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Full text: Monatszeitschrift III (1900 / Heft 3)

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seiner bildnerischen, analytischen und aufbauenden Kraft. Auch die Grübl- 
Medaille ist gut, nur der Revers weniger gelungen; im Ornamentalen und 
Symbolischen liegt seine Stärke nicht ' " 
oder er übt sie darin weniger. Das 
machen die Franzosen besser, wie er 
denn gar nichts von den Franzosen 
hat, er studirt sie, aber zur Nach- 
ahmung ist er nicht gestimmt und 
geschaffen. 
Ein höchst eigenthümliches Stück 
ist Scharffs Goethe-Medaille, im Avers 
mit dem Porträt des alternden Goethe, 
des Goethe vom ersten Decennium 
des vorigen Jahrhunderts, da er den 
I. Theil des Faust vollendete, mit dem 
wohlbekannten überlieferten und doch 
eigenartig markig erfassten Typus 
des scharfen Goethdschen Profils; Henri Dubais, Der Hühnerbof, Silbermedaillen 
im Revers mit einer Darstellung des v 
Prologs im Himmel, im I-Iintergrunde die drei Erzengel, in der Mitte der Herr 
auf dem Wolkenthron, in breitem, faltigem Gewande, das mächtige, an Michel 
Angeles Moses gemahnende Haupt in die Linke gestützt, mit dem linken 
Fuss auf der Weltkugel ruhend, humorvoll auf den links von ihm stehenden 
Mephisto blickend, der, mit der Rechten nach abwärts weisend, iwohl eben 
die Worte spricht: „Ich sehe nur, wie sich die Menschen plagen; der kleine 
Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag und ist so wunderlich als 
wie am ersten Tag." Was bei dieser Composition auffällt, ist die ausser- 
ordentlich durchdachte Gruppirung der 
Figuren, die machtvolle Charakteristik des 
Herrn und die glückliche Individualisirung 
des Teufels, nicht als teuflischen, auch nicht 
als dummen Teufels, aber als Schalksnarren, 
der vom Herrn gerne gesehen, nicht hohe 
Worte machen kann und dessen Pathos 
„Ihn zum Lachen brächte, wenn er sich 
nicht das Lachen abgewöhnt". Hans 
Sachs'sche Derbheit, wie Goethe sie dieser 
gewagten Scene wohl verliehen haben 
wollte, fehlt der ScharfPschen Auffassung; 
auch fällt auf, dass der Herr hier sitzend 
dargestellt ist, während Goethe doch den 
' Eintritt des Herrn in den Kreis des „Gesindes" 
im Auge hat („Da Du, o I-lerr, Dich einmal wieder nahst und fragst, wie 
Alles sich bei uns befinde"); immerhin ist diese Darstellung eine der 
 
 
Henri Dubais, Alphäe Dubois, 
Silbermedaille 
181"
	        

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