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MAK

Full text : Monatszeitschrift III (1900 / Heft 11)

481

jener mechanischen Behelfe, wie sie zur präcisen Führung eines Zeicheninstruments oder

zum Messen geeignet sind. Was gearbeitet wird, geschieht ausnahmslos freihändig. Auch

die plastisch hergestellten geometrischen Körper und deren Durchdringungen sind aus

freier Hand hergestellt. Der kindliche Schüler beginnt mit dem Zeichnen von Kreislinien,

die wiederholt und '

oftmals in sich selbst

zurückgeführt werden,

um die Händchen in

den nöthigen ununterbrochenen

 Schwung

zubringen. DieserVorgang

 erinnert an die

vor etwa 50 Jahren

und darüber stark verbreitete,

 von vielen gerühmte,

 von anderen

entschieden zurückgewiesene

 amerikanische

 Lehrmethode des

Schönschreibens, bei

der gleichfalls die

Elemente der Buchstaben,

 das Oval, die

S-Linie u. s. w. auf

einer und derselben Balkongitter, Wiener Arbeit (Österr. Museum)

Stelle in vielfältiger

Wiederholung geübt werden mussten. Dem Kreise folgt die Spirale, die Schlinge u. s. w.,

die sofort auch zu Compositionen ornamentaler Art verwendet werden. Die Linien

als Umrisse betrachtet, führen zum Flachornament, dessen Formenreihe die Volute

(der „Schnörkelä wie es im Text stets heisst) eröffnet. Rosetten und Ranken

entstehen aus den Verbindungen. Kreise fügen sich masswerkartig ineinander, primitive

Blattformen folgen und palmettenartige Gebilde. Hiebei wird auch schon der Phantasie,

der Fähigkeit zu erfinden, freier Spielraum gelassen. Correcturen sind nicht erlaubt.

Missglückte Arbeiten beginnen so lange von neuem, bis die nöthige Sicherheit und

Vollkommenheit erreicht ist. Zu bemerken ist, dass alle diese Arbeiten noch nichts mit

der Natur als Vorbild zu thun haben, die Vorbilder aber, die dem Schatze der Antike und

sonst den alten Kunstweisen entnommen sind, immer in einfachst schematisirter Form

verwendet werden. Die Übungen erfolgen sowohl mit der rechten, als auch mit der linken

Hand; beide Hände sollen geschult, wo es angeht, auch gleichzeitig verwendet werden.

Nach ähnlichen Grundsätzen wird der Vorgang beim Modelliren eingehalten, das mit dem

Formen einer Kugel, eines runden Bällchens Thon beginnt und ordnungsmässig weiter

fortschreitet. Lebende Wesen und Erzeugnisse der Technik, wie Möbel und Geräthe

oder Gefässe, werden weiters beim Zeichnen, nach Umständen auch beim Modelliren

verwendet. Durch Schnitzen scheinen hauptsächlich nur ornamentale Füllungen hergestellt

zu werden.

Bei allen diesen Arbeiten wird, wie es wohl selbstverständlich ist, der Wiedergabe

der Gebilde aus dem Gedächtnisse grosse Bedeutung zugeschrieben.

Bis hieher ist der Schüler vor jeder Theorie sorgsam gehütet worden. An deren

Stelle trat die stricte zu befolgende Vorschrift. Man macht -, man nimmt hiezu -, es ist

nicht gestattet -, so klingt es stets ohne nähere Begründung aus dem Munde des

Lehrers. An das Warum zu denken, darf dem Schüler wohl gar nicht einfallen. Doch, wie

sagt der amerikamüde Dr. Moorfeld? „We are in a free country."



ßs
            
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