MAK
Seite 262 
Internationale Sammler-Zeitung 
N T r. 24 
König Sigismund HL als Maler. 
Es ist nicht unbekannt, daß Sigismund III., König 
von Schweden und Polen, mit Erfolg die Malkunst 
ausgeübt hat. Nun hat Dr. Olof Granberg im National 
museum in Stockholm ein bemerkenswertes Gemälde 
entdeckt, das unzweifelhaft von der Hand Sigis 
munds herührt. 
Es ist eine Guasch auf Pergament , 176 mm hoch 
und 133 nun breit, die eine allegorische Darstellung 
der christlichen Religion enthält. Auf einem (unsicht 
baren) Thron, vor einer von zwei Marmorsäulen ein 
gefaßten Nische, sitzt ein junges Weib mit rötlichem 
Haar, gekleidet in ein weißes Gewand, das die Unter 
arme freiläßt, und ein blaues Überkleid. Über den 
Knien liegt ein goldbraunes Tuch. Das Haupt ist von 
einem Heiligenschein umgeben, über dem die Taube 
schwebt. Der linke Arm des Weibes ist ausgestreckt, 
und in der gesenkten rechten Hand hält sie einen Lor 
beerzweig. Zu ihrer Tunken sitzt ein kleiner Engel mit 
einem aufgeschlagenen Folianten, in dem man aus 
Jesus Sirach liest: „Gottes Wort ist der Weisheit 
Quelle." Rechts von ihr kniet ein anderer Engel mit 
einem Zepter in der rechten und einer Krone in der 
linken Hand. In einer Nische ganz links steht ein lor 
beerbekränztes Stundenglas, und ganz rechts sieht man 
einen Totenschädel und einen Handspiegel. Unter dem 
Bild des jungen Weibes ist groß das königlich polnische 
Wappenschild mit dem Wappen der Vasa in der Mitte 
angebracht, zu dessen beiden Seiten man einen Engel 
mit einem Lamm am Bande sieht. Darunter, zwischen 
den Ziffern 16 und 16 (Jahreszahl 1616), steht in 
goldenem Text ein von der polnischen Königskrone 
gekröntes S, das nur Sigismund bedeuten kann und 
in der zweiten Reihe, ebenfalls in Gold „MNDFC“. 
Der Finder deutet die Inschrift als S(igis) MuNDus 
FeCit und meint, die allein dastehenden großen Buch 
staben ständen für die entsprechenden, römischen 
Zahlen der Jahreszahl. 
„Das Bild ist", so sagt Dr. Granberg, „in einem von 
den zeitgenössischen flämischen Künstlern beein 
flußten Stil so schön komponiert, so'sicher und elegant 
gezeichnet und so gut in der Farbe, daß es den schwe 
disch-polnischen König nicht als tastenden Amateur, 
sondern als wohlgeschulten Künstler zeigt.“ 
Chronik. 
AUTOGRAPHEN. 
(Die Sammlung der Grafen von Prokesch-Osten.) 
Die Sammlung der Grafen Prokesch-Osten, die bei Henrich 
in Berlin zur Versteigerung gelangt, zeichnet sich durch eine 
Fülle von historisch bemerkenswerten Autographen aus. 
