hat sehr interessant ausgestellt.

Manche der ersten Meister (Thaulow, Besnard, de la Gandara, RaiTaelli, Kroyer u. A.)

sind schon förmlich Stammgäste der Secession. Wir können aus der Menge nur

Weniges hervorheben. Aufsehen erregt G. Kuehl mit einer ganzen Reihe musterhafter

 Bilder, darunter mehreren Dresdener Ansichten, dem „rothen Zimmer" aus

seinem eigenen Heim und einem köstlichen Vorzimmer, in dem ein grüner Koffer

von einem Lichtstrahl gestreift wird. Der junge Genter Albert Baertsoen ist tiir

Wien neu, hat aber sofort eingeschlagen. Seine dörflichen Motive sind mit entzückender

 Feinheit und Wahrheit, dabei mit einer meisterlichen Breite des Vortrags

gegeben. Neu für Wien ist auch der Pariser Guillaume Roger, dessen elegante
            
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