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MAK

Full text : Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 6 und 7)

316

Da sehen wir denn zunächst Hüon in

den Wald reiten, um seine abenteuerliche

 Reise um des Kalifen Bart und

Zähne zu beginnen. Dann folgt die

grosse Scene der Begegnung mit

Oberon, dessen Wunderhom die

Mönche und Nonnen zum Tanzen

bringt. Hierauf Hüons Aufenthalt bei

der tunesischen Prinzessin, die ihn

durch Musik und Ballet zu unterhalten

 sucht. Sodann der l-Ieimritt des

Geprüften, mit seiner Rezia und grossem

 Gefolge. Schliesslich noch ein

Schmalbild: I-Iüon und Rezia als glückliche

 Eltern mit dem Söhnlein Hüonnet.

 Der Künstler warwohl anderthalb

Jahre mit grössterAusdauer am Werke

und hat sich gründliches Modellstudium

 nicht verdriessen lassen. Der

Geist seiner zierlichen, dabei pikanten

Zeichnung und des luftigen, modernen

 Colorits ist der nämliche, der

seine hübschen Bilder in der ersten

Secessionsausstellung („Der Wind"

und andere) belebte. Aber auch für

den populären Humor seiner Gemüthsart

 ist Raum, zum Beispiel bei Schilderung

 des Mönchs- und Nonnentanzes,

 dessen gemächliche Embonpoints

 in so unerwünschten Aufruhr

gerathen. Die munteren Gruppen

haben überall ruhige, teppichartig

wirkende Hintergründe: der Klostertanz,

 den Kreuzgang eines romanischen

Klosters, die Scene bei der Prinzessin,

, _ _ eine alhambrische Architektur, der

Eine ideale Ofiicierswohnung, Tapete ausdemBoudoir Heimritts einen grünen Wald mit

grauen und weissen Stämmen. Dabei

sind gewisse Theile dieser Hintergründe, zum Beispiel ein bunter Azulejos-Streifen des

maurischenBaues, zu friesartiger Wirkung im Saale selbst verwendet, während Bäume

mit bunten Vögeln sich ungezwungen als Supraporten nützlich machen. Die heitere

Wirkung des Ganzen wird noch durch das verwendete helle Gold erhöht. Die vielen

Schmucksachen, einzelne Riistungsstücke, Waffen, Harfen, auch ein Theil des Vogelgeiieders

 sind vergoldet, und zwar auf plastisch aufgetragenem Gips, was die Decoration um

eine Pikanterie bereichert. Die Malerei selbst ist in Tempera auf dem Mauergrund ausgeführt,

 dünn und prima, in grossen Flächen, die aber doch viel Modulation, auch im

Nackten, gestatten. Überhaupt ist viel künstlerische Feinschmeckerei in dem ganzen

Werke, in aparten Pointirungen der Form, wie in den interessanten Freilichtfarben, mit

blauem Schwarz und dergleichen Prismatik. Natürlich fehlt es auch an Porträts aus dem

häuslichen Kreise nicht; auch der Künstler selbst marschiert im Geleite Hüons und

Rezias mit. Die schöne Arbeit gehört jedenfalls zu den Hauptleistungen der Wiener

Modernen.
            
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