Besonders hervorzuheben wären die Briefe Bismarcks a,n 
den älteren Grafen, der bekanntlich Bundestagsgesandter 
in Frankfurt war. Von der Korrespondenz berühmter Zeit 
genossen mit Friedrich von Gentz liegen zirka 170 Briefe vor, 
die über das politische wie private Leben dieses nicht nur 
für Österreich, sondern auch uür die Gestaltung Europas 
bedeutsamen Mannes interessante Aufschlüsse geben. Die 
„Abteilung Musik, Bildende und Darstellende Kunst" ver 
einigt so ziemlich alle Namen, <lic im vorigen Jahrhundert 
auf diesen Gebieten glänzten. Es finden sich darunter auch ein 
für die Lebensgeschichte Beethovens hochwichtiges Manu 
skript aus der Zeit, da die Gefahr bestand, den Meister nach 
Kassel, dem Sitz des Königs Jeröme von Westfalen, über 
siedeln zu sehen, ferner zwei Briefe Beethovens an Jenger 
und Karl Holz. Mozart ist durch eine Musikhandschrift 
(Menuet 3 to für Blas- nnd Saiteninstrumente) sowie durch 
einen Brief an seinen Väter, Schubert durch einen Brief 
an, Jenger vertreten. Von Goethe verzeichnet der Katalog, 
der 900 Nummern enthält, ungedruckte Briefe an Johann 
Buff und Gentz. 
(Die Versteigerung bei Liepmannssohn.) Unter 
überaus zahlreicher Beteiligung von Sammlern und Kunst 
händlern hat am 2. und 3. Dezember die von uns angekündigte 
Autographenversteigerung bei Leo Liepmannssohn in 
Berlin stattgefunden. Wien war durch die Buchhändler 
Otto'Erich. Deut sch (Seidlsche Buchhandlung) und Dr. Ignaz 
Schwarz vertreten, welche sich durch die große Anzahl der 
Erwerbungen bemerkbar machten. Die Hauptstücke der 
Sammlung wurden von Dr. Schwarz teils für sein eigenes 
Lager, teils im Aufträge eines, ausländischen Sammlers er 
standen. Es gehören dazu die Sonate Nr. 3 von Mozart, die 
Partitur der dreiaktigen Oper „Rudolf, der deutsche' Herr" 
von Karl Loewe, die Briefe der „unsterblichen Geliebten“ 
Beethovens, Gräfin Therese von Brunswick, der Entwurf 
zur Ballade der Senta von Richard Wagner und andere. 
Die wichtigsten Preise sind: Musiker. Nr. 5, Al 
brechtsberger, Canon, Mk. 650; Nr. 11, Beethoven, 
Brief an Mechetti, Mk. 1520; Nr. 12, Gräfin Brunswick, 
Brief, Mk. 1650; Nr. 13, Desgl., Mk. 1300; Nr. 14, Graf Bruns 
wick, Brief, Mk. 550; Nr. 15, Gräfin Deym, Brief, Mk. 400; 
Nr. 24, Brahms, Albumblatt, Mk. 4100; Nr. 25, Ders., Brief, 
Mk. 3600; Nr. 29, Desgl., Mk. 1100; Nr. 32, Desgl., Mk. 1030; 
Nr. 33, Desgl., Mk. 5100; Nr. 36, Rob. Franz, Brief, Mk. 2000; 
Nr. 71, Ders., Vierzehn Briefe, Mk. 7050; Nr. 86, Grieg, 
Porträt mit Widmung. Mk. 1250; Nr. 89, Joseph Haydn, 
Konzeptfragment eines Briefes, Mk. 3200; Nr. 91, Job. Michael 
Haydn, Komposition, Mk. 1350; Nr. 103, Kreutzer, Drei 
Orchestertänze, Mk. 1150; Nr. 111, Leoncavallo,' Brief, 
Mk. 1400; Nr. 136, LoewtJ, Oper „Rudolf, der deutsche Herr“, 
in Partitur, Mk. 18 500; Nr. 149, Marschner, Musikhand 
schrift, Mk. 3200; Nr. 159, Massenet, Musikstück, Mk. 1700; 
Nr. 161, Mendeissohn-Bartholdy, Ungedruckte Klavier 
sonate, Mk. 51.000; Nr. 162, Ders:, Musikhandschrift, 3L S., 
Mk. .51.000; Nr. 177, Mozart, Sonate Nr. 3 in F-Dür ans 1781, 
Mk. 146.000; Nr.. 178, Ders., Musikstück, 2 Seiten, Mk. 71.000; 
Nr. 184, Musiker Visitenkarten, Mk. 1000; Nr. 186, Naumann, 
Ölporträt, Mk. 00.000; Nr. 300, Ders., Grand Duo concertant, 
op. 48, Mk. 50.000. 
