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MAK

Full text : Monatszeitschrift II (1899 / Heft 12)

Kopfende des Bettes ist der Wald am dichtesten, gegenüber bei der

Thüre zur Terrasse am dünnsten, dort ist gleichsam der Waldsaum

und es geht ins Freie, in die Wiese, - auch ist draussen die Innenseite

der Terrassenbrüstung mit bunten Wiesenblumen bemalt. Warum

sollte der stilisirende Künstler die Natur unter allen Umständen über

einen Leisten schlagen? Es muss ihm frei stehen, auch den Stil so zu

tönen, wie er der Stimmung des Raumes am besten entspricht.

Dieses Schlafzimmer verdient aber etwas genauer geschildert zu

werden.DerLeser kann es sichvorstellen,wie die lichte Wandlandschaft

hinter dem dunkel-rothvioletten Holzwerk der Gesammteinrichtung

zurückweicht und sie als ein luftiges Element mit dem Eindruck der

Athembarkeit umschwebt. Als ein poetisches Element, mit anderen.

Mit jenem gewaltigen Engel des Schlafes zum Beispiel, der das

einzige Doppelfenster des Raumes mit seinen dunklen Fittichen ganz

umfangen hält. Sein ernstes, mildes Antlitz mit dem bleichen, weichen

Hautton schaut von der Höhe der Fenster auf die Schlummernden

nieder, die dunklen Locken zerfliessen nach oben, senden aber auch

einige schwere Strähne am Zwischenpfeiler des Fensters nieder. Dazu

die herrliche kolossale Parenthese, in die das Fenster beiderseits durch

das Flügelpaar des Genius gefasst ist. Und zieht man die weissen,

mit violetten Ringeln gezierten Stores vor, so scheinen sie das leichte

weisse Gewand des Engels zu sein. Und an dem breiten Bette sind

in dem violetten Holze rechts und links veilchenartige Blumen

geschnitzt, die sich hoch auftanken und oben angelangt, schlafmüde

die Häupter neigen, auch auf die Nachtkästchen herab, deren eines

mit dem Bette verwachsen ist. Und am Fussende des Bettes ist

gleichfalls ein Ornament geschnitzt; an jeder Seite zwei grosse

verschlungene Ringe (Eheringel), denen sich wieder Veilchen anschmiegen.

 Kein Zweifel, dieses Schlafgemach ist ein Gedicht, oder

eine Symphonie in Rothviolett. Alles ist auf diesen Ton gestimmt,

auch der Bettvorleger und die Marmorplatte des Waschtisches, zu

dem sich wieder Violenstengel in weichen Curven erheben.

Über zwei Wände fortlaufend streckt sich ein grosser Schrank,

in den auch die betreffende Thüre hineingebaut ist. Er trägt etwas

unter der Mitte ein querlaufendes breites Pflanzenornament, ganz

flach geschnitzt und in entschlummemden Farben gehalten, das

dichte Blättergewinde grün, die ananas- oder tannenzapfenartigen

Phantasiefrüchte violett. Dabei ist jedoch der Schrank constructiv

gedacht; oben geht ein breites, segmentartig geschwungenes Band

zusammenhaltend durch, Rahmenstücke und Füllungen halten sich

die richtige Wage.
            
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