MAK

Full text: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 1)

Neben diesen Bildhauern sind es Medailleure von Beruf die zum 
Fortschritte ihrer Kunst beitragen. Da ist vor Allen Oudine, dem man 
die Silbermünze der zweiten Republik verdankt, die von der dritten 
wieder aufgenommen und 
bis in die jüngste Zeit bei- 
behalten wurde. Keine 
Anleitung ist hinsichtlich 
der Bedeutsamkeit ihrer 
Ergebnisse mit jener zu 
vergleichen, die er durch 
vierzig Jahre verbreitete. 
  
Die neue französische Silber- Giberl, Medaillen von Chapu 
münze, von O. Roty 
Alle Versuche seiner Vorgänger nimmt er wieder auf, verfolgt sie und 
fasst sie zusammen. Er vollendet die Befreiung der bislang nur der 
Reproducftion dienstbar gewesenen Kunst der Medaille. Nachdem er 
sich nacheinander von der Antike, vom neugriechischen Stil, von 
Ingres beeinflussen lässt, zeigt er sich dennoch als ein offener, 
umfassender Kopf, der zum Schlusse die moderne Art annimmt und 
zum Glanze der durch ihn vorbereiteten und durch seine Schüler 
verwirklichten Restauration beiträgt. 
Einem dieser Schüler, Ponscarme, verdankt man in der That 
jene Erfindung, die eine Umwälzung in der modernen Glyptik 
hervorbringt. Bis dahin war es üblich, dass sich die Composition von 
dem spiegelblanken Felde der Medaille hart und ohne jegliche 
Verbindung abhob. Ponscarme hatte bei seiner nunmehr historisch 
gewordenen Medaille auf Naudet den glücklichen Gedanken, eines mit 
dem andern durch eine weiche und zarte Modellirung zu verbinden, 
beides durch einen gemeinsamen Überzug in einem gleichmässigen 
matten Ton zu verschmelzen, und schuf so in der Glyptik mit einem- 
male Luft und Farbe; weiters befreite er sich von dem zwecklos 
angebrachten Leistchen und ersetzte die charakterlosen Druckbuch- 
45.1
	        
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