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Full text: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 6)

haben schliesslich das Richtigere getroffen. Zur Ausführung des Denkmals war 
Professor Caspar von Zumbusch ausersehen. Unter allen Wiener Plastikern 
treffen die Voraussetzungen für eine Arbeit dieser Art bei ihm am besten zu. 
Er ist gewissermassen in einer historisch-politischen Denkart aufgewachsen, 
wie sie ja auch der historischen Malerei um die Mitte unseres Jahrhunderts ent- 
sprach. Es ist das Jahrhundert Rankes und Walter Scotts. Vorn historischen 
Roman bis zur historischen Landschaft, der geschriebenen eines Gregorovius 
wie der gemalten eines Preller, geht die Spur von Klios Hand. Diese Muse hat 
denn auch die Plastik inspirirt. Niemals hat man so viele historische Denkmäler 
errichtet, als in unserer Zeit, und zwar schon aus dem Grunde, weil wir so viel 
nachzuholen hatten. Wir sind auf eine denkmalscheue Zeit gefolgt, deren Ehren- 
schulden wir nach und nach abtragen mussten, bis wir nun endlich die Hände 
frei haben auch für dahingegangene Zeitgenossen. Unkünstlerische Zeiten haben 
gelegentlich von einer „Denkmalpesw gesprochen, wie sie nicht minder gegen 
das „Illustrationsunwesen" deklamirt haben. Aber der normale Zustand, der ja 
nun wiederkehrt, muss dem Menschen auch Stoff bieten für seine Freude am Bilde, 
die zu seinen ewigen Instincten gehört. Allerdings soll der Stoß" so gut als 
möglich sein. Zumbusch besitzt alle Eigenschaften für grosse historische Plastik. 
Den Ernst der Auffassung und den sachlichen Realismus des modernen Geschicht- 
schreibers, die Besonnenheit eines vielerfahrenen Technikers und auch das 
ruhige, sichere Temperament, um selbstverständliche Rücksichten jeder Art und 
praktische Möglichkeiten mit dem künstlerisch Wünscheswerten in Harmonie zu 
bringen. Diese grosse Summe von Eignung ist an seinem Maria Theresia-Denk- 
mal glänzend bewährt, einem Bildnerwerk, worin der von Rauch im Friedrichs- 
Denkmal aufgestellte Typus eines umfassenden Epochendenkmals bis in seine 
letzten Folgerungen ausgestaltet ist. Der Radetzky und der Erzherzog Albrecht 
sind Ableger dieses Werkes, indem jener an die ganz ruhig stehende Reiteriigur 
des Feldmarschalls Grafen Traun, das Albrechts-Denkmal aber an die anderen 
drei berittenen Feldherren anknüpft, deren Pferde einen Vorderfuss heben. Das 
Albrecht-Denkmal ist u Meter hoch, wovon 5 Meter 8o Centimeter auf die Reiter- 
statue kommen. Der Sockelbau ist in prächtigem dunkelgrauem Granit aus den 
Konopischter Brüchen des Erzherzogs Franz Ferdinand ausgeführt. Über einer 
Blockstufe und drei Estradenstufen von elliptischem Grundriss erhebt sich 
der viereckige Sockelkörper, dessen Schmalseiten sich halbrund auswölben, 
während die Langseiten sanft geschweifte Flächen zeigen. Zwei horizontale 
Streifen von Laubornament in Bronze bewirken die Übergänge der Sockelglieder; 
über der Basis ist es Eichenlaub, unter dem Gesimse ein anderes Blättermotiv. 
Dazwischen verbindet ein Mäander drei Inschrifttafeln, deren Detail von Pro- 
fessor Karl König herrührt. Sie sind mit Voluten und Palmen geschmückt. Die 
vordere, von zwei schwebenden Siegesgöttinnen gehalten und von einem behelmten 
Minervakopf überragt, trägt die Inschrift: „Feldmarschall Erzherzog Albrecht von 
Österreich x8x7 - 1895." Auf der Tafel rechts liest man: „Dem Allerhöchsten 
Kriegsherrn Seiner Majestät dem Kaiser und König Franz Joseph I. zum 2. Decem- 
ber 1898 Österreich-Ungarns bewaffnete Macht", auf der Tafel links: „in dank- 
barer Erinnerung an den siegreichen Feldherrn und väterlichen Führer". Der Erz- 
herzog ist etwa sechzigjährig in voller Stattlichkeit dargestellt, das bärtige Antlitz 
etwas nach links gewendet. Persönliche Bekanntschaft mit seiner Erscheinung 
und gute Photographien haben dem Künstler zu tadelloser Porträtähnlichkeit
	        

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