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Full text: Monatszeitschrift III (1900 / Heft 9)

Aus dem Trausaal der Stadt Karlsruhe, Traupult 
 
Feste darin veranstalten. Allein die junge Generation, die mannbar und, man kann es 
ruhig sagen, tonangebend wurde in den Jahren der Vollendung dieses neuen Baues, 
wird in dem überlangen, allzuviel decorirten, allzu prunkvollen, allzu ausstellungs- 
mässigen Festsaal nicht viel Maskenscherz und Mummerei treiben können. Dazu ist nicht 
zu verhehlen, dass der seltsame Grundriss des Hauses nur einen Saal und vier verhältnis- 
mässig kleine Festräume für das ganze Künstlerhaus ergeben hat. Die lnnendecoration des 
Hauses ist charakteristisch. Sie ist das letzte Werk der abtretenden Generation. Die 
autokratische Künstlematur Fr. v. Lenbachs hat noch ein letztes Werk mitschaßen helfen 
von jener allbekannten prunkenden deutschen Deeorationsmanier und dem Farbensinne 
Lenbachs ist es auch zu verdanken, das manche Räume, so der kleine Empfangssaal im 
Parterre, im Rahmen dieser Art Interieurkunst sehr vortheilhah wirken. Allein alle 
Künstlerschaft Lenbaehs und alle aufgestapelten Kunstschätze in diesen Sälen können das 
Gefühl der Befriedigung in dem Betrachter nicht verdrängen, dass diese Art ausgelebt hat. 
Es ist etwas Unechtes in dieser Manier. Die überreichen Stuckplafonds mit den Kron- 
leuehtern, die schweren Stotfe, die vielen Farben - das ist nicht immer materialtreu. 
Und das grosse Verdienst der modernen Kunstgewerbebewegung war es doch, dass wir 
alle einen Abscheu vor jeder Imitation bekommen haben. Und imitirt, äusserlich, 
ausstellungsmässig - das sind die Charakteristika dieses Künstlerhauses. Für die Herren, 
die das Haus gebaut haben, soll das kein Vorwurf sein: Sie hatten ein überlebtes Project 
auszuführen. Nur soll kein Mensch glauben, dass wirkliches Leben in diesem Hause vor 
sich gehen kann. Es wirkt wie eine Art Museum, ein Zeichen vergangener Art. 
ÜNCHEN. DIE BEBAUUNG DER KOl-ILENINSEL. Von der Anschauung 
ausgehend, dass das auf zeitweilige Ausstellungsbauten verwendete Capital nur 
allzugeringen Nutzen bringe und eine verhälmismässig unbedeutende Vermehrung 
desselben dauernd Gutes schaifen könnte, hat der bayerische Kunstgewerbeverein in 
München einen Plan gefasst, der, in seinen Zielen ideal, für die Stadt, besonders aber für 
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