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Metadaten: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, 2. Abtheilung: Niederösterreich

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-r.cr römische König Ferdinand hatte die Ursachen der kirchlichen Bewegnng richtig 
erkannt; ihn beseelte daher vor Allem das Streben, den Clerus zu bessern, die neue 
Lehre durch die erneuerte Kirche zu bekämpfen. Im December 1550 wendete er sich 
Persönlich au den Lüfter des kurz zuvor entstandenen Jesuitenordens, an Ignatius von 
Loyola, der zwölf Genossen schickte, die Ende Mai 1551 in Wien ankamen. Damals 
begannen die Visitationen der Klöster durch den sogenannten „Klosterrath", eine eben 
eingesetzte Behörde, die bald alle geistlichen Angelegenheiten der Katholiken regelte und 
leitete. Die Maßregeln gegen die Protestanten, denen Ferdinand anfangs ziemlich mild 
begegnete, wurden wieder verschärft. Am 20. Februar 1554 erschien das Verbot, die 
Communion unter beiden Gestalten zu reichen, doch wurde 1556 nach den Verhandlungen 
des Ausschußlandtages zu Wien dies wieder unter der Bedingung gestattet, daß die 
stände sich keiner weiteren Neuerung schuldig machen und die Protestantischen Prediger 
aufhören, öffentlich zu predigen. Wiederholt wies Ferdinand aus innerer Überzeugung die 
Forderungen der protestantischen Stände zurück. Sein Sohn und Nachfolger Maximilian!!, 
hingegen suchte seine aus der Jugendzeit stammende und durch den Verkehr mit Protestanten 
genährte Neigung mit der Staatsklugheit in Einklang zu bringen und eine Versöhnung 
der Parteien anzubahnen, ohne jedoch greifbare Erfolge zu erreichen; oft mußte er auf 
den Landtagen den protestantischen Ständen schon um der Türkengelder willen nachgeben, 
daher unter ihm der Protestantismus bedeutend um sich griff. Während zu Ferdinands 
Zeiten der Protestantische Gottesdienst nur geheim gehalten wurde und geduldet war, 
durften die protestantischen Stände seit 18. August 1568 unter Zusicherung gewisser 
Bedingungen die Augsburgische Confession von 1530 auf ihren Burgen und Schlössern frei 
ausuben, welches Zugeständniß Maximilian II. aber bald darnach, am 14. Jänner 1571, 
auf den Herren- und Ritterstand einschränkte. 
Gegenüber dem unentschiedenen, schwankenden Verhalten Maximilians verfocht 
Kaiser Rudolfs II. Bruder und Statthalter in Niederösterreich, Erzherzog Ernst, der ein 
glaubensstrenger Katholik war, mit starker Hand und zielbewußter Energie die 
katholische Sache. 
Zu jener Zeit stand der Protestantisinus in Niederösterreich auf seiner Höhe. 
Er zahlte unter dem Adel und den Ständen zahlreiche Anhänger, hatte lateinische Schulen 
in Wien, Loosdors, Stein und Feldsberg, und in den Kapellen der Schlösser und Burgen 
wie auch in vielen Pfarrkirchen predigten Pastoren und Prädicanten, die der Mehrzahl 
nach aus dem Reiche hereingekommeu waren. Innerhalb dieser Prädicantenkreise und 
Gemeinden gährte es wohl gewaltig und spukte der slaccianische Kirchenstreit, den 
Di. Lucas Bacmeister aus Rostock durch Besprechungen über Schule und Kirche wie auch 
durch Visitationen und Streitschriften zu unterdrücken sich bemühte.
	        
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