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MAK

Full text : Monatszeitschrift II (1899 / Heft 2)

durch drei Geschosse gehenden Pilaster, die aus Sandstein zierlich

gebildeten Fensterbekrönungen und die grandiose Einfahrt selbst

erinnern an römische oder oberitalienische Paläste.

In der That, dieses Portal würde jedem Fürstenpalaste zur Zierde

dienen. Gurlitt nennt es in seiner Geschichte des Barockstiles „ein

Meisterstück decorativen Könnens, ganz dem eigenartigen Geiste

Prandauers entsprechend". Reich an Motiven ist es voll Ebenmass

im Aufbaue, der kühne Gedanke, den unteren Balkon mit einem

zweiten darüber zu verbiriden, glücklich gelöst und dadurch, dass

alles geschickt zu einem Ganzen verbunden ist, der Charakter des

Grossartigen und Majestätischen hervorgebracht. Carlone hat gewiss

einen Einfluss auf die Conception gehabt. Im Februar 1708

bestellte er noch Pfeiler und Säulen zum Portale, aber noch im

selben Jahre wölbte sich das Grab über den in der Baugeschichte

Oberösterreichs unvergänglich lebenden Italiener. Durch Contract

vom 11. October 1708 trat ein neuer schöpferischer Bauleiter

auf den Plan, der Tiroler Jakob Prandauer zu St. Pölten, welchem

seit 1702 der Bau der Kirche und des Stiftes Melk übertragen war.

Das von Carlone entworfene Portal genügte offenbar dem durch

langen Aufenthalt in Rom an Grosses gewöhnten Prälßaten Claudius

Kröll nicht mehr. Es wurde ein neuer Riss gemacht, der späterhin

durch die Bildhauer Bianco und Sattler noch einige Abänderungen

erfuhr. Giovanni Bianco, gestorben 1722 in St. Florian, war ein Glied

der kleinen italienischen Colonie, welche schon 1683 der Bildhauer

Colomba nach Florian gebracht hatte. Er war vor allem Architekturbildhauer.

 Aus seiner Steinmetzhütte giengen die vielen Capitäle, Vasen

und Zieraten hervor, welche die Westfront schmücken. Alle Architekturstücke

 des Portales waren seine Arbeiten, ebenso vier Marmoraltäre

der Kirche. Alles Figürliche aber an dem Prunkthore ist von dem

kunstreichen Leonardus Sattler, einem Bürgerssohne von Altstetten

im Allgäu, der im Jahre 1711 nach St. Florian gekommen war. Er

muss gute Empfehlungen mitgebracht haben, denn in diesem Jahre

noch erhält er vom Propste den Auftrag, nach Eggenburg (Viertel

ober dem Manhartsberg) zu reisen und die für das Prachtthor passenden

Steine dort zu kaufen. In anderthalb Jahren, 1713, war es hergestellt.

 Ein mit so vielen Figuren, grossen Vasen und Ornamenten

versehenes monumentales Werk konnte natürlich nur mit Beihilfe

vieler geschickter Gesellen ausgeführt werden. St. Florian hatte jetzt

eine zweite Bildhauerhütte. Sein Ruf war nun gegründet.

Die Thoröffnung wird seitlich von gekuppelten Wandpfeilem mit

jonischen Capitälen begleitet und im Curvenbogen abgeschlossen. Vor
            
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