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MAK

Full text : Monatszeitschrift II (1899 / Heft 10)

Rande, jede mit mehreren Ringen für die mattrothen Aufhängeschnüre,

 die von hoch oben, aus einem ganzen System von Schnüren

und Quasten herabkommen. Der Architekt des modernen Wien

wollte einmal zeigen, wie man ein Bild nach Verdienst hängt. Und

im berühmten Makart-Zimmer Dumbas steht auf einer Staffelei das

Brustbild seiner Tochter, auch eine feine Probe Angelischer Art; eine

junge Wienerin von mattem griechischem Teint, in zarten Tönen von

Altelfenbein, der weisse Überwurf um die Schultern erinnert an den

antiken Peplos.

Die Wohnung Dumbas ist natürlich eine Selbstbiographie. Nicht

er, aber sein Leben hat sich darin selber geschildert, so andeutungsweise,

 in kleinen und grossen, ja ganz grossen Denkmälern. Da steht

in einem Corridor ein stattlicher Glasschrank, der über fünfzig prachtvoll

 ausgestattete Adressen enthält, von den verschiedensten Körperschaften,

 die ihm im Laufe der Jahre dankschuldig geworden. Und

mit einem Schlage erinnert man sich, dass dieser grosse Kaufherr

sich zeitlebens auch für das Wohl seines Vaterlandes und seiner

Heimatstadt kraftvoll eingesetzt hat, dass er wirklicher Geheimer

Rath und Mitglied des I-Ierrenhauses geworden ist, dass er sich um

Musik und bildende Kunst in Wien, wie Wenige, verdient gemacht

hat. Wie eng ist nur sein Name mit dem Wiener Männergesangsverein

 und dessen Thaten verknüpft, die seinerzeit förmliche Grossthaten

 waren. Man denke an das Schubert-Denkmal, das er als

Obmann des Männergesangsvereins ins Leben rief. Dumba und

Herbeck, die beiden Propheten Schuberts. In der That, wenn man

in Wien den Namen Schubert nennt, hallt der Name Dumba wie von

selbst mit. In jüngeren Jahren war Nikolaus Dumba ein begeisterter

Schubert-Sänger; ein musikalischer Wiener überhaupt, auf dem Clavier

zu Hause, wie auf der Geige. Eine seiner Wände ist noch jetzt mit

einer ganzen Sammlung kostbarer alter Musikinstrumente bedeckt,

Prachtstücken oder Werken berühmter Meister. Ein Denkmal seiner

wienerischen Jugend, welche sang und klang. Schubert war die

Sonne seines Frühlings und Sommers, und diese Sonne wärmt noch

jetzt. In der grossen Schubert-Ausstellung vor drei Jahren waren

Dumbas Schubert-Schätze obenauf. Jetzt sind sie wieder durch die

ganze Wohnung hin verstreut. Schon auf seinem Schreibtische stehen,

als I-Iausgötter gleichsam, die Bronzebüsten Schuberts und Beethovens.

 Und an den Wänden, wo so viele Altwiener Bilder in

verblichenen Wasserfarben hängen, erkennt man so manche Reliquie

dieses Lebenskreises. Die berühmte „Schubertiade" Kupelwiesers,

wo eine Charade aufgeführt wird; der Clavierspieler Jäger, der auch
            
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