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MAK

Full text : Monatszeitschrift II (1899 / Heft 12)

die in Farben radirten Degas-Eifecte Richard Ranfts, die blos als Attitüden gesehenen

 Akte Piets, die spiessigen Cartons des Engländers Gerald Moira, die nervigen

 architektonischen Federzeichnungen Pennells aus der Notredame, die

Kraftsachen Angelo Janks (München), und Richard Müllers (Dresden). Carriere

imponirt mit lebensgrossen lithographirten Köpfen (Daudet, Rodin und der ergreifende

 Paul Verlaine), wo er seine schummerigen Schattenwirkungen prächtig

zu steigern weiss. Dagnan-Bouveret und Puvis de Chavannes (colossale Lithographie

 seiner Pantheonscenen), Menzel, Leibl sind trefilich vertreten, Liebermann

mit einer ganzen Sammlung Momentanea, L. v. Hoffmann mit einer noch

grösseren von allerhand paradiesischen Allotrien und „volklichen" Lebensstudien.

Eine der I-Iauptfiguren ist der Pariser Meister Roll. Seine lebensgrossen Pastellstudien

 zu den „joies de la vie" im Hotel de Ville sind n-iagistral, desgleichen die

machtvoll hingestrichenen weiblichen Pastellacte und die gewaltige Kohlenstudie

zu seinemßTravail"; Das ist die eigentlich starke Ecke der Ausstellung, und in

ihrer Mitte steht eine Überraschung, eine weibliche Marrnorbüste („Indifferenee")

von der Hand des Malers Roll. Es ist nackter Marmor, Rolfsches Fleisch, von

der nämlichen quellenden Lebensfülle, die seine gemalten Acte auszeichnet, ein

wahres Blühen von animalischen: Leben. Eine andere hervorragende Plastik ist

von Bartholome, dem Meister des zu Allerseelen enthüllten Monuments „Aux

Morts" auf dem'Pere Lachaise, dessen beste Theile uns die Secession nach und

nach in Abgüssen gezeigt hat. Das jetzige Werk ist eine mässig grosse Gruppe:

„Desesperes d'amour". Man denke sich etwa Adam und Eva nach dem Sündenfalle.

 Sie sitzt, er kauert am Boden, um ihren Steinsitz hergeschmiegt. Der Gegensatz

 der beiden Forrncharaktere ist mit jenem aristokratischen Geschmack gegeben,

der die Änatomie Bartholomes eigenthümlich adelt. Die Bewegung, mit der das

Weib ihr "Haupt in das aufgehobene Gewand hüllt, ist voll Anmuth und Grösse.

Auch Meunier und Grassct haben wieder Plastik gesandt, diesmal kleinere. Sie verkauft

 sieh.wie warme Semmel.

KÜNSTLERHAÜS. Die Weihnachtsausstellung im Künstlerhause ist diesmal

 auffallend mager ausgefallen. Sie zählt zwar 272 Nummern, aber das

künstlerische Niveau ist denn doch gar zu niedrig angesetzt. Es soll natürlich

eine Ausstellung für Käufer sein, aber Käufer sind vor Allem Besucher, und Besucher

 sind jetzt schon selten, wenn man ihnen nicht das Beste bietet. Die

Künstlergenossenschaft wird bald in sich gehen müssen, es könnte sonst zu spät

werden. Das Angenehmste in der Ausstellung sind uns eigentlich die ganz jungen.

Johann Ifarwin etwa, dessen „Pülcher" wir diesen Sommer noch in der Schulausstellung

 der Akademie sahen. Da ist wienerischer Urwuchs, der an den Anfänger

 Engelhart („Die Banda kommt") erinnert. Einer der vier Pülcher, die längs

der Annoncenwand hinstrolchen, pfeift dem Beschauer einen Gassenhauer ins

Gesicht und schielt ihn dabei gar verschmitzt an; das ist besonders drastisch gegeben.

 Und in der Farbengebung ist schon moderne Luft, ein ganzer Einklang. So

ein junger ist auch Moriz Coschell (Dame in grauer Toilette, mit Hutungethüm),

er hat Chic, aber dabei doch eine gewisse Trockenheit, Licht und Luft muss

er erst noch suchen. Andere, wie Epstein und Jungwirth, verlieren sich noch

in ihren Aufgaben und gerathen leicht ins Geflunker. Unter den Porträts fallen die

von Robert Schiff auf; eine Dame in rothem Mantel ist besonders pikant und dennoch

 fein, während eine lebensgrosse Medelsky, als weisse Harmonie gedacht, in
            
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