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MAK

Full text : Monatszeitschrift II (1899 / Heft 12)

EIN MODERNES LANDHAUS VON

J. M. OLBRICH 5-0 VON LUDWIG HEVESI-WIEN

 54b

S wird jetzt viel Neues gebaut, aber noch

mehr angeblich Neues. Die Kunst, alte

Muster durch neue Zuthaten und revolutionär

 thuende Wendungen zu verkappen,

wird allerwärts mit einer Fröhlichkeit geübt,

die eigentlich Schlauheit ist. Die Herren

' '_, thun alle jung und spielen sich auf eine

-" neue „fröhliche Wissenschaf " hinaus.

Darum erblickt man heute jeden auffallenden

 Bau zunächst mit einem leisen Misstrauen.

 Von gewissen „secessionistisch" costümirten Barock-Rastern

wendet man sich ohnehin gleich mit Widerwillen weg, aber auch die

nachgeahmte OriginalitätAnderer ist nicht erbaulich. Da wird frischweg

etwas Horta mit etwasV0ysey gemischt, oder etwas „Castel Beranger"

mit etwas Hankar gespickt und die Einrichtung aus Van de Velde'schen

und Selmersheim'schen Citaten zusammengeleimt - und das Nagelneue

 ist fertig. Die Originaltalente sind und bleiben selten. Dass]. M.

Olbrich eines ist, wusste man seit dem Hause der Secession; wie stark

aber seine Selbsteigenheit und Fruchtbarkeit sprudelt, zeigt erst das

grosse Landhaus, das er einem Wiener Fabrikanten in der Hinterbrühl

erbaut hat. Die Villa Friedrnann, die er eben noch fertiggebracht, ehe

wir ihn (leider!) an Darmstadt verloren, ist durchaus neu, durchaus

wienerisch und durchaus olbrichisch. Und dennoch ist ihr Erstes, den

Lebensverhältnissen der Inwohner, ihrem Familienbediirfnis, wie ihrer

Daseinsfreude vollkommen zu entsprechen. Das ist das moderne

Wohnhaus, kein gefälschter Palast, keine restaurirte Burg oder

beziehbar gemachte Friedhofskapelle, wie unsere meisten Landhäuser

der letzten zwei Menschenalter. Es ist etwas Organisches, aus dem

Wiener Boden hervor-gewachsen, wie die Bäume und Hügel ringsum,

und für farbenfrohe Neuwiener eingerichtet, die aus ihrer sonnig

colorirten Natur nicht in ein ödes, papierbeklebtes, billig tapezirtes

Interim-Heim treten wollen, mit dem Troste, das „am Land" Ersparte

dann zum städtischen Winterluxus schlagen zu können. Das Element

dieses Hauses ist Freude. Freude am Hause selbst, am Wohnen darin,

am Ausgestalten und Schmücken desselben, bis es recht als ein Stück

Leben dasteht und als eine völlig persönliche „Umwel " leben


            
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