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Full text: Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 9)

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gediegen in ihrem mattgrauen Ton diese Spiegelrahmen, Bürstenmontirungen, Schalen 
mit dem einfachen Schmuck des Wellenbandes, das sich in schöner Führung um die 
Ränder zieht. 
Das wäre die schmale Ausbeute der Objets dart-Abtheilung. So sehr erfreulich das 
Princip der officiellen Ausstellung ist, das früher in falscher Überhebung fern gehaltene 
Kunstgewerbe mit 
heranzuziehen, so sehr 
bedenklich scheint es, 
wenn es so gehandhabt 
wird wie diesmal. 
Die kunstgewerb- 
liche Abtheilung hat 
nur Berechtigung, 
wenn sie mehr und vor 
allen Dingen Frucht- 
bareres, Anregenderes 
leistet als das Durch- 
sehnittsschaufenster. 
Geradezu verderblich 
wird sie aber, wenn sie 
die Begriffe des Publi- 
cums über moderne 
Bestrebungen noch 
mehr verwirrt und an- 
spruchsvoll Räume auf- 
stellt, die der harmlose 
Besucher für Blüte und 
Muster des neuen Ge- 
schmackes hält und 
Rudolfl-iammeLKalTeetuch„Akazien" die dann zu seine;- 
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Verwunderung von 
jeder einsichtigen Kritik verworfen werden. Nun kennt er sich natürlich gar nicht 
mehr aus. 
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Eine sehr anregende Provinz hat aber die diesjährige Ausstellung doch, sie liegt 
nicht da, wo sich die lange Flucht der Bildersäle und die Hallen mit den bleichen Gipsen 
strecken, sondern abseits, und von den Sommer-Kunstgeniessem verirren sich nicht viele 
dorthin. Es ist die Halle der Berliner Architekturausstellung. Ein Mann hat hier das Wort, 
aber es ist ein Mann, der etwas zu sagen weiss. Wir haben den Namen Ludwig Hoffmanns, 
des neuen Berliner Stadtbaurathes, hier schon einmal genannt, als von der Kunst im 
Leben des Kindes die Rede war und auf die Schulgebäude dieses liebevoll sinnenden Bau- 
künstlers hingewiesen wurde. Hier sehen wir nun insgesammt in Modellen die Früchte 
seiner ungeheuer vielseitigen Thätigkeit der letzten Jahre. 
Communale Aufgaben von rein praktischer Bedeutung, Nutzbauten von manchmal 
sehr prosaischem Zweck, von aller Luxus- und Phantasiekunst weit fern, überträgt die 
Behörde ihren Architekturbeamten, neue Schulen gibt es zu bauen, Strassenreinigungs- 
depots, Krankenhäuser, Schwimm- und Turnhallen, Kinderasyle. Und das soll alles, ohne 
Aufwand, mit grösster Raumausnützung, mit peinlichster Budget-Berechnung gemacht 
werden. Dieser Beamte aber ist ein Künstler von feinster Culturbildung, der die Tradition 
der besten Epochen lebendig in sich trägt, den es reizt, in ihrem Geist zu bauen, nicht aus 
Gedankenarmuth und aus äusserlicher Nachahmerei, sondern weil seine künstlerischen
	        

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