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Full text: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 7)

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EINIGES ÜBER EIGENHEITEN DER 
MODERNEN ENGLISCHEN HERALDIKSP 
VON H. G. STROHL-MODLINGSIP ' 
IE Kunst der alten Herolde wird trotz ihrer 
vielseitigen und mannigfaltigen Verwer- 
tung namentlich auf kunstgewerblichem 
Gebiete von unserer modernen Künstler- 
welt im allgemeinen recht stiefmütterlich 
behandelt. Sie wird zwar so viel als thunlich 
ausgenützt, zum Dank dafür aber in 
aller Gemütsruhe durch stilistische und 
historische Sottisen beleidigt, so dass sich 
die Arme, wäre sie nicht so eine alte, 
wetterfeste Kraftnatur, schon längst aus 
Überdruss über dieses sinnlose Gethue zu ihren in Stahl und Eisen 
ruhenden Vätern zurückgezogen hätte. Leute, die nie es wert gefunden 
haben, ihr nur einige wenige Stunden zu widmen, sprechen ihr kurz- 
weg die Existenzberechtigung ab, erklären, sie sei unfähig, sich weiter 
zu entwickeln, und dadurch von vorne herein eine zukunftslose und 
daher für jeden Künstler wertlose Disciplin. Gemach, Ihr lieben 
Herren, gemach! Nur nicht so vorschnell abgeurtheilt über ein Ding, 
das man sich noch nie näher besehen hat. 
Gehört die heraldische Kunst ihrer Natur gemäss auch zu den 
Conservativen, sehr langsam Vorschreitenden, so hat sie doch, wie 
ihre Geschichte lehrt, schon manchen Sturm siegreich überstanden 
und ist aus den letzten Jahren des Romanischen in die Zeit der Früh- 
gothik und weiter bis in das Rococo gewandert, ohne sich zu verlieren. 
Rococo und Empire haben ihr allerdings hart zugesetzt; aber sie 
lieferte auch hier den Beweis, dass sie nicht so leicht umzubringen 
sei und eine überaus starke Lebenskraft besitze. So wird sie auch 
unsere „Moderne" überstehen und, wenn mit genügendem Verständ- 
nisse behandelt, sich ihr auch anzubequemen wissen zu beider Nutz 
und Frommen. 
Die Wappenkunst, über deren Ursprung die Fachgelehrten 
noch nicht das letzte Wort gesprochen haben - hie vor, hie nach 
den Kreuzzügen! sind die Schlachtrufe in diesem Streite - entwickelte 
sich in den alten Culturstaaten Europas in verschiedener Weise, 
wenn auch der Grundtypus stets derselbe blieb, aber das nationale 
Element gab den Produnften dieser Kunstthätigkeit ein eigenes Colorit 
und es bildeten sich Eigenheiten aus, die sich allmählich durch ihr 

	        
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