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Full text: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 7)

mit rein gothischer Ornamentik, solche mit Zierweisen der Renaissance 
und endlich solche, die sich an eine dieser beiden Arten anlehnen, 
aber ersichtlich spätere Umformungen, verdorbene Wiedergaben 
sind. Die letzteren sind, weil spät- 
zeitlich und zum Theil bis ins XVIII. 
und XIX. Jahrhundert hinaufreichend, 
noch häufig - die ersteren natürlich 
relativ selten. 
Die gothischen Schalllochoma- 
mente erinnern lebhaft an die Fen- 
sterrosetten unserer gothischen 
Dome - diese könnten ersteren, 
jene den anderen Vorbilder abgeben 
- möglich, dass beide Theile aus 
gleichen Quellen schöpften. Gewöhn- 
lich ist das Fischblasenornament 
zur Anwendung gelangt - in viel- 
fältigster und erfindungsreichster 
Wiedergabe. Zwei vorzügliche Beispiele bieten unsere Abbildungen 
Fig. r und 2, deren erstere aus zwei Lagen Holz besteht, daran 
die untere die Auszackungen bildet, die obere das Ornamentgerippe 
kennzeichnet und durch Linien eingedrückter Punkte belebt ist. 
Wesentlich complicirter ist Fig. 2 mit gothischem Sechspass, in 
welchen gothische Fischblasen, in diese selbst abermals kleinere 
solche eingelegt sind. Die durch die Rose und die Peripherieborte 
gebildeten Dreieckfelder sind mit (einst) roth gefärbtem Pergament 
unterlegt, darauf aus Holz geschnittene stilisirte gothische Klee- 
blättchen aufgeklebt sind. Das Mittelstück der Rosette bildet ein 
sechszackiger Stern, der vertieft gelegt und durch zierliches gothisches 
Omamentwerk geschmückt ist. 
Wie sich die Gothik im Handwerk einzelner Gegenden besonders 
lange erhalten hat - ich erinnere nur an die Tiroler Bauerngothik 
und an den nordischen Kerbschnitt - so hat sie sich auch bei den 
Lautenmachem lange noch forterhalten, als in anderen Gegenden 
und in anderen Künsten längst neue Kunstformen zum Durchbruch 
gelangt waren. jahrhundertelang hat man jene Lauteneinlagen in 
altgewohnterWeise weiter gothischverziert. Das mag davon abhängen, 
dass einerseits diese Zierweise gerade für diese Schalllochornamente 
sich vorzüglich eignete, anderseits aber darauf zurückzuführen sein, 
dass die Fabrication der Musikinstrumente sich in den Familien 
traditionell fortvererbte und mit dem Gewerbe vom Vater auf den 

	        
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