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MAK

Full text : Monatszeitschrift III (1900 / Heft 12)

Frant. Bilek. Seine grosse Holzplastik eines Calvarienberges, mit dem fast archaisch

starren Christus, dessen Dornenkrone ein ganzes Gestrüpp ist und dessen Stricke lang

niederhängen, macht einen fast wilden Eindruck. Der Hintergrund aus Brettern, mit

eingeschnittenen Umrissen von halben Figuren, nageldurchbohrten Händen, schmerzlichen

Köpfen, Inschriften, ist wie ein Blatt aus dem Skizzenbuch eines phantasirenden Zeichners.

Eine Gipsgruppe „Golgatha" zeigt eine alte Frau und ein junges Mädchen, jene von

Gram durchgeistigt, diese in leidenschaftlichem Schmerz hingesunken; höchst naturalistisch

alles. Zwei decorative Vasen sind ebenfalls sehr phantastisch erfunden. Studienköpfe,

Porträtmasken in Holz oder Thon zeigen eine durchdringende Art, die Natur zu fassen.

Eine weniger energische Eigenart ist Stanislav Sucharda, der sich im Künstlerhause längst

seine goldene Medaille verdient hat. Seine Märchenfigur, die Loreleyartig vom Felsen

herablauscht („Der Schatz"), ist von volksthümlicher Frische. Verschiedene Arbeiterdarstellungen

 scheinen uns etwas zu anmuthig; reizend sind zwei Medaillons mit pausbäckigen

 Kindern. Auch eine frische Herrenbüste von Guido Kocian ist zu erwähnen.

Schliesslich sei auf das kleine farbige Gipsmodell für den Umbau der St. Georgskirche zu

Pilsen vom Wagner-Schüler Jan Kotera verwiesen. Der Cottagestil ist da in reizvoller

Weise kirchlich verwendet. Der viereckige Thurm mit seinen vier engelgekrönten Eckpfeilern,

 die die hohen Fenster zwischen sich fassen, die lauschige Thürnische zwischen

dem Glockenthurm und einem runden Spitzthürmchen, die bauernhausmässig breiten,

vielfach untergetheilten Fenster, das hohe, steile Dach - das alles gibt sich ländlich

anheimelnd, wie eine Villa des lieben Gottes. - In die nämliche Ausstellung wurde ferner

eine Anzahl Küstenstudien von Willy Hamacher (Berlin) eingereiht. Das Meiste ist Riviera

(Rapallo), Stimmungsstudien, gern mit Gelb am bewegten Himmel und hochaufspritzendem,

blauem Schaum. Ein Lieblingsmotiv ist hochgelbes Sonnenlicht auf einer Höhe, zu der

die schwärzesten Schatten hinanfluten. Dazu etwa noch gespenstig weisse Segel in der

Dämmerung oder im ersten Abendschatten, vielleicht von oben hinab gesehen und etwa

jenseits des Wassers der Hügel und die Häuser noch im Sonnenschein. So in einem sehr

guten, grossen Bilde: „Abendsonne (Rapallo)". In tiefer Dämmerung hingleitende graue

Barkensegel nebst zugehörigem Gemäuer erinnern in der schläfrigen Harmonie an Keller-Reutlingen.

 Die blauen Bilder sind im allgemeinen weniger gut. Rivierablau - sogar

Schönleber musste sich daraus retten und Zoffkennt seine Gefahren besonders genau. Man

wird gläsern darin, wenn man es nicht wie Böcklin vergewaltigt.

GALERIE MIETHKE. Ein junger mährischer Maler, JozaUprka, den man kürzlich

bei Miethke kennen lernen konnte, verdient es, dass man sich ihn genau merke.

Er hatte mehrere Wände mit Studien aus dem nationalen Volksleben bedeckt. Auch in den

Bildern war die Figuren- und Kostümstudie die Hauptsache, während die Landschaft

unverhältnismässig schwach blieb. Der slavische Colorismus hat bekanntlich seine eigene

Note, in dem bei vielem Weiss (Halinaweiss und Waschblauweiss) ein lustiges Roth, Gelb

und Grün angeschlagen wird, das an Kürbisse, gelbe Rüben und Grünspan erinnert. Das

weibliche Kostüm in ein fröhliches helles Sonnenlicht zu stellen, dass es förmlich explodirt,

das ist die Passion Uprkas, und dazu hat er sich auch eine luftige, poröse Technik von

recht moderner Art gemacht. Wo er diese Figuren zu ganzen Schwärmen zusammenstellt,

gibt das ein förmliches Schmetterlingsgeüatter, aber er lässt sie auch im Gänsemarsch

einherschreiten, alle wie aus dem nämlichen Model geschossen. Dabei ist freilich nicht zu

übersehen, dass er sie gern verschönert; lauter Beautes, eine wie die andere, ja förmlich

glatte Puppenköpfe. Wenn er ein altes Weib oder einen abgearbeiteten Bauer nach der

Natur malt, ist mehr Charakteristik vorhanden. Was bei den Massenscenen empfindlich

mangelt, ist Luftperspective. Die Figuren kleben oft so zusammen, dass sie wie ein unendliches

 Tapetenmuster wirken. Mit der Landschaft wird aber überhaupt ganz summarisch

verfahren. Jedenfalls ist hier ein Talent zu beachten, das holfentlich an sich fortarbeiten

wird. Die ausgestellten Radirungen waren auch voll Talent. - Der zweite Ausgestellte
            
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