T ex tb ü che r. Nr. 313, Rinuccini, Dafne, Mk. 1350; 
Nr. 314, Perl, Euridice, Mk. 1250: Nr. 315, Desgl., Mk. 1000; 
Nr. 316, Monteverde, L’Arianna, Mk. 1900; Nr. 317. Desgl., 
Mk. 1100; Nr. 323, Cavalli, L'Hipermestra, Mk. 1700. 
, Bildende K ü n s t 1 e r. Nr. 421, Boeclclin, Brief, 
Mk. 1250; Nr. 444, Dore, Brief, Mk. 1450; Nr. 452, Guercino, 
Brief, Mk. 1600. 
Schriftsteller. Nr. 553, Alfieri, Brief, Mk. 1210; 
Nr, 569, Beaumarchais, Brief, Mk. 1050; Nr. 580. Byron, 
Brief, Mk. 2150; Nr. 582, Chamisso, Gedicht, Mk. 1050; 
Nr. 586, Chesterfield, Brief, Mk. 1810; Nr 598, Fichte, 
Handschrift, Mk. 1550;'Nr. 606, Fontenelle, Brief, Mk. 1250; 
Nr. 620 und 621, Gentz, Handschriften, Mk. 4000; Nr. 631, 
Grillparzer, Albumblatt, Mk. 1250; Nr. 652, Heine, Frag 
ment, 2 Seiten, Mk. 1100; Nr. 653, Ders., Bruchstück aus 
„Lutetia", II 1 /., Seiten, Mk. 3300; Nr. 683, Körner, Brief, 
Mk. 1060; Nr, 684, Ders., Brief, Mk. 1300; Nr. 685, Desgl., 
Mk. 1150; Nr. 693, Lenau, Bruchstück von „Savotiarola", 
Mk. 12.000; Nr. 695, Lichtenberg, Verse unter die Kupfer 
des Gothaischen Kalenders vom Jahre 1777, Mk. 1050: Nr. 696, 
Ders., Manuskript, 78 Seiten, Mk, 1050; Nr: 696, Ders., 
Manuskript, 78 Seiten, Mk. 1850; Nr. 707, Manzqni, 
Brief, Mk. 1150; Nr. 713, Maupassant, Brief, Mk. 2250; 
Nr. 720, Mosclieroff, Brief, Mk. 1550; Nr. 721, Mahler 
Müller, Brief, Mk. 1050; Nr. 724. Müsset, Brief, Mk. 2200; 
Nr. 738, Fritz Reuter, Brief, Mk. 1200; Nr. 739, Richard 
sohn, Brief, Mk. 3200; Nr. 837, Stammbuch eines Chr. Ludwig 
Lipten, Mk. 30.000; Nr. 838, Stammbuch enes Theologen 
Karl Fr. Melchior Meyer, Mk. 5000 und Nr. 839, Stammbuch 
eines Frankfurters Bein, Mk. 3500. 
BIBLIOPHILIE. 
(Illustrierte, und seltene Büche- aus dem 
15. bis 19. Jali hundert.) Beider am 29. Oktober von Paul 
Graupe in. Berlin durchgeführten Versteigerung wurden 
Mk. 1,156.126 erzielt. Es brachten: 
Nr. 1, Abailard ct Heloise, Paris Tran 4 (1796), Mk. 1650; 
Nr. 2, Aesopus fabulae, 1486, M 7100; Nr. 3, Albertus Magnus, 
de intellectu, 1492, M k.560; Nr. 4, Ders., Sermones notabiles 
e 1476, Mk. 5000; Nr. 5, Anacreon, Sapho, Bion et Moschus,
	        
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