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Full text: Monatszeitschrift III (1900 / Heft 11)

 
dieser Zeiten spricht, und das sind Fragen, zu deren Lösung die Kenntnis 
der materiellen und ideellen Lage des Volksganzen und der einzelnen Theile 
gar nicht entbehrt werden kann. 
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Die Kunstgeschichte braucht für jede Epoche ihrer Forschungen die 
Nationalökonomie. Am nothwendigsten aber braucht die Geschichts- 
schreibung der Kunst des XIX. ]ahrhunderts die Kenntnis volkswirtschaft- 
licher Untersuchungen. Denn im  Jahrhundert ist die Kunst nicht mehr 
die Angelegenheit einer bevorzugten Classe, sondern sie ist eine Angelegenheit 
der Allgemeinheit, des Volkes geworden. Solange es Geburtsvorrechte eines 
Standes gab, so lange war die Kunst im Dienste dieses Standes. Im 
XIX. Jahrhundert wurden und werden mehr und mehr alle Geburtsvorrechte 
beseitigt. Ein ewiges Auf und Ab und Hin und Her hat alles Festnageln 
unmöglich gemacht. Nicht mehr der Stand, in dem der Mensch geboren ist, 
ist für seine Zukunftsstellung von ausschlaggebender Bedeutung, sondern das 
persönliche Geschick, sich selbst im Leben durchzusetzen. In der stetigen 
Bewegung des socialen Ganzen bleibt nur die Gesammterscheinung und die 
Gesammtwirkung einheitlich. Und diese Gesammtheit ist es naturgemäss, 
die auf die Kunst der Zeit Einfluss ausübt und von ihr beeinflusst wird. 
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